Dauerzustand Home Office – was bedeutet das für Unternehmensdaten?

Autor/Redakteur: Wolfgang Huber, Regional Director Central Europe bei Cohesity/gg

Als die Covid-19-Pandemie Mitarbeiter von heute auf morgen dazu zwang, von zu Hause aus zu arbeiten, bemühten sich IT-Teams lange und intensiv darum, ihnen die bestmögliche Infrastruktur zu bieten. Anfangs vielerorts ein Alptraum aus Notlösungen und Flickschusterei, doch mit der Zeit entwickelten sich in den meisten Unternehmen Lösungen, mit denen auch das Arbeiten von außerhalb des Büros reibungslos möglich wurde.  

Bild: Cohesity

Jetzt, wo zahlreiche Firmen überlegen, wie sie die Zukunft der Arbeit gestalten wollen, gibt es mehrere Optionen: Einige werden wieder voll auf Präsenzarbeit setzen, andere konzentrieren sich komplett auf Home Office und wieder andere werden eine hybride Lösung finden. Parallel zu diesen Überlegungen können Unternehmen die Zeit auch nutzen, um ihre Cloud-Strategie auszubauen oder zu konsolidieren, je nachdem, wie ihre bestehende IT-Infrastruktur aussieht.

Heute und auch zukünftig ist es (fast überall) Standard, dass Mitarbeiter von verschiedenen Standorten und mit verschiedenen Geräten arbeiten. Die Priorität muss daher darauf liegen, die Datenhaltung zu optimieren, die Anzahl der Kopien von Daten an unterschiedlichen Stellen zu reduzieren, „Dark Data“ zu identifizieren und zu entfernen, die Governance zu verbessern und natürlich dafür zu sorgen, dass alle Daten des Unternehmens sicher und wiederherstellbar sind.

Kurzfristiger Schmerz, langfristiger Gewinn

Die kurzfristigen Maßnahmen, die zu Beginn der Pandemie ergriffen wurden, haben vielfach Schatten-IT-Systeme entstehen lassen – manchmal vielleicht sogar absichtlich, weil es schlicht keine andere Möglichkeit gab. Nur besteht damit auch die Gefahr, dass sich Schatten-IT-Systeme und Mini-Datensilos auf den Laptops der Mitarbeiter befinden. Sie stellen ein Risiko dar, mit dem kein Unternehmen dauerhaft leben sollte.

Daten sind ein entscheidendes Element für den Unternehmenserfolg, aber in der Praxis verwalten nur wenige Unternehmen ihre Daten als strategischen Vermögenswert. Viele IT-Teams haben Mühe, auch nur die grundlegenden SLAs für Datenschutz und Verfügbarkeit zu erfüllen, geschweige denn ihre Daten als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.

Umfragen haben viele alarmierende Probleme im Zusammenhang mit der Verwaltung von Unternehmensdaten aufgezeigt, die sich sowohl auf das Geschäft als auch auf die IT auswirken. Dazu gehören Budgetüberschreitungen, schlechter Kundenservice sowie Sicherheits- und Konformitätsrisiken. Nicht zuletzt sinkt auch die Motivation innerhalb überlasteter IT-Betriebsteams. Die Ursache für diese Probleme ist die so genannte Massendatenfragmentierung, die mehrere tiefgreifende Aspekte umfasst:

Fragmentierte und abgeschottete Dateninfrastruktur

Das Datenvolumen ist massiv angestiegen. Dabei sind die Daten verteilt über verschiedene Public Clouds, Rechenzentren, Außenstellen und den Edge-Bereich – ohne dass es einen Gesamtüberblick gibt. An jedem dieser Standorte sind die Daten in einer spezialisierten Infrastruktur isoliert – oft von mehreren Anbietern – um grundlegende Funktionen wie Backup, Netzwerk, Speicherung, Archivierung, Disaster Recovery, Entwicklung/Test und Analysen zu verwalten.

Erschwerend kommt hinzu, dass es Silos innerhalb von Silos geben kann. Eine einzige Backup-Lösung kann beispielsweise mehrere dedizierte Infrastrukturkomponenten erfordern, wie Master- und Medienserver, Zielspeicher, Deduplizierungs-Anwendungen und Gateways, zusätzlich zur Backup-Software selbst. Von denen enthält jede eine Kopie einer bestimmten Datenquelle. Es ist nicht ungewöhnlich, vier oder mehr separate Konfigurationen zu finden, nur um das Backup für verschiedene Datenquellen wie virtuelle Maschinen, physische Server, Datenbanken oder Container zu verwalten.

Dieser Fragmentierungseffekt tritt nicht nur in klassischen Rechenzentren auf. Immer mehr Unternehmen nutzen Public Clouds, um Daten und Anwendungen zu hosten. Dennoch muss die IT zusätzliche Datenverwaltungsfunktionen (in der Regel von verschiedenen Anbietern) einsetzen, um Backups, Disaster Recovery, Sicherheit, Compliance und so weiter zu handhaben, denn die Cloud-Anbieter stellen diese Dienste nicht automatisch bereit. Und dies gilt sogar für „Service-Silos“ in einer reinen SaaS-Umgebung.

Betriebliche Ineffizienzen

Die durch diese Infrastruktursilos verursachte Komplexität hat erhebliche Auswirkungen auf die System- und Betriebseffizienz. In der Regel gibt es keine gemeinsame Nutzung von Daten zwischen Komponenten oder Funktionen. Dies führt zu Ineffizienzen, da mehrere redundante Kopien derselben Daten zwischen den Silos weitergegeben werden und unnötig Speicherplatz beanspruchen.