Legacy IT aus anderer Perspektive: Anforderungen der Digitalisierung bedingen neue Sicht auf IT-Prozesse

Autor/Redakteur: Jörg Eggers, Cloud Solution Architect bei Rackspace/gg

In vielen Presseartikeln und auf Konferenzen hört man häufig das Wort „Legacy IT“. Der Begriff wird entweder aus der Anwendungs- oder der Infrastruktursicht betrachtet und hinterlässt oft einen schlechten Nachgeschmack. Ich möchte das Thema „Legacy IT“ aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten – aus der Sicht der IT-Prozesse.

Veraltete Prozesse bremsen IT-Abläufe aus

Wir kennen alle die Empfehlungen und Erfahrungswerte, die aus dem ITIL-Modell erwachsen sind. Prozesse wie, Incident, Problem, Change, Capacity, Availability haben in den letzten zehn bis 20 Jahren eine deutliche Qualitätssteigerung erbracht. Das Hey-Joe-Prinzip ist, zumindest bei mittelständischen und großen Unternehmen, weitestgehend verschwunden und wurde durch Helpdesks und Remote-Support ersetzt. Dadurch stehen jedoch nicht mehr die Businessanforderung oder deren Ziel im Mittelpunkt, sondern die KPIs, die dem IT-Prozess unterliegen. Ein Beispiel dafür ist die Einführung eines Change Advisory Board (CAB), das potentielle Änderungen bewertet, Auswirkungen und Risiken analysiert und eine Freigabe oder Ablehnung erteilt. Ein zwanzigköpfiges CAB benötigt auf diese Weise zwei Wochen für die Bearbeitung eines Changes, selbst wenn der Prozess an sich lediglich einen Aufwand von 15 Minuten mit sich bringt. Führt der Change-Prozess an sich zu derartigen Verzögerungen, so haben auch hoch moderne Infrastrukturen und Anwendungen darauf keinen Einfluss. Auch ein Notfall-Change-Prozess kann die Dauer maximal auf ein bis zwei Tage verkürzen. Da der Vorgang auf manuellen Prozessen beruht und nicht automatisiert wurde, ist eine weitere Beschleunigung kaum noch möglich.

Modernisierung lohnt sich

Spricht man von „Legacy IT“, muss man auch von der nächsten Entwicklungsstufe sprechen, der „modernen IT“. Auch diese besteht aus Anwendungen, Infrastruktur, Daten und Prozessen. Die moderne Softwarearchitektur verschiebt sich immer mehr von Monolithen zu einer aus einzelnen skalierbaren Komponenten bestehenden Architektur. Ob diese schon den Microservice-Ansatz verfolgt, und/oder mit Containern arbeitet, ist nicht der Kernpunkt. Wichtig ist, dass die einzelnen Anwendungskomponenten schnell angepasst und stabil miteinander arbeiten können. Lässt sich der Softwareentwicklungs- und Deploymentprozess darüber hinaus automatisieren, dauern Änderungen nicht mehr Tage oder Wochen, sondern Minuten oder Sekunden.