Infrastructure

Rittal: Die AI-Ära braucht standardisierte Infrastruktur

Anlässlich des OCP EMEA Summit 2026 in Barcelona stellt Rittal eine standardisierte Infrastruktur in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Rechenzentrumsinfrastruktur angesichts rasant wachsender Anforderungen durch künstliche Intelligenz neu organisieren lässt. Klassische Architekturen stoßen bei Leistungsdichte, Energiebedarf und Kühlung zunehmend an physikalische Grenzen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Skalierbarkeit und Effizienz im globalen Betrieb. Vor diesem Hintergrund gewinnen modulare, standardisierte Systemansätze stark an Bedeutung.

Rittal auf dem OCP EMEA Summit 2026 in Barcelona (29.–30. April. – Quelle: Rittal

KI als Treiber für eine neue Infrastruktur-Generation

Die Entwicklung moderner KI-Modelle führt zu einer massiven Verdichtung von Rechenleistung in Rechenzentren. Diese Entwicklung verändert nicht nur die Serverarchitektur, sondern das gesamte Zusammenspiel aus Energieversorgung, Kühlung und physischer Integration. Im Rahmen des Open Compute Project arbeiten Hyperscaler, Hardwarehersteller und Technologiepartner an offenen Standards, um genau diese Komplexität beherrschbar zu machen.

Rittal beteiligt sich an diesen Standardisierungsprozessen und präsentiert ein Konzept, das Rechenzentrumsinfrastruktur als integriertes Gesamtsystem denkt: als hochverdichtete, modulare Einheit für KI-Workloads.

Megawatt-Rechenleistung im kompakten Systemdesign

Im Mittelpunkt steht ein sogenannter Infrastruktur-Pod, der Rechenmodule, Energieverteilung und Flüssigkeitskühlung eng miteinander verzahnt. Ziel ist es, auf kleinstem Raum Leistungen im Megawattbereich bereitzustellen – eine Größenordnung, die bislang eher ganzen Gebäudestrukturen vorbehalten war.

Diese Leistungsdichte erfordert ein neues Verständnis von Systemintegration. Kühlung, Stromführung und Datenverarbeitung werden nicht mehr getrennt geplant, sondern als zusammenhängendes Architekturprinzip umgesetzt. Besonders die direkte Flüssigkeitskühlung auf Chip-Ebene spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie die entstehende Abwärme deutlich effizienter abführt als klassische Luftkühlung.

Systemintegration: CDU, Rack-Architektur und Power-Sidecar

Das Konzept kombiniert mehrere funktionale Einheiten zu einem modularen Gesamtsystem. Eine Cooling Distribution Unit (CDU) übernimmt die Verteilung des Kühlmediums und ermöglicht den Betrieb flüssigkeitsgekühlter Hochleistungsracks. In der Mitte stehen OCP-konforme Compute-Racks für KI-Workloads.

Ergänzt wird das System durch ein sogenanntes Power-Sidecar, das die Stromwandlung und -verteilung direkt neben den Serverracks bündelt. Dadurch werden Leitungswege verkürzt, Energieverluste reduziert und die Grundlage für neue Gleichstromarchitekturen geschaffen.

Im Power-Sidecar kommt Technologie von DG Matrix zum Einsatz, insbesondere Multi-Port-Solid-State-Transformatorlösungen. Die Integration erfolgt in Infrastrukturplattformen von Rittal, unter anderem über die Sammelschienenlösung RiLineX.

Neue Energiearchitekturen für KI-Rechenzentren

Das Gesamtsystem ist auf verschiedene Spannungswelten ausgelegt, darunter 415/480 VAC sowie ±400 VDC und 800 VDC. Diese Flexibilität ist entscheidend, da KI-Infrastrukturen zunehmend auf Hochspannungs-DC-Architekturen umgestellt werden, um Effizienzgewinne im großen Maßstab zu realisieren.

Referenzarchitekturen von NVIDIA zeigen bereits, wie solche Energie- und Rechenmodelle künftig zusammenspielen können. Ziel ist eine eng integrierte Infrastruktur, die Rechenleistung und Energieversorgung als einheitliches System denkt.

Standardisierung als Beschleuniger der Skalierung

Ein zentrales Motiv der Entwicklung ist die Standardisierung. Offene Rack- und Systemdesigns sollen dazu beitragen, KI-Infrastruktur schneller und reproduzierbarer auszurollen. Besonders im Umfeld von Hyperscalern ist Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor, da Rechenkapazitäten weltweit parallel aufgebaut werden.

Modulare Konzepte wie der Infrastruktur-Pod ermöglichen dabei eine industrielle Skalierung: einmal entwickelt, lassen sich identische Einheiten weltweit einsetzen und kombinieren. Das reduziert Komplexität im Betrieb und beschleunigt Implementierungszyklen erheblich.

Ausblick: Infrastruktur als Plattform

Ergänzend zu den Megawatt-Pod-Konzepten werden weitere Bausteine wie In-Row-Cooling-Systeme und rückseitige Kühllösungen für Hochleistungsracks vorgestellt. Sie erweitern das Spektrum flüssigkeitsgekühlter High-Density-Architekturen und zeigen, wie stark sich Rechenzentren in Richtung vollständig integrierter Systeme entwickeln.

Der übergeordnete Trend ist klar: Infrastruktur wird zunehmend selbst zur Plattform. Rechenleistung, Energie und Kühlung verschmelzen zu einem standardisierten, skalierbaren System – als Grundlage für die nächste Phase der KI-Ära.

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