Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Mit Distributed Ledger in die Zukunft

Autor/Redakteur: Bernd Gross, CTO bei der Software AG/gg

In einer durch persönliche Kontakte geprägten Ökonomie konnten Händler ihre Geschäfte lange per Handschlag abschließen. Vertrauen ist auch in der weltumspannenden, multinationalen und nicht nur pandemiebedingt zunehmend virtuellen Wirtschaft wichtig, reicht aber für rechtssicheres Handeln nicht mehr aus – schon gar nicht in der Steigerungsform „blind“. Stattdessen müssen Unternehmen ihre Verträge mit einer Vielzahl von Dokumenten und Protokollen dokumentieren und ihre Compliance bei der Geschäftstätigkeit durch Audits und Zertifizierungen belegen. Am Ende dient all das der Absicherung des Vertrauens – wenn auch auf deutlich komplexerer Ebene. Digitalisierung kann diese Komplexität nicht mindern, aber sie hilft dabei, sie zu managen.

Bild: Software AG

Unternehmen vernetzen sich auf eine neue, bislang technisch nicht mögliche Art und Weise. Sie kommunizieren und tauschen rechtssichere, vertrauliche Dokumente über digitale Kanäle – mal über dauerhafte Peer-to-Peer-Verbindungen, mal über einmalige und entsprechend flüchtige Konnektivität. Das eröffnet neue Möglichkeiten von Plattformen und Ökosystemen, an denen nicht nur eine überschaubare Zahl von Partnern beteiligt ist, sondern eine theoretisch unbegrenzte, grundsätzlich sogar mit unbekannten Stakeholdern. Vertrauen ist hier nicht mehr eine Sache von persönlicher Integrität, sondern hängt an Technologien, die es gewährleisten und absichern. Klassische Mechanismen stoßen hier ebenso an Grenzen wie monolithische Systeme, die ihr Vertrauen von einem mächtigen Treuhänder dokumentieren lassen.

An ihre Stelle können Distributed-Ledger-Technologien (DLT) treten. Sie ermöglichen es, Transaktionen in einem verteilten und deswegen rechtssicheren Register zu speichern. Die dezentral abgelegten und über kryptografische Verfahren gesicherte Kopien verhindern Fälschungen, die nicht nur in einer Transaktion vorgenommen werden müssten, sondern in allen. Doch es gibt auch Kritik an der Technologie. Einerseits verbraucht es zu viel Energie und andererseits haben Kriminelle die Möglichkeit, ihre Geschäfte ohne Eingriffsmöglichkeiten staatlicher Stellen abzuwickeln. An der Fähigkeit der Distributed Ledger, auf einer digitalen Basis für Vertrauen und Integrität zwischen Geschäftspartnern zu sorgen, gibt es aber keinen Zweifel. Das macht die Technologie so spannend und prädestiniert sie für den Einsatz im digitalen Zeitalter.

Distributed Ledger ist nicht auf Blockchain beschränkt

Wer über Distributed Ledger spricht, kommt an Blockchain nicht vorbei, die hinter sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum steckt. Das ist in gewisser Weise bedauerlich, denn das verteilte Kassenbuch kann mehr. Zudem ist das Mining hinter den Kryptowährungen für ein Großteil des überdimensionalen Energieverbrauchs der Technologie verantwortlich, was zu ihrer Akzeptanz sicher nichts Positives beisteuert. Für den Einsatz im Rahmen von IoT-Projekten eignet sich die Blockchain ebenfalls nicht; sie ist dafür zu langsam, denn sie erlaubt nur wenige Transaktionen pro Sekunde, und ist zu teuer.

Aber es gibt Alternativen, die das sogenannte Blockchain-Trilemma lösen, also hohe Sicherheit, hohe Skalierbarkeit/Performanz und einen hohen Dezentralisationsgrad bieten. Statt auf eine verkettete Liste von Blöcken (Blockchain) setzt IOTA zum Beispiel mit dem sogenannten Tangle („Gewirr“) auf einen Graphen mit einer azyklischen Struktur. Das macht diese Technologie schnell und leistungsstark. Klassische Transaktionsgebühren fallen bei IOTA auch nicht an, nur der Absender einer Transaktion muss dafür Rechenleistung aufbringen.

DLT konkret

Technische Dokumentationen sind in vielen Branchen unverzichtbar. Die Baubranche zum Beispiel ist schon aus Compliance-Gründen gefordert, den kompletten Baufortschritt akribisch zu dokumentieren. Das gilt auch für Flugzeugbauer und Airlines, die die Flieger einsetzen. Auch hier gilt es, die Provenienz jedes einzelnen Bauteils ebenso vollständig und fälschungssicher zu dokumentieren, wie Wartungsarbeiten und Betriebsdaten.