Schneller digitalisieren, allen Hindernissen zum Trotz? Ja, dank des richtigen Ansatzes

Autor/Redakteur: Peter Skulimma, Geschäftsführer bei Endava Berlin/gg

Ohne Digitalisierung kein Fortschritt – diese Erkenntnis hat sich in den vergangenen zwei Jahren durchgesetzt. Denn die COVID-19-Pandemie hat öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, aber auch der Gesellschaft insgesamt deutlich vor Augen geführt, dass wir zuverlässige Daten und Transparenz benötigen, genauso wie schnelle(re) Prozesse und Flexibilität. Nur so können wir wichtige Entscheidungen auf Basis aller Fakten treffen, neue Arbeitsformen erfolgreich einführen oder die Produktivität steigern. Ein Anfang ist gemacht – doch jetzt muss der Blick auf die kommenden Herausforderungen gerichtet werden. Dieser Beitrag erklärt, welche dies sind und wie die Verantwortlichen sie meistern können.

Bild: Endava

Es ist wahrlich kein Geheimnis, dass Deutschland mit der Digitalisierung zu kämpfen hat. Zu lange haben wir uns auf Erfolgsfaktoren von früher verlassen und notwendige Veränderungen auf die lange Bank geschoben. Das hat sich in vielerlei Hinsicht während der Coronapandemie gerächt. So sind beispielsweise Daten wie die Hospitalisierungsrate bis heute, also dem dritten Pandemiejahr, nicht zuverlässig, und dennoch dienen sie als Basis für weitgreifende Entscheidungen.

Gerade in Unternehmen hat die Pandemie allerdings einen enormen Digitalisierungsschub ausgelöst, und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, wie eine aktuelle Studie von Endava zeigt: Demnach hat bei 84 Prozent der Unternehmen ihre schnelle Reaktion auf die Pandemie die Digitalisierung um bis zu zehn Jahre beschleunigt. In Deutschland führt dies zudem dazu, dass nahezu alle Befragten den Digitalisierungsstand ihres Unternehmens inzwischen als „gut“ oder sogar „exzellent“ bewerten.

Doch das ist nur der aktuelle Ist-Zustand, der morgen schon wieder veraltet sein kann. Wer sein Unternehmen langfristig auf die digitale Zukunft vorbereiten will, muss die kommenden Herausforderungen – und ihre Lösungen – erkennen.

Herausforderungen auf organisatorischer und operativer Ebene

Die größten Risikofaktoren bei der Digitalisierung unterscheiden sich von Branche zu Branche, schließlich unterscheiden sich auch die Voraussetzungen und Bedürfnisse der entsprechenden Unternehmen. Insgesamt stellen aber hybride Arbeitsformen oder das Arbeiten gänzlich aus dem Homeoffice die größte Herausforderung dar (40 Prozent). Dahinter kommen ein sich veränderndes Marktumfeld, etwa durch Fusionen, die sich wandelnden Kundenerwartungen sowie die Herausforderung, mit dem Wachstum des Marktes, beispielsweise durch neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle der Wettbewerber, Schritt zu halten (jeweils 34 Prozent).

Letzteres ist für gut die Hälfte der Einzelhändler (47 Prozent) das größte Risiko in den kommenden Jahren, knapp dahinter folgen die Kundenerwartungen (45 Prozent). Beides verwundert nicht, denn wir müssen damit rechnen, dass sich das Einkaufserlebnis durch den technologischen Fortschritt stark weiterentwickeln wird. Das „Metaverse“ ist hier sicherlich ein Stichwort, das Unternehmen spannende Möglichkeiten verspricht, die aber auch Ressourcen wie Zeit und Geld in Anspruch nehmen und neue Fähigkeiten für die Umsetzung verlangen werden. Aber schon heute haben Amazon oder Aldi erste kassenlose Geschäfte realisiert, während Google das Thema Social Commerce vorantreibt. Auch wenn diesen Konzernen andere Mittel zur Verfügung stehen, setzen sie die Messlatte, an denen Einzelhändler heute und in Zukunft gemessen werden, hoch. Wer nicht in der Lage ist, mitzuhalten oder durch andere USPs hervorzustechen, wird über kurz oder lang seine Kunden an Wettbewerber verlieren.