Manchmal kommen sie wieder

Autor/Redakteur: Ross Brewer, Vice President und Managing Director EMEA bei LogRhythm/gg

Immer wieder gibt es neue „Data Breaches“, und immer wieder stellen sie neue Rekorde auf. Nur zwei Beispiele: Ein falsch konfigurierter Spambot gibt mehr 711 E-Mail-Adressen und eine hohe Zahl von Kennwörtern preis, und beim Second-hand-Spieleanbieter Cex geraten zwei Millionen Kundendatensätze samt Kreditkartendaten in die falschen Hände. Beide Fälle sind nicht ganz so schlimm, wie es auf den ersten Blick scheint, denn im ersten Fall ist auch ein hoher Anteil stümperhaft geratener Adressen vom Typ „sales@EineFirma.com“ im Spiel, und im zweiten Fall sind die Kreditkartendaten mindestens neun Jahre alt.

Überhaupt ist es das Alter der Daten, dass in beiden Fällen besondere Aufmerksamkeit verdient. Bei Cex darf man sich getrost die Frage stellen, warum die Kreditkartendaten überhaupt aufgehoben wurden – immerhin speichert der Anbieter seit 2009 nichts dergleichen mehr selbst. Und beim Spambot-Fall hat man es mit Unmengen von Datensätzen zu tun, die bei früheren Angriffen erbeutet wurden und jetzt ein zweites Leben als Wiedergänger starten. Spannend wird es dann, wenn derart altes Material tatsächlich noch immer gültig ist.

Die Konsequenz: Kennwörter regelmäßig zu wechseln – und nicht nur, wenn ein Cyber-Einbruch bei einem Dienstleister bekannt wurde – ist so wichtig wie eh und jeh und wird angesichts der steigenden Zahl gelingender Großangriffe vielleicht sogar immer wichtiger. Noch immer gilt nämlich leider auch, dass viele Verletzungen der Informationssicherheit über Wochen und Monate unentdeckt bleiben. Deshalb ist es für Konsumenten häufig längst viel zu spät, wenn sie offiziell von einer Panne erfahren. Gut, wenn in einem solche Fall der Risiko-Zeitraum überschaubar bleibt.

Diese Situation nimmt auch die Online-Anbieter in die Pflicht. Sie haben es in der Hand, die Chancen der Angreifer noch stärker einzugrenzen als jeder regelmäßige Kennwortwechsel. Sie können kaum besseres für ihren Ruf tun, als auch im Fall der Fälle mit offenen Karten zu spielen und Kunden so schnell wie möglich zu benachrichtigen, um ihnen eine rechtzeitige Neusicherung ihrer Konten zu ermöglichen. Anders formuliert: Wenn man der Ansicht zustimmt, dass heute jedes Unternehmen damit rechnen muss, irgendwann einen erfolgreichen Angriff zu erleiden, muss Schadensbegrenzung zum Arsenal der wichtigsten Security-Maßnahmen gehören.

Und dazu ist das Mittel der Wahl nun einmal Security Intelligence mit einer möglichst weitgehenden Automatisierung von Angriffserkennung und Response-Prozessen inklusive exakter Bestimmung der betroffenen Daten und Systeme. Und je besser die Ausrüstung und Prozesse hier sind, desto eher haben Betroffene auch die Chance, einen Angriff noch rechtzeitig abzuwenden, bevor überhaupt Schaden entsteht.