Welches Kubernetes darf’s denn sein?

Je größer die Installation im Unternehmen, desto komplexer wird Kubernetes, und zwar exponentiell. Kleinere Unternehmen begegnen deshalb nicht allen Herausforderungen, vor denen ein Dax 100-Unternehmen steht. Einige verfügen über so viel Know-how, dass sie nicht nur Anwendungen entwickeln und verteilen, sondern auch Wettbewerbsvorteile aus der Verwaltung ihrer Infrastruktur ziehen. Anderen Unternehmen fehlt diese Kompetenz. Sie konzentrieren sich eher auf die Anwendungsebene. Je nach Branche müssen Unternehmen mehr oder weniger Richtlinien und Rahmenbedingungen einhalten sowie Anforderungen hinsichtlich Uptime, Sicherheit und möglicher Datenverluste erfüllen. Einige Unternehmen stehen unter größerem Kostendruck als andere. Einige Unternehmen planen, Kubernetes im eigenen Rechenzentrum einzusetzen, andere betreiben Kubernetes in der Cloud. Wieder andere arbeiten mit verschiedenen Public Clouds oder nutzen On-Premises und Public Clouds parallel. Die Herausforderungen unterscheiden sich also, je nach Umgebung, in der Kubernetes betrieben werden soll. Eine Patentlösung kann es deswegen nicht geben.

Bild: Canonical

Welches Kubernetes darf’s denn dann sein?

Die Herausforderungen im Betrieb von Kubernetes können dazu führen, dass Unternehmen nicht alle Vorteile von Containern und Kubernetes nutzen können. In den meisten Fällen sind Sicherheit und Compliance unerlässlich: Bei nicht ausreichender Absicherung von Kubernetes oder Nichterfüllen der Compliance-Anforderungen, wird das Projekt erfolglos beendet. Andere Herausforderungen wie Kosten und Qualifikationsdefizite stellen den effizienten Ressourceneinsatz und die Agilität in der Entwicklung in Frage, die Unternehmen in jedem Fall von Kubernetes erwarten. Welches Kubernetes-Modell sollte wer verwenden? 

  • Mit dem unmodifizierten (Vanilla-) Kubernetes machen wahrscheinlich die meisten Anfänger erste Erfahrungen. Es ist äußerst flexibel und erweiterbar, ihm fehlen aber Funktionen für den Einsatz in großen Unternehmen rund um Monitoring, Statusmanagement, Verfügbarkeit und mehr. Noch wichtiger ist, dass die Verwaltung von Kubernetes selbst im Laufe der Zeit (zum Beispiel bei einem Upgrade) mühsam sein kann. Den Einsatz von reinem Open Source Kubernetes sollten allenfalls Unternehmen mit großem technologischem Know-how in Betracht ziehen, die Tools und Plattformen selbst entwickeln und dies als eine ihrer Kernkompetenzen betrachten.
  • Platform-as-a-Service (PAAS) Kubernetes bieten Plattformen mit meist vorkonfigurierten Kubernetes und zugehörigen Tools, einschließlich Sicherheits-, Networking- und Speicherfunktionen. Normalerweise ist die Inbetriebnahme einer PAAS-Kubernetes-Version sehr viel leichter als von Vanilla Kubernetes. PAAS Lösungen sind allerdings auch deutlich weniger flexibel. PAAS Kubernetes eignet sich vor allem Unternehmen mit wenig internem Know-how, die Kubernetes so schnell wie möglich einführen wollen, ohne eigene Tools oder Qualifikationen zu entwickeln. Wenn die Zeit bis zur Aufnahme des Produktivbetriebs möglichst kurz sein soll und die Flexibilität der Infrastruktur keine entscheidende Rolle spielen, kann PAAS eine gute Option sein.
  • Enterprise Kubernetes Plattformen kombinieren Upstream-konformes Kubernetes mit Tools für das Management des gesamten Anwendungslebenszyklus. Sie bieten eine zentrale Plattform zur Steuerung verschiedener Cluster und Umgebungen an. Solche Plattformen erleichtern zentralisierten Teams die unternehmensweite Steuerung von Konfigurationen und Access Management. Enterprise Kubernetes Plattformen bieten wesentlich mehr Flexibilität als jede andere Option, abgesehen von Open Source Kubernetes. Diese Plattformen sind den Kategorien “entwicklerorientiert” und “operationsorientiert” zuzuordnen. Entwicklerorientierte Plattformen bieten vor allem eine einfache Anwendung für Entwickler, während Operationsorientierte Plattformen meist ausgefeiltere Steuerungsmöglichkeiten für den Betrieb enthalten, oft zur Sicherung der Verfügbarkeit und Stabilität. Am besten eignet sich diese Variante für Großunternehmen mit komplexen Installationen in verschiedenen Umgebungen und ausreichend Know-how, um Vorteile aus der Flexibilität dieser Plattform zu ziehen.
  • Bei gemanagten Kubernetes-Lösungen übernehmen Serviceprovider das Management von Kubernetes Clustern für Unternehmen – in eigenen oder in on-premises angesiedelten Rechenzentren oder in der Public Cloud. Verwaltete Kubernetes Services bieten Enterprise Support, garantierte Verfügbarkeit und ein Rundum-Sorglos-Paket für den Kunden. Verwaltete K8s-Lösungen gibt es für Vanilla oder Enterprise-Plattformen. Der Wert bemisst sich nach dem Funktionsumfang der Kubernetes. Zudem können Managed-Service-Anbieter eine Lösung zu einem wettbewerbsfähigen Preis anbieten. Der Kunde muss bei seiner Wahl zwischen Funktionalität, Kosten und Flexibilität abwägen.