Data Sharing im Mittelpunkt der wirtschaftlichen, politischen und humanitären Transformation

Die Frage der Öffnung privater Datenbanken für das öffentliche Wohl, insbesondere im Gesundheitswesen, ist in der derzeitigen Situation akuter denn je. Kürzlich forderten einige Staatschefs die größten Besitzer von Geolokalisierungsdaten, Web-Giganten wie Facebook oder Google, sowie Mobilfunkbetreiber dazu auf, ihre Datenbanken für medizinische Forschungsinstitute zu öffnen, um die Verbreitung des Coronavirus zu analysieren und zu bekämpfen. So hat beispielsweise die Deutsche Telekom dem Robert Koch-Institut (RKI) vor Kurzem anonymisierte Massendaten aus ihrem Mobilfunknetz zur Verfügung gestellt. Solche Daten können dazu beitragen, das Wissen über die Ausbreitung eines Virus zu vergrößern, indem die Bewegungen der Bevölkerung und der kritischsten Regionen genauer untersucht werden, um notwendige Ressourcen zu mobilisieren.

Manche Situationen verleihen Daten geradezu einen gemeinnützigen Charakter. So werden Daten zu einem mächtigen Werkzeug, die, wenn sie richtig eingesetzt und reguliert werden sowie transparent sind, eine erhebliche Triebkraft im Risikomanagement sein können. Schließlich ermöglichen diese Offenheit und der Austausch von Daten eine größere Transparenz und erleichtert die Entwicklung einer Solidarität 4.0, bei der Daten zur treibenden Kraft der digitalen Transformation der Bürger werden.

Zum einen ermöglicht der Zugang zu Daten durch Data Sharing jedem einzelnen ein größeres Verständnis über Ereignisse, die die Welt verändern. Zum anderen verleiht dieser Zugang aber auch Initiativen zusätzliche Stärke, die aus dem Bereich „data for good“ kommen. Data Sharing kann zum Aufbau einer neuer Wohlfahrtsgesellschaft führen, in der die Regierung dank der zur Verfügung gestellten privaten Daten neue Hilfsmöglichkeiten schaffen können. Die Nutzung von Daten geht aber noch weit darüber hinaus. Sie hilft, das Bewusstsein und Verständnis der Bürger für die Welt zu schärfen oder ermöglicht durch Data Sharing einen breiteren Blick auf Phänomene in sozialen Netzwerken. Verschiedene solcher Initiativen haben bereits zu gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Verbesserungen geführt. Auf der Webseite Datacollaboratives.org wird deutlich, dass die Zusammenarbeit mithilfe von Daten bereits umfassend ist. Ein Blick in die gesammelten Projekte zeigt beispielsweise, dass das Unternehmen BBVA Data & Analytics in Zusammenarbeit mit United Nations Global Pulse Banktransaktionen vor, während und nach dem Hurrikan Odile im Jahr 2014 analysiert hat, um die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften nach Naturkatastrophen zu messen. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „data2x Financial Inclusion for Women“, für das mehrere Finanzorganisationen planen, Bankdaten zu sammeln, die Frauen diskriminieren, um ihnen einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen.

Dennoch ist Wachsamkeit geboten, denn man sehr schnell in einem Meer aus Daten ertrinken, wenn man nicht richtig schwimmen kann. Wenn kein demokratisiertes Bildungsprogramm für Daten eingeführt wird, kann Data Sharing für Bürgerzwecke sehr schnell den gegenteiligen Effekt erzeugen: Daten könnten missverstanden oder falsch interpretiert werden. Auch die bereits vorhandene Ungleichheit in Daten würde sich verstärken. Dasselbe gilt für die Qualität und Relevanz von Daten. Hier kann der Ausdruck „the best is the enemy of the good“ nicht gelten. Alle Daten müssen von guter Qualität, relevant und verlässlich sein, sonst droht das kollektive Ertrinken. „Gemeinsame Nutzung von Daten zwischen Unternehmen und Behörden im öffentlichen Interesse“ ist ebenfalls Teil der Digitalstrategie der Europäischen Union. Es wird notwendig sein, den Daten-Austausch aktiv zu gestalten, sowie Grenzen und ethische Regeln zu definieren, um das Beste aus dieser Ressource zu machen und gleichzeitig die Bürger zu schützen.

Es gibt keine Zweifel, dass jeder von Data Sharing profitieren kann. Das gerade erst geendete erste Datenjahrzehnt war die Geburtsstunde der Datenwissenschaft – und in den nächsten zehn Jahren wird die gemeinsame Nutzung von Daten wahrscheinlich noch viel verbreiteter sein. Die Europäische Union will dabei ein Vorreiter und Gesetzgeber sein, zum Wohle der Allgemeinheit und der Wirtschaft.