Per Quereinstieg zum SAP-Berater: Studium, Zertifizierung, Praxis – wie ergattert man seinen ersten SAP-Job?

Autor/Redakteur: Freddy Staudt/gg

Dr. Thomas Biber, Geschäftsführer von Biber & Associates
Dr. Thomas Biber, Geschäftsführer von Biber & Associates

Wer Karriere machen will, ist als SAP-Berater in der richtigen Branche. Hier sind hohe Gehälter und schnelle Lohnsteigerungen Gang und Gäbe. Entgegen der Annahme, dass man die Grundsteine seiner Karriere bereits mit Studium und erstem Job zementiert, ist ein Quereinstieg in die SAP-Beratung durchaus möglich. Denn hier hängt wenig an Titeln, Ausbildungen und Zertifizierungen. Mit den richtigen Voraussetzungen und dem Ehrgeiz, sich die praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen zu erarbeiten, gelingt der Einstieg in die beliebte Sparte. Dr. Thomas Biber, Geschäftsführer der auf SAP-Positionen spezialisierten Personalberatung Biber & Associates, sagt: “Die Unterschiede bei Gehalts- und Karriereoptionen für SAP-Berater gleichen sich, unabhängig vom Ausbildungsweg, nach drei bis fünf Jahren Projekterfahrung an.” Doch wie kommt man zum ersten Job? Thomas Biber, selbst langjähriger SAP-Berater, gibt Tipps für den Start in die SAP-Karriere.

Rund 90 Prozent derer, die direkt nach dem Studium in die SAP-Beratung gehen, sind Wirtschaftsinformatiker, Wirtschaftswissenschaftler, Naturwissenschaftler oder Absolventen eines technischen Studiengangs. Üblicherweise haben diese “Direkteinsteiger” einen Master oder Diplom-Abschluss. Dem Bachelor-Titel mangelt es nach wie vor an Anerkennung. Mit dem Doktor-Titel noch eine Schaufel drauf zu legen, ist jedoch laut Biber für den Einstieg kein nennenswertes Plus: Er lasse die Nachwuchskräfte im Vergleich zu anderen Bewerbern meist nur älter aussehen. Nur wer plant, in die Top-Etagen der Unternehmen aufzusteigen, habe mit dem Doktor oder mit einem MBA einen kleinen Vorteil.

“SAP-Quereinsteiger” haben oftmals eine akademische Ausbildung in ganz anderen Fächern durchlaufen – zum Beispiel Jura, Geisteswissenschaften oder auch Theologie. Sogar Nichtakademiker haben gute Chancen, beispielsweise nach einer Ausbildung in kaufmännischen oder informatiknahen Berufen. Erst wenn es, Jahre später, um Leitungspositionen geht, verschafft eine akademische Ausbildung wieder einen Vorteil vor dem Ausbildungsberuf. “Am wichtigsten ist, dass man sowohl IT-Know-How als auch betriebswirtschaftliche Kompetenz hat”, fasst Biber die notwendigen Fähigkeiten zusammen. “Viele erfolgreiche Quereinsteiger hatten berufliche Erfahrung in einem dieser beiden Felder gesammelt und brachten Interesse und Verständnis für das andere Feld mit.”

Einführung von SAP-Systemen: Chance zur Fortbildung

Typische Quereinsteiger waren zuvor im Controlling, Vertrieb oder in der Warenwirtschaft tätig und verfügen somit über betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Oder sie kommen aus einer Tätigkeit als Webshop- oder Netzwerkadministrator beziehungsweise Programmierer und bringen damit profunde IT-Kenntnisse mit. Manchmal kommt ganz ungeplant, im Rahmen einer SAP-Einführung die Gelegenheit, sich vom Unternehmen zum SAP-Berater weiterbilden zu lassen. Auch die Arbeitsagentur zahlt gelegentlich eine SAP-Zertifizierung und manche Arbeitnehmer bekommen sie im Rahmen eines Outplacement-Verfahrens von ihrem ehemaligen Arbeitgeber bezahlt. Kurse mit SAP-Zertifizierungen werden sowohl vom Walldorfer Konzern selbst als auch von verschiedenen Weiterbildungsanbietern veranstaltet.

Die Zertifizierung ist aber keineswegs zwingend für eine Karriere als SAP-Berater: “Arbeitgeber ziehen das Learning-on-the-job, also die praktische Tätigkeit im SAP-Projekt, jeder Schulungserfahrung vor”, so Biber. Es komme vor, dass angehende SAP-Berater ein Job-Angebot ausschlugen, um die einmal begonnene und schließlich ja auch teure Weiterbildung zu Ende zu führen. Aber Gelegenheiten kommen nicht nach Belieben wieder: “Wenn sich eine Chance bietet, die erste feste SAP-Stelle zu ergattern, muss man als Neu- oder Quereinsteiger zugreifen”, erläutert der Personalberater.

Im Allgemeinen lassen sich die neuen Arbeitgeber darauf ein, dass der Bewerber die SAP-Weiterbildung zunächst beendet, bevor er die neue Stelle antritt. Sollte ein Arbeitgeber das ablehnen, ist es das kleinere Übel, die Weiterbildung abzubrechen. Denn die erste Stelle als SAP-Berater ist immer am schwierigsten zu finden.