Stammdatenmanagement im After-Market-Service: Ungenutzter Wissensschatz

Autor/Redakteur: Stefan Hagen, Vice President Enterprise Sales DACH, Frankreich, Italien bei Syncron/gg

Aussagekräftig und einfach abrufbar – gerade im Ersatzteilgeschäft ist die richtige und schnelle Auswertung von Daten entscheidend für den Geschäftserfolg. Neu gewonnene Informationen eröffnen neue Einblicke und damit neue Möglichkeiten Umsatz zu steigern und Kundenservice zu verbessern. ERP-, CRM-, Finanz- und Lagerverwaltungssysteme sind aus den Unternehmen daher kaum noch wegzudenken. Der Haken: Die einzelnen Systeme sind oft nicht miteinander vernetzt und ein automatischer Abgleich aller Daten wird nicht durchgeführt. Damit verlieren die Daten an Aktualität und Konsistenz. Ohne zentrale Schnittstelle ist es daher schwierig, fundierte strategische Geschäftsentscheidungen zu treffen.

Jedoch steht und fällt jedes Stammdatenmanagement (Master Data Management, MDM) mit einer solchen Schnittstelle. Eine zentrale Lösung sitzt wie eine Spinne inmitten eines Netz aus Daten: Sie zieht die Fäden, kontrolliert und synchronisiert die eingehenden und ausgehenden Informationen verschiedener Umgebungen und sorgt dadurch für Konsistenz. MDM-Systeme verdeutlichen, wie die Daten miteinander in Beziehung stehen und dass bestimmte Daten (zum Beispiel Herstellungskosten und Beschaffungszeiten) am besten lokal verwaltet werden. Querverbindungen zwischen den Attributen lassen sich herstellen und anschließend Informationen bereinigen und überprüfen. Nur so lässt sich ein umfassender und genauer Überblick über Kunden, Lieferanten und Produkten aus einer zentralen, eindeutigen und verlässlichen Datenquelle bereitstellen. Aus Big Data werden so „Golden Records“, also einheitliche Datensätze, die einen echten Mehrwert und damit einen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen generieren.

Die neugewonnen Informationen aus den Golden Records ermöglichen es Unternehmen:

  • Transparenz und Risikomanagement zu optimieren,
  • Performance im Unternehmen zu steigern,
  • Kunden zu gewinnen und langfristig zu binden sowie Up-Selling zu erzielen und
  • verlässlichere Prognosen zu Nachfrage, Trends und Marktschwankungen zu treffen.

Trotz unterschiedlicher Lösungen für das MDM, wird das Potential längst nicht voll ausgeschöpft. Viele Unternehmen sind nicht ausreichend über die inzwischen am Markt verfügbaren hochspezialisierten Technologieplattformen informiert. Hier die drei häufigsten Missverständnisse in Bezug auf diese Lösungen:

  1. ERP-Systeme bieten konsistente standardisierte Daten für das gesamte Netzwerk: Enterprise-Resource-Planning-Tools sind keine Allzwecklösung – vor allem nicht wenn es sich um so vernetzte Abläufe wie dem Ersatzteilgeschäft handelt. Aftermarket-Daten sind in der Regel so umfangreich und komplex, dass ein ERP-System diese nicht verarbeiten kann. Gründet das MDM auf einem ERP-System, entgeht Unternehmen ein objektiver Überblick über ihre Kunden, Produkte und Lieferanten. Um diverse Lieferanten und Wiederverkäufer in ein ERP-System zu integrieren, sind erhebliche Investitionen notwendig. Damit die Implementierung gelingt, müssen Datendomains, Branchen, Anwendungsfälle, Unternehmen und Implementierungsstil gesondert berücksichtigt werden. Zudem kann es Jahre dauern, ein zuverlässiges System für das Stammdatenmanagement auf einem ERP-System aufzubauen.
  2. Bestehende MDM-Lösungen reichen aus: Wirft man einen genauen Blick auf MDM-Lösungen, die in Unternehmen zum Einsatz kommen, findet man häufig eine „Art“ von Stammdatenmanagement. Tatsächlich effektiv und umfassend werden die Daten nur selten genutzt. Zudem wird das Potential der bestehenden Systeme häufig nicht voll ausgeschöpft. Ursache dafür findet sich in aufwendigen Implementierungszyklen in der Vergangenheit: Sie kosteten Zeit und belasteten das Budget noch ehe die vollen Funktionalitäten der Lösungen genutzt werden konnten. Ein Daten-Audit im Unternehmen deckt die Folgen solcher halbfertigen Lösungen schnell auf: zahlreiche nicht klassifizierte Artikel, ungültige Postleitzahlen oder eine große Anzahl an fehleranfälligen Datensätzen aus einem oder mehreren Systemen.
    Neue Strategien und Tools ermöglichen eine bessere Taxonomie der Daten, eine einfachere Integration externer Datenquellen und problemlose Aktualisierungen. Zudem ist es mit modernen Analysefunktionen heutzutage ein Kinderspiel, die MDM-Lösung zu kontrollieren und mit nur ein paar Klicks vorkonfigurierte, benutzerdefinierte Berichte zu erstellen.
  3. Fusionen und Akquisen lassen sich auch ohne MDM-Lösung stemmen: Fusionen und Akquisen innerhalb einer Branche stellen ganz eigene Anforderungen an das MDM und sind eine enorme Herausforderung für IT-Abteilungen. Häufig sind die Systeme des neu erworbenen Unternehmens geschäftskritisch oder sogar besser als die Lösung des Mutterunternehmens. Die IT-Abteilungen müssen sich nicht nur um die Integration von Daten und Kommunikation kümmern, sondern auch eine einheitliche Softwarelösung für das gesamte Unternehmen planen und implementieren.

Eine leistungsfähige MDM-Lösung kann zur schnelleren Integration neuer Unternehmenssegmente beitragen und der IT dabei helfen, Bereiche mit Verbesserungsbedarf zu ermitteln. Da eine umfassende Plattform für das Stammdatenmanagement der standortübergreifende Kommunikationskanal für ERP-Systeme, Lieferanten und CRM-Systeme ist, stellt sie bei einer Fusion das Bindeglied dar und bringt dem Mutterunternehmen vielseitigen Mehrwert:

  • Gewinnen eines besseren Überblicks über alle Lieferanten, Kunden und Artikel,
  • Konsolidieren und Referenzieren von Daten wie Lieferantenpreisen zur Ermittlung des Einsparungspotenzials,
  • Beseitigen ineffizienter Prozesse und Koordinieren des Kundenservice und
  • Einsetzen moderner Analyseverfahren zur Identifizierung von Umsatzchancen und Möglichkeiten zur Kostenreduzierung.

Die komplexen Abläufe und Netzwerke im Ersatzteilgeschäft erfordern einen umfassenden und genauen Blick auf die Daten. Die Informationen müssen bewertet werden können, um flexible Strategien zu entwickeln das Zusammenspiel aus Kundenservice, Prognosefaktoren, Lagerlogistik, Preisgestaltung und Kundenservice geschickt zum eigenen Vorteil zu nutzen. MDM und das Aufdecken neuer, wertvoller, geschäftsentscheidender Informationen sind hier der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg.