Meltdown/Spectre – der Thriller im Rechenzentrum

Autor/Redakteur: Thilo Langenhorst, Teamleiter für Service & Management bei Axians IT Solutions/gg

Seit dem 3. Januar wird auf allen Nachrichtenkanälen von CPU-Microcode-Sicherheitsrisiken berichtet. Die klingenden Codeworte „Meltdown“ und „Spectre“ stehen für „speculative execution side-channel attacs“ – der Hinweis, Betriebssysteme und Hardware zu aktualisieren, ist mehr als dringlich.

Es ist kein Zufall, dass die Begrifflichkeiten an James-Bond-Filme oder an Tech-Thriller erinnern. Die Sicherheitslücken können zum Thriller für die gesamte IT-Welt werden, denn alle Systeme die heute am Arbeitsplatz, im Rechenzentrum, in Smartphones oder in Consumergeräten verwendet werden, haben Prozessoren (CPUs) von Intel, AMD oder ARM. Jene Prozessoren, die in den letzten fünf bis sechs Jahren hergestellt worden sind, haben genau diesen Bug. Fazit: Fast alle Geräte, die wir nutzen und die uns bei der Arbeit unterstützen, sind betroffen.

Was bedeuten die Sicherheitslücken für Cloud-Umgebungen?

Grundsätzlich könnte ein Unbefugter durch den Aufruf eines Programms mit ganz normalen Benutzerrechten alles auslesen, was die CPU gerade verarbeitet, auch dann, wenn die Daten aus einem anderen Anwendungskontext stammen. Der Angreifer muss nur die Anwendung auf seinem System ausführen können und käme damit an normale Dokumente, Passwörter oder Personaldaten. Schadcode können Angreifer auch auf einer Website platzieren, zum Beispiel über eine Bannerwerbung.

Schon auf einem System ist das erschreckend, aber man stelle sich das Szenario in einer Hypervisor-Umgebung (VMware, XEN oder Hyper-V) vor. Wenn jemand aus einer virtuellen Maschine (VM) die Daten abgreifen kann, die in einer anderen virtuellen Maschine verarbeitet werden, beispielsweise wenn darauf das Personalverwaltungssystem läuft. Das ist alles machbar, solange beide Maschinen auf einer CPU laufen – und das ist in der Unternehmens-IT die Regel.

In einer Cloud-Umgebung kann es auch sein, dass die VMs eines Kunden auf der gleichen CPU laufen, wie die VMs eines anderen Kunden. So könnte man ohne Administrationsrechte auf Daten eines anderen Unternehmens zugreifen.

Was ist zu tun?

Die Cloud-Umgebungen der großen Anbieter (Microsoft, Amazon, Google) sind sowohl bezüglich Hardware als auch Software bereits komplett gepatcht. Hier gibt es keinen Bedarf zu handeln oder die jeweiligen Anbieter haben ihre Nutzer bereits informiert, was zu tun ist.

Bei den Systemen, die in den lokalen Rechenzentren oder am Arbeitsplatz betrieben werden, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Zusammenstellen der aktuellen Patches für Spectre und Meltdown für die unterschiedlichen Betriebssystem-Versionen (Microsoft, Linux, Unix, MacOS).
  • Sammlung von kompatiblen Antimalware Agents sowie Lösungsmöglichkeiten zur beschleunigten Installation, da es sonst zu Kompatibilitätsproblemen kommen kann und der BOSD (Bluescreen of Death) droht.
  • Update der Antiviren-Agenten.
  • Bei Microsoft Patches: Erstellung eines Pakets für die zwei nötigen Reg-Keys für Server oder Hyper-V und RDP aktivierte Systeme, damit die wirkliche Aktivierung der Patches funktioniert.
  • Überprüfung/Monitoring der Installation der Patches und der Aktivierung der Reg-Keys.
  • Sammlung der aktuellen BIOS/Firmware Patches für die eingesetzte Hardware, bis der Patch von Intel verfügbar ist.
  • Erstellung von Paketen für die Verteilung der BIOS/Firmware Patches.
  • Überprüfung/Monitoring für die Installation der BIOS/Firmware Patches.

Prüfen Sie daher in allen Fällen, ob Sie gegen etwaige Angriffe gewappnet sind. Ob und welche Schutzfunktionen aktiviert sind, kann man mit der Powershell überprüfen, wie Microsoft in einem Supportbeitrag beschreibt (https://support.microsoft.com/en-us/help/4073119/protect-against-speculative-execution-side-channel-vulnerabilities-in). Alternativ lässt sich zu diesem Zweck auch das Tool „InSpectre“ von Steve Gibson nutzen (https://www.grc.com/inspectre.htm).