Wann braucht mein Unternehmen DevOps?

Autor/Redakteur: Alexander Lapp, Geschäftsführer und Chief Customer Officer (CCO) der ADACOR Hosting GmbH/gg

IT ist ohne gute Software nicht denkbar. Aber Software alleine genügt nicht, denn sie muss sich auch im praktischen IT-Betrieb bewähren. Der DevOps-Ansatz hilft, dass beide Bereiche an einem Strang ziehen und so aus Software auch betrieblicher Erfolg wird.

DevOps und die Probleme zwischen Entwicklung und Betrieb in der IT sind eigentlich ein alter Hut. Die damit verbundenen Herausforderungen lassen sich aber nicht automatisch durch agile Ansätze bewältigen. Unternehmen müssen das Thema ganzheitlich betrachten, nur so entwickelt das Konzept seine ganze Stärke. Beispielsweise müssen selbst eingespielte Teams aus Entwicklern und Betriebsmitarbeitern mit einem neuen „Mindset“ ausgestattet werden, wenn sie plötzlich zusammen in einem Raum sitzen sollen. Dieser Punkt stellt sich in der Praxis häufig als schwieriger dar als die technischen Implikationen.

Außerdem sollten IT-Abteilungen endlich das „Blame Game“ zwischen den Herstellern oder Entwicklern einer Software und den Mitarbeitern oder Kunden, die sie betreiben, beenden. Allen Beteiligten ist mittlerweile klar, dass es nicht die Lösung sein kann, bei Problemen alles wegzuwerfen und neu anzufangen. DevOps zeigt neue Wege und Perspektiven auf.

DevOps beginnt vor dem Code

Wer eine Software entwickeln und betreiben möchte und dabei oft damit in Verbindung gebrachte Aspekte wie „continuous integration“ oder „Infrastructure as Code” umsetzen will, für den ist das Zusammenfinden der beiden Bereiche „Entwicklung und Betrieb“ vor der ersten Zeile Code obligatorisch. Das macht man allerdings nicht mal eben nebenbei. Die Eingliederung dieser Themen ist die hohe Schule des gesamten DevOps-Prozesses. Es ist viel initiale Projektarbeit nötig, um die erforderlichen Konzepte, Abläufe und Technologien aufeinander abzustimmen.

In den einzelnen Bereichen (Dev oder Ops) wird es weiterhin Spezialisten für den Betrieb und Spezialisten für die Entwicklung geben. Der eigentliche Betrieb wird aber von – im Bereich DevOps und einer darauf abgestimmten Technologie ausgebildeten – Experten durchgeführt werden.

Kein Framework, eine Kultur

Das Ziel, das mit DevOps verfolgt wird, kann von Projekt zu Projekt und Firma zu Firma stets ein anderes sein. Bei sämtlichen Überlegungen sollte man jedoch beachten, dass DevOps und die damit verbundene Herangehensweise kein Framework sind, sondern eine Kultur. Deshalb ist es wichtig, vor jedem Projekt die genaue Zielsetzung zu definieren: Was soll in welchem Maß gemeinsam von beiden Bereichen gesteuert und verwaltet werden? Wie viel darf die Implementierung kosten, um den Softwarebetrieb sicherzustellen? Sind die Anwendungen vollständig automatisiert, muss die Verwaltung der virtuellen Ressourcen und Container in die Applikation verlagert werden, oder ist es (zum Beispiel aus Kostengründen) gar nicht möglich, so weit zu gehen? Hier kann es viele Abstufungen geben.

Normalerweise geht man davon aus, dass auch vor agilen Projekten eine grundsätzliche Kosten-/ Nutzenprüfung steht. In der Praxis tritt das Thema bei vielen Unternehmen aber eher in den Hintergrund. DevOps und Agilität liegen im Trend, deshalb steigen viele Unternehmen in das Thema ein, ohne die Notwendigkeit zu hinterfragen. Aber nur, weil „alle“ auf den DevOps-Zug aufspringen, ist das Thema noch lange nicht für alle Unternehmen vorteilhaft oder notwendig. Wer beispielsweise proprietäre Software kauft und auf seinen eigenen Systemen betreibt, hat kaum Möglichkeiten, die Entwicklung zu beeinflussen. Bei einem solchen Szenario wird definitiv kein DevOps-Team benötigt. An dieser Stelle ist vielmehr eine Überprüfung der Abläufe und Prozesse der eigenen, traditionellen IT-Landschaft zu empfehlen.