Plesk, oder doch nicht? Admintool-Alternativen im Vergleich

Autor/Redakteur: Christian Giegler, 2nd Level Support-Specialist bei Host Europe in Köln/gg

Der Markt für Konfigurationstools ist heute recht umfangreich, wenn wir ihn mit der Jahrtausendwende vergleichen. Denn neben dem 2001 entwickelten „Platzhirsch“ Plesk und dem „Urgestein“ cPanel (1996) buhlen hierzulande vor allem noch ISPConfig (2005), das deutsche Froxlor (2010) oder DirectAdmin um die Gunst von Webseitenbetreibern, Webdesignern und „echten“ Web-Administratoren.

Bild: Host Europe

Ohne Zweifel ist dabei Plesk der klare Marktführer. Das „allgegenwärtige“ Tool zur Server- und Webspace-Verwaltung hat im deutschsprachigen Raum eine ähnliche Marktmacht wie Google bei den Internet-Suchmaschinen. Logisch, dass die Vielzahl der Webadministrator(innen) in Deutschland daher auch intuitiv mit dieser Software-Lösung die eigene Arbeit verrichtet.

Doch vergleichen wir den Market Share hierzulande aus internationaler Sicht, fällt ein deutlicher „Bias“ auf. Denn global – vor allem in den USA und Asien – gestalten sich die Admin-Tool-Verhältnisse völlig anders. Obwohl Plesk auch hier die Ranglisten anführt, liegt die Konkurrenz nämlich deutlich enger beieinander. Und in einem Bereich liegt sogar eine Plesk-Alternative vor dem vermeintlichen Branchenprimus.

Wer das sein soll? cPanel! Das Admin-Tool, dessen Name für „Control Panel“ (also „Bedienfeld“) steht – liegt zwar international mit 20 Prozent kumuliertem Marktanteil ebenfalls hinter Plesk, führt aber in einem anderen Webadmin-Sektor das Feld überraschend an: Schaut man allein auf die Webhosting-Pakete, so hat cPanel stolze 50 Prozent Marktanteil in diesem Segment – und damit so viel wie Plesk, Froxlor, DirectAdmin und ISPConfig zusammen.

Besonders spannend wird dieser Umstand, wenn man sich zusätzlich die aktuellen Zuwachsraten in ebendiesem Marktsegment genauer ansieht – übrigens auch im deutschsprachigen Raum. Denn der Markt für professionell(er)e B2B-Webhostings boomt.

Die Kräfteverhältnisse unter den dafür geeigneten Admin-Tools sind jedoch lange nicht so eindeutig, wie viele von uns wahrscheinlich geglaubt haben. So setzt man bei der Verwaltung von leistungsfähigen Profi-Hostingpaketen international mit cPanel auf ein Verwaltungstool, das in Deutschland noch verhältnismäßig unbekannt ist. Hierzulande stehen dagegen international nahezu „bedeutungslose“ Alternativlösungen wie ISPConfig, Froxlor oder DirectAdmin aktuell noch etwas höher im Kurs.

Doch woher kommen die Verschiebungen? Und was können die Plesk-Alternativen im Vergleich mit dem Branchenprimus? Diesen Fragen sind wir bei Host Europe nachgegangen und wollen nun ausführlich über unsere Erkenntnisse berichten.

Schließlich muss es doch gute Gründe dafür geben, dass man ausgerechnet in Ländern, Märkten und Regionen mit deutlichem „Digitalisierungsvorsprung“ vor der „alten Welt“ mit cPanel auf eine proprietäre Softwarelösung setzt, die in Deutschland bisher fast keine Rolle bei der Verwaltung von Webprojekten spielt. Oder was meinen Sie?

Konfigurationstools unter der Lupe: Plesk, cPanel, Froxlor, DirectAdmin, ISPConfig

Während der geübte und professionelle Administrator wenig Probleme mit dem umfassenden und komplexen Funktionsumfang von Plesk hat, sieht das vor allem bei Kreativen, Freelancern oder Webdesignern anders aus. Diese Erfahrung habe ich bei meiner Arbeit für einen der größten Hostinganbieter Europas schon häufig gemacht. Als Webadministrator kann es darum nur gut sein, auch über die verschiedenen Plesk-Alternativen grundsätzlich besser Bescheid zu wissen – gerade dann, wenn man es im Dienstleistungs- oder Agenturumfeld mit einem eher „untechnischen“ Klientel bei der Website-Verwaltung zu tun hat.

Denn es ist doch so: Heute erstellen und verwalten auch immer mehr „semi-professionelle“ Webworker(innen) individuelle Onlinepräsenzen für Kunden. Kein Wunder, denn dafür reichen in der Tat meist auch schon fortgeschrittene Anfänger-Kenntnisse in Webdesign, UX/UI, Programmierung und Server-Administration aus. Da die Funktionsvielfalt von Plesk aber gerade dann deutlich über das benötigte Maß an „technischer Beeinflussbarkeit“ hinausgeht, suchen viele der genannten Web-Dienstleister geeignetere Alternativen – mit denen die Umsetzung der Kundenaufgaben ebenso gut gelingt.

Das heißt: Sie suchen ein Adminpanel, das trotz fokussierter und rudimentärer Funktionskonzentrationen einen optimalen Workflow effizient ermöglicht. Das passende Werkzeug muss deshalb nicht nur zu den Aufgaben, sondern auch zum individuellen Wissenstand des Verwaltenden passen. Nur das würde „administrativen Laien“ eine spürbar leichtere Arbeit ohne Probleme bei Kundenprojekten ermöglichen.

Die wichtigsten Alternativen zu Plesk sind dabei sicherlich cPanel, ISPConfig, DirectAdmin sowie Froxlor – zumindest im deutschsprachigen Raum, wie die beigefügte Grafik zeigt. Wo genau die Vorteile, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der fünf Konkurrenzprodukte liegen, erfahren Sie jetzt.

Plesk-Alternativen setzen allesamt auf Unix

Direkt auffällig: Alle vier Alternativen zu Plesk setzt auf einen bestimmten Server-Typus. So laufen cPanel, ISPConfig, Froxlor und DirectAdmin ausschließlich auf Servern mit Linux- beziehungsweise Unix-Betriebssystem. Plesk nimmt dagegen zusätzlich auch mit Windows vorlieb. Für den typischen Webhosting-Endkunden macht das aber freilich in der Regel keinen Unterschied.

Auto-Installer, E-Mailkonten, Domainverwaltung

Wer mit Plesk arbeitet, findet oft an den praktischen Auto-Installern gefallen. Hier beginnen dann auch die ersten wichtigen Unterschiede. Denn mit dem Platzhirsch mithalten können hier eigentlich nur cPanel und ISPConfig. Ob nun WordPress, Magento, Joomla, Drupal oder Typo3 – bei beiden gelingt das One-Klick-Setup von ganzen Content-Management-Systemen problemlos.

Froxlor und DirectAdmin lassen dagegen gleich hier einige Federn. Das automatisierte Installieren von Anwendungen gelingt einmal nur scriptbasiert, beim anderen nur als „Extra“. Geht es dagegen um die Verwaltung von Domains, punkten alle Anwendungen – genau wie Plesk. Auch die sichere Konfiguration von E-Mail-Konten ist bei keinem Tool ein Hindernis. Wie von Plesk vorgelebt, beherrschen das alle Alternativlösungen komfortabel.