Kriterien für den Standort von Rechenzentren: Geo- und Betriebsredundanz

Autor/Redakteur: Wolfgang Kaufmann, Geschäftsführer von Datacenter One/gg

Immer mehr Unternehmen wünschen sich Regionalität und IT Made in Germany. Das gilt auch für ihre Rechenzentren. Schließlich bietet eine geringe Distanz zwischen Unternehmensstandort und Rechenzentrum wesentliche Vorteile. Gleichzeitig spielen Nachhaltigkeit und Sicherheit eine immer stärkere Rolle bei der Auswahl eines geeigneten Rechenzentrumsstandortes. Welche Trends zeichnen sich hier ab? Und welche Vorteile bieten die verschiedenen Standorte?

Screenshot: Sysbus

Trotz aller Vorstellungen und Wünsche können Unternehmen und Rechenzentrumsbetreiber nicht überall dort bauen, wo sie es gerne möchten. Eine Vielzahl an Richtlinien schränkt die Auswahl des Rechenzentrumsstandortes ein. Insbesondere die Vorschriften des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stehen hier an erster Stelle. Welche Rolle spielt dabei das Thema Redundanz?

IT Made in Germany wird immer beliebter

Trotz fortschreitender Globalisierung bleibt Deutschland ein attraktiver Standort: Unternehmen und Rechenzentrumsbetreiber genießen hier im Hinblick auf das Thema Sicherheit einen landestypischen, hohen Standard, der von Kunden immer noch sehr stark gefragt und für Standortentscheidungen essenziell ist. Umfangreiche Zertifizierungen für deutsche und europäische Rechenzentren garantieren den Kunden beispielsweise einen sicheren und nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb. Zusätzlich bieten regionale Rechenzentren den Vorteil, dass sie mit einem Sitz in Europa ein DSGVO-konformes Datenmanagement umsetzen müssen, da Rechenleistung, Hard- und Software sowie Netzwerkinfrastrukturen nach bestimmten Richtlinien bereitgestellt werden. Ein regionaler Rechenzentrumsanbieter bietet darüber hinaus den Vorteil kürzerer Wege und damit verbunden eine schnelle Erreichbarkeit für den Nutzer.  

Durch die geografische Nähe ist der Austausch zwischen Rechenzentrumsbetreiber und Kunde enger – die physische Erreichbarkeit der IT-Systeme ist vielen Unternehmen noch immer sehr wichtig. Bei Bedarf können Projekte mit dem Anbieter persönlich abgesprochen werden und die Teams der Partner arbeiten enger zusammen. Aufgrund der kürzeren Entfernung ist auch die Latenzzeit geringer – das heißt die Daten können schneller und sicherer übertragen werden.

Rechenzentren in besonders kühlen Regionen

Zwar spielt Regionalität eine immer wichtigere Rolle bei der Auswahl des Rechenzentrumsstandortes. Dennoch werden über kurz oder lang die Flächen für Rechenzentren in Deutschland immer knapper. Auch die Mieten beziehungsweise Grundstückskosten erreichen in Großstädten wie München oder Frankfurt astronomische Ausmaße. Verständlich also, dass viele Unternehmen und Betreiber ihre Rechenzentren in andere Regionen verlagern.

Namhafte Konzerne wie Facebook errichten ihre Rechenzentren in besonders kühlen Regionen wie Skandinavien, da dort der Rechenzentrumsbetrieb deutlich nachhaltiger gestaltet werden kann. Durch die kühle Außentemperatur kommt überwiegend eine freie Kühlung zum Einsatz, was auch zu einem geringeren Stromverbrauch des gesamten Rechenzentrums und damit einem besseren PUE-Wert führt.

Trotz dieser Vorteile sind Rechenzentren fernab deutscher Unternehmensstandorte vor allem für mittelständische Unternehmen bisher keine Option. Hier fehlt es schlichtweg an der persönlichen Nähe und der Kundenbeziehung. Ebenso gibt es eine Vielzahl von Applikationen, welche eine sehr kurze Latenzzeit voraussetzen. Diese kann nur mit einem regionalen Rechenzentrum erreicht werden.