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Von der Nische zur Notwendigkeit: Immersion Cooling für High-Density-Rechenzentren und KI-Workloads

Immersion Cooling als Antwort auf thermische Verdichtung

Autor: Heiko Ebermann, Global Offering Manager Liquid Cooling bei Vertiv./dcg

Heiko Ebermann, Global Offering Manager Liquid Cooling bei Vertiv. – Quelle: Vertiv

Die Dynamik im Umfeld von KI, GPU-Clustern und High-Density-Anwendungen verändert die Anforderungen an Rechenzentren grundlegend. Leistungsdichten entstehen in kurzer Zeit, bei denen luftbasierte Kühlsysteme theoretisch noch funktionieren, in der Praxis jedoch an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig sollen Flächen effizient genutzt und Ausbauprojekte beschleunigt werden. Vor diesem Hintergrund erlebt die Tauchkühlung einen zunehmenden Einsatz und entwickelt sich von einem Nischenprodukt zu einer sinnvollen Lösung, um die thermischen Anforderungen moderner GPU-Generationen zu bewältigen.

Der zentrale Unterschied zu klassischen Klimatisierungssystemen liegt im Aufbau des thermischen Pfads. Luftbasierte Systeme arbeiten über Luftströme, Druckzonen und Lüfterleistung, während beim Immersion Cooling die Abwärme direkt an ein dielektrisches Fluid abgegeben wird, das sämtliche Komponenten umspült. Die Wärme gelangt über eine Coolant Distribution Unit (CDU) in den Gebäudekreislauf. Dadurch verschieben sich die planerischen Schwerpunkte: Luftführung, Hotspot-Management und Rack-Druckverhältnisse verlieren an Bedeutung, während hydraulische Parameter, Sensorik, Regelstrategien, Wartungszugänge und Sicherheitsmechanismen in den Vordergrund treten. Planungsteams müssen frühzeitig festlegen, wie Wärmeübertrager, Betriebszustände, Messpunkte und Regelungen zusammenwirken.

Modulares Liquid Cooling System des Typs Vertiv CoolCenter Immersion, bestehend aus einer CDU mit einer maximalen Kühlleistung von 240 kW in Kombination mit 4 Tanks mit jeweils 42 HE – Quelle: Vertiv

Leistungsgrößen, Systemdesigns und physische Rahmenbedingungen

Moderne Immersion-Cooling-Systeme wie die CoolCenter-Immersion-Baureihe von Vertiv erreichen Kühlleistungen, die mit rackbasierten Konzepten vergleichbar sind, jedoch mit einem anderen architektonischen Ansatz. Kompakte Tauchkühleinheiten im 24-HE-Format mit integrierter CDU können bei Kaltwassertemperaturen von zwölf Grad Celsius rund 50 kW Wärme pro Behälter abführen. Modular aufgebaute Systeme erlauben die Kombination mehrerer 42-HE-Tanks über eine zentrale CDU und erreichen so Gesamtkapazitäten von bis zu 240 kW, wobei pro Tank meist 60 bis 120 kW realisierbar sind.

Statische und logistische Aspekte sind dabei nicht zu vernachlässigen. Ein gefüllter 24-HE-Tank wiegt fast 900 Kilogramm, ein 42-HE-Tank mehr als eine Tonne – ohne IT-Hardware. Für Bestandsflächen sind Traglast, Einbringung und Wartungszugänge entscheidend. Eine tragfähige Planung berücksichtigt daher Kühlleistung, Hydraulik, Gewichtsverteilung, Bewegungsflächen und Wartungsaufwand.

Wirtschaftlichkeit und Anwendungsbereiche

Der Einsatz von Immersion Cooling lässt sich nicht allein über eine Leistungsgrenze bestimmen. Reale Lastprofile, Energiepreise, Baukosten, Projektzeitpläne und erwartete Serviceaufwände definieren die Wirtschaftlichkeit stärker als Spitzenwerte. Bei moderaten Leistungsdichten bleibt eine optimierte Luftkühlung meist sinnvoll. Direct Liquid Cooling kann im mittleren Leistungssegment Vorteile bringen, da die Abwärme von CPUs und Beschleunigern gezielt abgeführt wird. Immersion Cooling entfaltet seine Stärken insbesondere bei dauerhaft hohen Leistungsdichten oder kompakten KI- und HPC-Clustern, bei denen luftbasierte Systeme thermisch oder räumlich an Grenzen stoßen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Qualität der abgeführten Energie. Luftgekühlte Systeme liefern meist nur niedrige Rücklauftemperaturen, die zusätzliche Maßnahmen erfordern, während Tauchkühlung konstante Rücklauftemperaturen von 50 °C und mehr ermöglicht. Dies erleichtert die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zur Abwärmenutzung (EnEfG) und macht das Rechenzentrum zum potenziellen Wärmelieferanten für Nahwärmenetze oder industrielle Prozesse, wodurch PUE-Werte und CO₂-Bilanz verbessert werden.

Neue Planungslogik: IT und Gebäudetechnik wachsen zusammen

Immersion Cooling erfordert eine engere Verzahnung von IT-Hardware, Fluidkreisläufen, Regelstrategien und Betriebskonzepten. Der thermische Übergabepunkt zwischen IT und Gebäudetechnik muss präzise definiert werden, einschließlich Zieltemperaturen, Volumenströmen, Redundanzkonzepten, Rückkühlstrategie und zugehöriger Regelung.

Auch die betriebliche Perspektive ist entscheidend: Wartungszugänge, sichere Arbeitsabläufe und der Umgang mit den Fluiden müssen von Beginn an geplant werden. Dazu zählen sowohl das Immersionsfluid im Tank als auch das Kühlmedium im Sekundärkreislauf. Zudem sind Prozesse für den Austausch von Komponenten, das Öffnen von Tanks oder die Bewegung von Fluidvolumina während des Betriebs zu definieren, ergänzt durch ein Störfallkonzept mit Leckage-Erkennung, Arbeitsschutz und Notfallabläufen.

Nachrüstung bestehender Rechenzentren

Retrofit-Projekte sind grundsätzlich möglich, erfordern jedoch sorgfältige Planung. Aspekte wie Servicezugang, Leitungswege, Umbauphasen und Betriebskontinuität bestimmen hier die Kosten. Immersion Cooling wird als vollständiges System aus Tank, CDU und Verrohrung integriert, weshalb die Koordination zwischen Betreiber, Planungsbüro und Systemintegrator essenziell ist.

Kompatibilität, Service und Einsatzfelder

Betreiber müssen freigegebene Serverplattformen, Garantie- und Servicebedingungen frühzeitig berücksichtigen, da diese technische Risiken und langfristige Kosten beeinflussen. Der Markt entwickelt sich weiter, und Plattformansätze werden zunehmend standardisiert. Hersteller und Serviceanbieter unterstützen mit Beratung, Schulungen und integrierten Betriebsmodellen, sodass Zuständigkeiten, Garantieprozesse und Ersatzteilstrategien klar geregelt sind.

Fazit

Ob Immersion Cooling in der Planung eines Rechenzentrums von Anfang an berücksichtigt werden sollte, hängt vom Profil des Rechenzentrums ab. Betreiber mit klar definierten High-Density-Umgebungen – etwa für dedizierte KI- oder HPC-Cluster – profitieren von einer frühen konzeptionellen Auseinandersetzung. Bei moderaten Leistungsdichten oder stark variierenden Workloads sind optimierte Luftkühlung oder Direct Liquid Cooling oft flexibler und ökonomisch sinnvoller. Tauchkühlung bleibt in diesen Fällen dennoch eine Option für abgegrenzte Hochleistungsbereiche oder Testumgebungen.


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In seinem Artikel erläutert der Autor, wie Immersion Cooling zunehmend von einer Nischenlösung zu einer zentralen Technologie für High-Density-Rechenzentren und KI-Workloads wird. Er beschreibt, dass die Abwärme hierbei direkt an ein dielektrisches Fluid übertragen wird, wodurch klassische luftbasierte Kühlsysteme entlastet und die thermische Effizienz deutlich gesteigert wird. Moderne Systeme ermöglichen hohe Kühlleistungen bei kompakten Bauformen, erfordern jedoch sorgfältige Planung von Hydraulik, Wartung, Sicherheitsmechanismen und Integration in die Gebäudetechnik. Wirtschaftlichkeit und Nutzen hängen dabei stark von Leistungsdichte, Lastprofilen, Energiepreisen und Projektanforderungen ab, während moderate Anwendungen weiterhin mit Luft- oder Direct-Liquid-Cooling effizient betrieben werden können. Insgesamt betont der Artikel, dass frühzeitige Planung, abgestimmte Betriebskonzepte und klare Serviceprozesse entscheidend sind, um Immersion Cooling erfolgreich und langfristig einzusetzen.

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