Mit DevOps auf Irrwegen: Sind Unternehmen wirklich so vernetzt wie notwendig?

Selbst wenn ein Unternehmen DevOps einigermaßen gut umsetzt, gibt es eine Integrationsebene, die in den heutigen Softwarekulturen fehlt, eine Ebene, die alle Funktionen der Softwarebereitstellung miteinander verbindet – nicht nur die, die sich auf die Vorgänge in den Entwicklungsabteilungen beziehen. Es muss das Ziel sein, mehr zu liefern als nur bessere Messwerte. Es ist die Bereitschaft, alles, was mit der Softwarebereitstellung zu tun hat, als eine eigene Disziplin zu definieren – wie beispielsweise bei Finanzen oder Vertrieb und nicht nur als Hilfsmittel für andere Disziplinen.

Entsprechend entwickelt sich aktuell eine neue Kategorie in der Technologiebranche, die auf den Errungenschaften von DevOps aufbaut und diese auf die gesamte Softwarebereitstellung ausweitet. Sie wird „Software Delivery Management“ (SDM) genannt. Eine SDM-Strategie basiert auf vier Grundpfeilern, die die Softwarebereitstellung zu einer zentralen Geschäftspriorität machen – entsprechend der Relevanz, die Software heute für viele Unternehmen hat.

  • Gemeinsame Daten – Alle Informationen in und um die Softwarebereitstellung werden mit einem konsistenten Domänenmodell erfasst und gespeichert, um Verknüpfungen innerhalb und außerhalb von Prozessen, unternehmensweiten Informationsaustausch sowie reibungslose Zusammenarbeit zu erleichtern.
  • Vernetzte Prozesse – Prozesse orchestrieren die Softwarebereitstellung und vernetzen verschiedene Bereiche miteinander, um Ideen effizient mit maximaler Funktionalität und Akzeptanz auf den Markt zu bringen.
  • Alle Abteilungen arbeiten zusammen – Alle Abteilungen und Teams innerhalb und im Umfeld der Softwarebereitstellung arbeiten zusammen, um den Wertschöpfungsprozess zu steigern.
  • Universeller Informationsaustausch – Transparenz und geteilter Zugriff auf Informationen im gesamten Unternehmen, also auf allen Ebenen und in allen Bereichen, ermöglicht Verständnis sowie kontinuierliches Lernen aus Daten.

Unternehmensübergreifende Optimierungen vorantreiben

Die Einführung einer SDM-Strategie auf der Grundlage einer bestehenden DevOps-Kultur kann einer Organisation in vielerlei Hinsicht helfen. Denn mit unzusammenhängenden Tools, isolierten Daten und einer mangelhaften Kommunikation ist es für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche schwierig zu erfahren, was die jeweils anderen wollen. Selbst in ausgereiften DevOps-Implementierungen ist die Softwarebereitstellung am Ende ein Flickenteppich aus verschiedenen Prozessen für unterschiedliche Teams.

Es ist auch schwer festzustellen, ob die Teams das richtige Endprodukt liefern, wenn man keinen transparenten Einblick in den gesamten Entwicklungsprozess hat. SDM hilft durch die Etablierung gemeinsamer Daten und gemeinsamer Prozesse, allen Stakeholdern Einblicke in die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der neuen Software-Lösungen, aber auch in unterschiedliche Tools und Technologien zu bieten, sodass alle Abteilungen zusammenarbeiten können. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass nicht nur eine simple Software entwickelt, sondern tatsächlich ein kontinuierlicher Mehrwert geliefert wird.

Für Unternehmen, die ihre DevOps-Transformation noch nicht abgeschlossen haben, ist in diesem Moment der ideale Zeitpunkt für die Implementierung von SDM. SDM bietet ein übersichtliches und flexibles Modell, um nachzuverfolgen und zu verstehen, wie die DevOps-Strategie im Großen und Ganzen abschneidet, welche Teams produktiv agieren und welche nicht, und wie Führungskräfte diese Erkenntnisse nutzen können, um bessere Resultate zu erzielen.

Tipps zur Implementierung von SDM

Hier sind fünf Beispiele, wie SDM auf DevOps aufbauen kann:

  • Integration von Tools: Nicht miteinander verknüpfte Toolchains machen es schwer, wenn nicht gar unmöglich, den Entwicklungsprozess von Ende zu Ende zu orchestrieren. Darum gilt es, alle DevOps-Tools auf eine gemeinsame Plattform zu bringen, auf der Informationen über Teams und Unternehmensbereiche hinweg ausgetauscht werden können.
  • Datenerfassung: Unternehmen sollten einen Audit Trail einrichten und alle Daten zu Ereignissen sowie Aktionen erfassen, die in diesem End-to-End-Prozess durchgeführt werden. In der gemeinsamen Datenablage werden die einzelnen Datenpunkte als normalisierte Objekte gespeichert. Der abteilungsübergreifende Zugang zu Daten hat den Vorteil, dass sich beispielsweise eine bestimmte Supportanfrage mit dem passenden Anwendungsfall abgleichen und die entsprechende Aktualisierung, die auf einem Server implementiert wird, bestätigen lässt.
  • Kommunikation als A und O: Die gemeinsame Datenablage stärkt im nächsten Schritt die Zusammenarbeit sowie auch die regelmäßige Kommunikation mit der Führungsebene des Unternehmens. Continuous Delivery ist nicht nur ein nützlicher Ansatz für Entwickler. Alle Abteilungen, die in die Softwarebereitstellung eingebunden sind, müssen die geschäftlichen Anforderungen berücksichtigen. Und dies ist ohne ein hohes Maß an Kommunikation nicht möglich.
  • Festlegen von KPIs: Idealerweise werden die Geschäftsziele, die mit der DevOps-Implementierung erreicht werden sollen, nach einer bestimmten Klassifikation oder Hierarchie geordnet. Testszenarien erleichtern die Strategiefindung zum Erreichen der gesetzten Ziele. Anschließend können dann Anwendungsfälle und andere in Korrelation stehende Elemente auf der Implementierungsebene integriert werden.
  • Einsatz von Überwachungsverfahren: Damit Leistungen anhand von KPIs gemessen werden können, müssen diese erst einmal getrackt werden. Beispielsweise könnte die Benutzeroberfläche einer SaaS-Anwendung optimiert werden, um die Verweildauer der Nutzer zu erhöhen. Hier sollte also als KPI festgelegt werden, wie lang diese Verweildauer sein sollte und welche positiven Ergebnisse noch gewünscht sind. Wenn das Update dann bereitgestellt wird, lassen sich ganz genau Messungen, Analysen und Anpassungen durchführen, um die KPIs zu erreichen.

Fazit

DevOps hat die Softwarebereitstellung erheblich vorangebracht, und die Implementierung einer SDM-Strategie kann sie noch schneller und reibungsloser gestalten. Der Einsatz von SDM wird DevOps nicht verändern, aber wird dem Ansatz neues Leben einblasen. Wenn beide Strategien zusammen eingesetzt werden, müssen sich alle Beteiligten weniger auf die Automatisierung und Tools an sich konzentrieren. Stattdessen können sie sich auf die Ergebnisse richten, auf die menschliche Zusammenarbeit und die einzelnen Schritte, die zum Ziel führen sollen: eine hochfunktionelle Software mit Mehrwert für den Anwender.