Das voll vernetzte Unternehmen ist in Sicht

Autor/Redakteur: Bernd Gross, CTO bei der Software AG/gg

Die Digitalisierung von Unternehmen quer durch alle Branchen und Organisationsgrößen hat an Fahrt zugenommen – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Aber es reicht nicht, die Arbeit aus den Homeoffices zu ermöglichen, einzelne Cloud-Services in Anspruch zu nehmen oder Pilotprojekte zu Digital Twins und vorausschauender Wartung zu starten. Dieser Beitrag zeigt, was Unternehmen auf ihrem Weg stärker beachten sollten, damit am Ende das große Ziel eines „Truly Connected Enterprise“ tatsächlich in Sichtweite kommt.

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Jahr für Jahr packen Analystenhäuser und Anbieter ihre Trendreports aus – alle zusammen sind sie auf der Suche nach dem nächsten Big Thing in der IT. Oft genug geht es vor allem darum, Begriffe zu besetzen oder Bewegungen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das ist nachvollziehbar und legitim aus Sicht der Absender, hilft aber den Empfängern bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie sie sich im neuen Jahr strategisch aufstellen sollen, nicht unbedingt weiter.

Wenn man sich die Trends wichtiger Marktforscher anschaut, Gartner und IDC zum Beispiel, dann kristallisieren sich zwei wichtige Erkenntnisse heraus: “Den” Mega-Trend, “die” Killer-Technologie und “das” Must-have gibt es auch 2022 nicht. Vielmehr, und das ist bereits die zweite Erkenntnis, kommen in den wichtigsten Buzzwords der Analysten die Schlüsselwörter vor, die wir auch schon vor einem, vor zwei oder gar vor drei Jahren diskutiert haben: „Daten“ ist eines dieser Wörter, das in Trendprognosen wie „Data Fabric“ (Gartner) oder „Embedded Data & Analytics“ (BearingPoint) steckt, aber implizit auch in Konzepten wie „Decision Intelligence“, „Autonomic Systems” und „Generative AI” von Gartner oder in „Responsible AI“ und in „Vernetzte Sensoren und Maschinen“ von BearingPoint, die ohne Daten nicht denkbar wären.

Daten, soweit das Auge blickt

Daten sind also eine der Schnittmengen, die Trends und Prognosen unterschiedlicher Auguren zusammenhalten. Sicherheit ist eine zweite: Sie muss und wird in allen Aktivitäten eine Rolle spielen, die Unternehmen zur Weiterentwicklung ihrer IT-Infrastruktur und Anwendungslandschaft unternehmen. Zwar ist das beileibe kein neuer Trend; die zunehmende Vernetzung der IT mit der OT, also mit Maschinen und Anlagen, und die wachsende Abhängigkeit der modernen Gesellschaft von IT im Allgemeinen verleiht diesem Thema eine zusätzliche Relevanz – und das völlig zu Recht. Eine dritte Schnittmenge, die all die Trends miteinander verbindet, ist das vernetzte Unternehmen, das sein Business an unterschiedlichen Standorten betreibt, die aber alle untereinander und mit einer zentralen Instanz, der Cloud, verbunden sein müssen, um den Rohstoff der Zeit, die Daten, gewinnbringend einsetzen zu können – vor Ort schon (am Edge), aber auch in der Cloud.

Unternehmen, die ihre eigene Digitalisierung als strategische Aufgabe begreifen und ihre digitale Transformation auch 2022 vorantreiben wollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, kommen um diese Trends nicht herum. Aber das stellt zugleich hohe Anforderungen an ihre Wandlungsfähigkeit, ihre Organisation und die Menschen, die diesen Wandel gestalten. Moderne IT und OT in einer hybriden Infrastruktur, die eigene Rechenzentrumskapazitäten ebenso umfasst wie Cloud-Infrastrukturen, -Plattformen und -Anwendungen und dazu Edge-Geräte mit eigener Rechenintelligenz, sind deutlich leistungsfähiger, aber auch ungleich komplexer als frühere Systeme – zumal ihre Sicherheit immer mitbedacht und -organisiert werden muss.

Das Fernziel der digitalen Transformation ist klar, egal, mit welchen Teilschritten oder Megatrends man es beschreibt: das voll vernetzte Unternehmen. Nur die umfassende Vernetzung eines Unternehmens hilft, den wichtigsten Rohstoff der Digitalisierung monetarisierbar zu machen, also die bereits mehrfach erwähnten Daten. Nur wenn die gesamte Wertschöpfungskette inklusive ihrer externen Glieder digitalisiert ist, entstehen nicht nur einfach Daten, sondern konsistente und vollständige Daten, die valide Vorhersagen und Unterstützung von Entscheidungen ermöglichen. Alle Anstrengungen, Predictive Maintenance etwa in der Fertigung oder in mitunter weit entfernten Anlagen am Edge zu realisieren, hängen daran, genauso wie alle Projekte für die Einführung künstlicher Intelligenz an einer Produktentwicklung mit Digital Twins.

Industrielle Datenverarbeitung – Data Fabrics

Einer der wichtigsten Buzzwords in den Trendgeschichten ist der Begriff der “Data Fabrics” oder “Data Factories”. Die Begriffe läuten die Ära der industriellen Datenverarbeitung ein, in der Daten entlang der Wertschöpfungskette systematisch erfasst, gepflegt, verarbeitet und genutzt – und unter Umständen auch geteilt werden. Eine Data Fabric verarbeitet unternehmensweit den Rohstoff Daten, bereitet ihn für die Wertschöpfung vor und veredelt ihn zu datengetriebenen Geschäftsmodellen, Entscheidungen und Services. In der Data Fabric eines Unternehmens arbeiten Fachkräfte quer über alle Unternehmensbereiche hinweg und sorgen für die Effizienzgewinne, die aus der industriellen Verarbeitung von Rohstoffen bereits hinlänglich bekannt sind. Die Analysten rechnen nicht nur mit Mehrwerten durch die Nutzung von Daten, sondern auch mit einer deutlichen Entlastung des Datenmanagements in den Unternehmen – von bis zu 70 Prozent bei Gartner und mit einer Zeitersparnis für die Bereitstellung integrierter Daten um bis zu 30 Prozent bei IBM.