Tickende Zeitbomben namens Meltdown und Spectre

Ross Brewer, Vice President und Managing Director EMEA bei LogRhythm

Ein schwerwiegender Konstruktionsfehler in allen in den letzten Jahren veröffentlichten Intel-CPUs mit x86-Chips bietet Hackern einen Angriffspunkt. Durch diese Sicherheitslücke, ‚Meltdown‘ genannt, sind auch Prozessoren von ARM und AMD gefährdet. Zur Problembehebung ist ein Update des Betriebssystems notwendig, wobei nicht nur Windows, sondern auch Linux, MacOS und andere Betriebssysteme betroffen sind. Parallel ist mit „Spectre“ eine zweite Sicherheitslücke bekanntgeworden, die ebenfalls die Prozessorkerne von Intel, ARM und AMD betrifft. Mittlerweile hat Apple bestätigt, dass unter anderem alle iOS-Geräte – einschließlich iPhones, Apple TV und iPads – dadurch angegriffen werden können.

Ross Brewer, Vice President und Managing Director EMEA des Security-Intelligence-Unternehmens LogRhythm, kommentiert diese schwerwiegenden Pannen folgendermaßen: „Dies ist ohne Zweifel der größte fatale Zwischenfall, der die Branche seit Jahrzehnten trifft. Denn alle modernen Prozessoren, Computer und Betriebssysteme sind betroffen. Jeder – vom einzelnen privaten PC-Nutzer bis hin zum größten internationalen Unternehmen – muss das zur Kenntnis nehmen. Und nicht nur die Zahl der angreifbaren Ziele hat neue Rekorde aufgestellt. Auch das für Angreifer geöffnete Zeitfenster ist riesig, da Menschen nun ihre Systeme in Eigeninitiative patchen sollen, was oft nur deutlich verzögert und manches Mal gar nicht geschieht. Dabei sind Meltdown und Spectre sehr ernst zu nehmende Zeitbomben, die die schwächsten Glieder der Kette sprengen können. Und jede Kette ist eben nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Intel hat angekündigt, jedes seiner Produkte vor diesen Superbugs zu schützen. Allerdings hat die Glaubwürdigkeit des Chip-Riesen aus Santa Clara bei vielen gelitten. Denn der Firma sollen die Sicherheitslücken bereits seit Juni 2017 bekannt sein. Und bevor die Schwachstellen ins Licht der breiten Öffentlichkeit rückten, wurden wohl von Topmanagern des Unternehmens große Aktienpakete verkauft. Wenn sich dies als wahr herausstellt, hätte der Slogan ‚Intel Inside‘ eine neue Bedeutung.

Trotz der verstärkt aufkommenden Skepsis gegenüber den Herstellern und dem Gefühl, allein gelassen zu werden, müssen Anwender nun überlegen, was zu tun ist, um die Sicherheit sensitiver Daten gewährleisten zu können. Doch die Orientierung fällt im Zuge der unzähligen Schlagzeilen zum Thema und den diversen, sicherlich gut gemeinten Tipps schwer. Insbesondere für Unternehmen ist es daher eminent wichtig, lückenlos und in Echtzeit zu verfolgen, was in ihren Netzwerken passiert. Denn die Sicherheitslücken schicken den Dieben, die es auf Anmeldeinformationen, Log-ins und andere höchst schützenswerte digitale Daten abgesehen haben, eine weltweit gültige Einladung. Daher ist es unverzichtbar, außergewöhnliche Netzwerkaktivitäten sofort zu erkennen, zu untersuchen und zu eliminieren.

Letztes Jahr haben wir erlebt, was passieren kann, wenn nicht gepatchte Rechner weltweit zur Verbreitung von Malware missbraucht werden – und man kann davon ausgehen, dass niemand möchte, dass sich dies wiederholt. Verbraucher müssen sich also die Zeit nehmen, um zu verstehen, was passiert ist, und sich darüber informieren, wie sie ihre Telefone, Uhren, Computer und andere Geräte durch Patches schützen können. Denn noch ist Zeit – die Exploits zur Ausnutzung dieser Sicherheitslücken kursieren noch nicht. Sobald der Angriffscode aber in den einschlägigen Foren auftaucht, werden diese von Hackergruppen auch sehr schnell eingesetzt werden. Das hat die jüngere Vergangenheit bewiesen.“

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