5G Use Cases auf dem Mobile World Congress in Barcelona

Ich bin noch den Bericht über die 5G Use Cases schuldig, die ich mir auch dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona angeschaut habe. Zunächst war ich auf dem bereits erwähnten Digital Transformation Forum von Huawei zum Thema „Accelerating Business Success“. Im Rahmen dieses Forums gab es die Session „Use Case Sharing and Cross Industry Collaboration“, auf dem diverse Use Cases vorgestellt wurden. Außerdem fand im Rahmen des MWC auch das „Future Connected Car Experience“ statt. Dieses wurde von Audi, Huawei und Vodafone auf der „Circuit de Barcelona Catalunya“-Rennstrecke veranstaltet. Last but not least habe ich auch die Huawei X Labs First Exhibition in der GSMA Innovation City besucht.

Bei der Session „Use Case Sharing and Cross Industry Collaboration“ kamen unter anderem Vertreter von Noitom Technology, KUKA Robotics und Audi zu Wort. Dr. Tristan Dai von Noitom ging vor allem auf die Einsatzbereiche und Herausforderungen ein, die im Zusammenhang mit dem Einsatz VR-Technologien eine Rolle spielten. Die Einsatzbereiche virtueller Realitäten beschränken sich nach Meinung von Dr. Dai keineswegs nur auf Unterhaltung, sondern es ist auch denkbar, dass VR-Produkte bei Produktpräsentationen (beispielsweise in Showrooms von Autoherstellern), bei Meetings oder auch generell zur Collaboration zum Einsatz kommen. Generell geht er davon aus, dass das Rendering bei VR-Anwendungen vom Client auf den Server verlegt werden wird, was ein schnelles mobiles Netz auf Basis von 5G unverzichtbar macht. Was die Herausforderungen angeht, so sind vor allem die Auflösung und das Positioning zu verbessern, aber auch die Latenzen zu verringern und die Zahl der Frames pro Sekunde zu erhöhen.

Stefan Lampa, CEO von KUKA wies darauf hin, dass Roboter in Zukunft mobil sein und mit anderen Maschinen und Menschen zusammenarbeiten müssen. Auch dazu sind schnelle mobile Netze zwingend erforderlich. Gerhard Stanzl von Audi erklärte, dass 5G im Automobilbereich in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen würde als heute. Zur Zeit werden Mobilfunknetze in Autos vor allem zu Unterhaltungszwecken genutzt. In den nächsten Jahren wird das autonome Fahren dafür sorgen, dass höhere Datenraten und geringere Latenzen benötigt werden. Um das Sicherheitsniveau zu verbessern, sind beispielsweise Car-to-Car-Kommunikationen denkbar, über die in Echtzeit sicherheitsrelevante Informationen zwischen den Autos ausgetauscht werden. Auf dieses Thema werde ich gleich im Rahmen der Connected Car-Demo noch genauer eingehen.

Zusätzlich ging Stanzl davon aus, dass das Kartenmaterial, dass für die Navigation verwendet wird, in Zukunft deutlich genauer sein und darüber hinaus auch mit Echtzeitinformationen von anderen Verkehrsteilnehmern erweitert werden wird. Auch diese Funktionen setzen hohe Bandbreiten voraus. Abgesehen davon sprach er auch von einem ganz interessanten Ampel-Projekt in den USA, bei dem die Autofahrer per Online-Dienst vorab über die Schaltungen der Ampeln vor ihnen informiert werden, was zu einer 20 prozentigen Verbesserung des Verkehrsdurchsatzes geführt hat, da es dank des Services relativ einfach ist, grüne Wellen zu nutzen. In Verbindung mit Funktionen zum autonomen Fahren ist es in diesem Zusammenhang auch denkbar, dass Autos, die vor einer Ampel stehen, sofort gemeinsam starten, wenn diese grün wird, das den Durchsatz ebenfalls deutlich verbessern würde. Im Rahmen der abschließenden Panel-Diskussion wies Stanzl darauf hin, dass es in Zukunft sicher noch weitere Anwendungsgebiete geben würde, an die wir heute noch nicht einmal denken. Als Beispiele nannte er – wohl nicht allzu ernst gemeint – dass die Fahrer sich in einem selbstfahrenden Auto auf dem Weg zur Arbeit die Haare schneiden lassen könnten und dass es auch möglich sei, in einem solchen Auto zu essen.

Die Sicht aus dem vorausfahrenden Auto auf dem eigenen Display

The Future Connected Car Experience

Mit Unterstützung von Audi zeigten Huawei und Vodafone im Rahmen des MWC 2017 zum ersten Mal in Europa den Einsatz von Mobilfunktechnologie bei der Vernetzung von Autos miteinander, mit Menschen und zur straßenseitigen Infrastruktur. So soll die Sicherheit verbessert und ein besseres Fahrerlebnis geboten werden. Mit einer neuen Technologie namens Cellular V2X (C-V2X) fand die Live-Demonstration vor eingeladenen Gästen an der weltberühmten Rennstrecke Circuit de Barcelona Catalunya statt.

Konkret gab es vier unterschiedliche Use Cases. Der erste befasste sich mit Ampeln. Dabei fuhr ein Auto ungebremst auf eine rote Ampel zu. Wird dabei ein Grenzwert überschritten, so geht das System davon aus, dass der Fahrer die Ampel übersehen hat und löst eine Warnung aus. Diese Warnung geht nicht nur an den Fahrer des ersten Wagens, sondern auch an den Fahrer des Wagens dahinter, da dieser wegen einer bevorstehenden Vollbremsung vor ihm zusätzlich gewarnt werden muss.

Die Demo mit dem gefährdeten Fußgänger

Besonders interessant fand ich die „See Through“-Funktion. Dabei wird das Bild, das die Frontkamera eines Autos aufnimmt, direkt an das dahinterfahrende Auto übertragen. Auf diese Weise kann ein Fahrer beispielsweise auch dann, wenn er hinter einem Lastwagen herfährt, der ihm die Sicht blockiert, erkennen, ob die Straße frei ist und ob er überholen kann.

Das dritte Beispiel befasste sich mit der Kommunikation zwischen Smartphones und Autos. Trägt zum Beispiel ein Fußgänger ein Smartphone bei sich und kommt am Straßenrand ins Stolpern, so stellt das Smartphone dies fest und schickt direkt eine Warnung an das sich nähernde Auto. Das letzte Beispiel befasste sich schließlich mit einer Warnung an folgende Wagen im Fall einer Notbremsung. Die Kommunikation erfolgte in diesem Beispiel direkt Car-2-Car, die Funktion war also auch verfügbar, wenn kein Mobilfunknetz vorhanden ist.

Einer der Demo-Wagen

Die X Labs First Exhibition

Im Rahmen der GSMA Innovation City präsentierte Huawei noch diverse andere Anwendungsbeispiele. Dazu gehörten „Connected Drones“, Cloud-VR/AR (Augmented Reality), mit Gaming- und Video-Beispielen, Wireless Robotics und auch wieder die Connected Cars.