Digitalisieren? Bitte mit Strategie!

Autor/Redakteur: Jan Rodig, Partner bei Struktur Management Partner/gg

Wer ein schönes Auto oder eine Immobilie besitzt, weiß: Werterhalt oder sogar Wertsteigerung erfordern Investitionen und Instandhaltung. Gleiches gilt für Unternehmen. Nur wer rechtzeitig modernisiert und sich der volatilen Wirklichkeit agil anpasst, stellt sich zukunftssicher auf und sichert Rendite und Arbeitsplätze. Das gilt aktuell insbesondere für die digitale Transformation. Ohne entsprechende Investitionen werden deutsche Unternehmen im globalen Vergleich weiter den Anschluss verlieren. Das wissen zwar die meisten Manager, doch wenn es um sinnvolle Maßnahmen und konkrete Schritte geht, sind oft noch viele Fragen offen.

Jan Rodig, Struktur Management Partner ((c) Struktur Management Partner)

Dass Unternehmen die digitale Transformation vorantreiben müssen, ist mittlerweile fast jedem klar. Doch der Megatrend „Digitalisierung“ ist vielschichtig, vage und verändert sich schnell. Er betrifft Geschäftsmodelle in all ihren Facetten – von der Positionierung über das Angebot bis hin zur Wertschöpfung und Erlösmechanik. Da geht schnell der Überblick verloren: Wo beginnen? Wo liegen die größten Hebel? Und wie geht man so etwas an?

Viele Unternehmen flüchten sich in „Digitalisierungstheater“, bei dem mächtige Buzzwords und hektischer Aktionismus zunächst zwar tolle PR-Vorlagen liefern, am Ende aber kaum etwas Sinnvolles herauskommt. Verschiedene Studien zeigen, dass nur etwa jedes achte Digitalprojekt in Unternehmen gelingt. Das es auch anders geht, zeigten zahlreiche Digitalisierungsexperten und Praktiker aus dem Mittelstand im Rahmen der virtuellen „Digital Performance Conference“. Dabei kristallisierten sich fünf übergeordnete Bausteine heraus, die erfolgskritisch für mittelständische Unternehmen in der digitalen Transformation sind.

Die Energie folgt dem Fokus

Der Startpunkt wirksamer Digitalisierungsvorhaben ist eine fundierte Digitalstrategie, die im Unternehmen bekannt ist und vom C-Level bis in die Fachabteilungen hinein von den wesentlichen Protagonisten mitgetragen wird. Eine kritische – und ehrliche – Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation ist hier ebenso wichtig wie eine kluge Zielsetzung. Dabei gilt es zunächst die unzähligen digitalen Buzzwords und Trends mit Relevanz für das Unternehmen zu priorisieren: Welche digitalen Technologien sollte das Unternehmen verstehen? Welche neu aufkommenden Kundenerwartungen werden kritisch? Wie verändert sich der Wettbewerb durch digitale Einflüsse – sowohl durch die traditionellen Wettbewerber, aber auch Plattformen, Startups und Tech-Riesen?

Am Ende dieses Erkenntnisprozesses haben die Führungskräfte des Unternehmens ein klares Bild der zugleich dringlichsten und relevantesten Digitalisierungsthemen, auf welche sich das Unternehmen fokussieren sollte. Ein Abgleich mit dem Status quo im Haus zeigt dann schnell die Handlungsbedarfe und Digitalisierungspotenziale auf, welche es anzugehen gilt. Diese müssen vor dem Hintergrund der individuellen Rahmenbedingungen – beispielsweise Positionierung, Unternehmensstrategie und Ressourcenaus­stattung – betrachtet werden, um sinnvolle strategische Schwerpunkte für die Digitalisierung setzen zu können.

Die Pflicht: Prozessdigitalisierung

Ein zweiter entscheidender Aspekt folgt in der Regel aus den meisten Digitalstrategien: die Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen. Fast jedes Unternehmen hat Effizienzpotenziale in den administrativen Bereichen, die sich beispielsweise mit Robotic Process Automation (RPA) oder Process Mining identifizieren und erschließen lassen. Auch die Fehlerquote lässt sich damit senken und Durchlaufzeiten beschleunigen. Prozessdigitalisierung kann zum Beispiel dabei helfen, Ausschuss und Materialverschwendung zu reduzieren, Lagerbestände zu verringern, den Anteil fristgerechter Lieferungen zu steigern oder die Supply Chain noch effektiver zu gestalten. Der Effekt: Amortisationszeiten von wenigen Monaten, die sich sehen lassen können.