Die unfaire Erwartungshaltung an die Cloud – Weg mit dem Versprechen der eierlegenden Wollmilchsau

Autor/Redakteur: Thomas Muggendobler, verantwortlich für das Product Management bei der Thomas-Krenn.AG/gg

Es ist ein zum Beispiel vom Sport bekanntes Phänomen: Junge Talente werden in den Himmel gelobt – und scheitern an diesen Ansprüchen von außen. Bisweilen drängt sich dieser Eindruck auch bei der Cloud auf. Falsch eingesetzt, ist sie nichts weiter als ein Kostentreiber. Einige Fallstricke beschreibt dieser Text.

Bild: Thomas-Krenn.AG

Die Cloud ist ein großer Werkzeugkasten – besonders, seit die großen Hyperscaler wie Amazon mit AWS oder Microsoft mit Azure und so weiter sich zu Vollsortimentern entwickelt haben. Spontan benötigte Services können jederzeit hinzugebucht werden, um etwa Lastspitzen abzufangen oder zusätzliche Services für Entwicklungen zu buchen. Und natürlich ist es ebenso einfach möglich, aus der großen Auswahl weiterer, kleinerer Anbieter die Wunschanwendung herauszupicken.

Aus dieser Bandbreite kommend hat sich in letzter Zeit immer stärker der Begriff des Multi-Cloud-Ansatzes etabliert. Die Idee ist gut: Den jeweils – in Bezug auf Leistung, Kosten etc. – geeignetsten Service aus der entsprechenden Plattform wählen und so eine maßgeschneiderte Infrastruktur zusammenstellen. Nur: Die Komplexität nimmt dadurch entsprechend zu. Insofern müssen Unternehmen stets ein überaus wachsames Auge darauf haben, dass Kosten nicht ausufern.

Denn dafür kann es in solchen Konzepten mehrere Gründe geben: Einerseits ist die Kündigung eines Service, wenn dieser nicht mehr benötigt wird, schnell vergessen; andererseits sind viele kleine Kostenblöcke am Ende bisweilen doch größer, als eingeplant oder budgetiert; schließlich gibt es Lösungen, die genau jene Komplexität reduzieren sollen – die jedoch wieder Geld kosten, und zwar sowohl in Anschaffung als auch beim Betrieb.

Die steinige Reise in der Cloud?

Beim Blick zurück auf die rosa Cloud-Brille war vielleicht manches Versprechen von manchem Experten etwas zu naiv gegeben; natürlich haben sich die Vorteile der Cloud aber grundsätzlich bewahrheitet. Nur der – in Euro, Mannstunden oder Schweiß – zu zahlende Preis war womöglich zu wenig Bestandteil der Diskussion. Cloud-Umgebungen sind nun mal keine Selbstläufer. Es reicht absolut nicht aus, einmal ein Konzept zu erstellen und umzusetzen. Vielmehr ist es ein beständiges Anpassen und Feinjustieren.

Die genannten Herausforderungen sprechen wie gesagt nicht gegen die Cloud, im Gegenteil. Wer das „Rightsizing“ richtig betreibt, wird im Unternehmen viele Vorteile erzielen. Jedoch muss zu Beginn von Cloud-Projekten und währenddessen immer wieder abgewogen werden, ob die Rechnung aufgeht. Es gibt kein Patentrezept, und nicht jedes Unternehmen kann jedes Konzept sinnvoll umsetzen. Dafür ist die Zahl der Parameter zu groß.

Insofern ist es vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mehr als eine Überlegung wert, welche Cloud-Elemente sie wirklich nutzen wollen – es ist für sie erste Bürgerpflicht. Dabei gilt es sowohl die Frage der verfügbaren Ressourcen im Administrator-Umfeld zu beachten als auch die der vorhandenen Expertise. Gerade, wenn die IT-Abteilung aus nur einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin besteht beziehungsweise das Team sehr klein und eher generalistisch aufgestellt ist, besteht die Gefahr einer Überforderung.

Risiken kalkulieren

Denn die Verlockung der schnellen einfachen Services kann letztlich sogar existenzbedrohend werden, wenn es an Management und Betrieb geht, nämlich beim Thema IT-Sicherheit. Somit sind auf der Kostenseite eben ergänzend zu planbaren Ausgaben wie der Miete und Verwaltung auch noch abstrakte Szenarien einzukalkulieren. Um diese abzufedern, kann unter Umständen nochmals zusätzliche Software erforderlich sein.