Die digitale Transformation und COVID-19: Chancen über die Pandemie hinaus

Autor/Redakteur: Stephan Beeusaert, Regional Vice President, EMEA bei Smartsheet/gg

Viele deutsche Firmen werden mit gemischten Gefühlen auf die letzten achtzehn Monate zurückblicken, in denen sich ihre Geschäftsabläufe für immer verändert haben. Als sich das neuartige Coronavirus erstmals im ganzen Land bemerkbar machte, suchten viele Unternehmen nach Technologien, die es ihren Mitarbeitern ermöglichten, ohne große Umstände auch von zu Hause aus arbeiten zu können.

Screenshot: Smartsheet

Gemäß einer Anfang des Jahres veröffentlichten Studie, durchgeführt von 451 Research, einem Unternehmen von S&P Global Market Intelligence, wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Demnach überdenken 71 Prozent der weltweit befragten Entscheidungsträger im Technologiebereich ihre langfristige Strategie in Bezug auf mitarbeiterbezogene Technologien. Deutsche Unternehmen scheinen sich jedoch schwerer damit zu tun, die für die Einführung dynamischerer Arbeitspraktiken notwendigen Veränderungen zu implementieren als ihre globalen Mitbewerber.

Weniger als die Hälfte (42 Prozent) der in der Studie befragten Deutschen gaben an, dass ihr Unternehmen bereit und in der Lage sei, sich anzupassen und auf die neuen Prioritäten und Veränderungen zu reagieren. Zum Vergleich: in den USA bejahten dies 62 Prozent der Befragten. Der Ursprung dieser Differenz scheint sich bei Führungskräften zu manifestieren, denn 55 Prozent der deutschen Befragten gaben an, dass die strategische Vision und die Führung des Unternehmens “sehr stark verändert” werden müssten, um Anpassungsfähigkeit und -bereitschaft zu verbessern. Das sind mehr als doppelt so viele wie die 26 Prozent der Befragten in Großbritannien, die die Situation in ihrem Unternehmen gleichermaßen beurteilten.

Die Ergebnisse treffen den Kern eines umfassenderen Problems der deutschen Wirtschaft. Während das Land seine Rolle als Europas industrielles Powerhouse weiter gefestigt hat, könnte seine berüchtigte Vorliebe für Zettelwirtschaft und die Abhängigkeit von manuellen, überholten Prozessen eine erhebliche Hemmschwelle für die Digitalisierung bilden. Die Studie von 451 Research spiegelt diese Einstellung nur allzu gut wider: Deutschland wies den höchsten Prozentsatz an Befragten auf, die befürchteten, nicht über die notwendigen Technologien zu verfügen, um mobiles Arbeiten effektiv anbieten und einsetzen zu können.

Glücklicherweise zeigte die Umfrage auch eine wachsende Bereitschaft zum Wandel: Die deutschen Führungskräfte gaben an, dass sie in den nächsten sechs Monaten mehr für digitale Tools ausgeben wollen. Gut ein Drittel (36 Prozent) von ihnen will Anwendungen für die virtuelle Zusammenarbeit im Team einführen, 26 Prozent beabsichtigen, Arbeitsabläufe zu automatisieren, und 23 Prozent sind auf der Suche nach Arbeitsmanagementsystemen.

Um dies zu erreichen, gaben 53 Prozent der deutschen Befragten an, dass sie planen, die Beschaffungszyklen für technische Anwendungen für die Belegschaft zu verkürzen. 46 Prozent der deutschen Unternehmen wollen die Produktivität und Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter optimieren, während 39 Prozent cloudbasierte Tools einsetzen wollen, um die flexible Bereitstellung von Geschäftsanwendungen zu ermöglichen. Darüber hinaus gaben 34 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die Modernisierung älterer Back-Office-Bestandsanwendungen für sie Priorität hat.