Siemens und Infineon treiben Schutztechnologie für Rechenzentren mit Siliziumkarbid voran
Die Anforderungen an elektrische Schutzsysteme in Rechenzentren und Industrieanlagen steigen mit der zunehmenden Elektrifizierung deutlich an. Gleichzeitig gewinnen schnelle, effiziente und hochzuverlässige Schalttechnologien für kritische Infrastrukturen an Bedeutung. Halbleiterbasierte Leistungsschalter gelten dabei als Schlüsseltechnologie für moderne Energieverteilungssysteme. Sie ermöglichen deutlich kürzere Reaktionszeiten als klassische mechanische Lösungen. Vor diesem Hintergrund vertiefen Siemens und Infineon ihre Zusammenarbeit im Bereich Siliziumkarbid-basierter Schutztechnik.

Siemens und Infineon arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung von Halbleiter-Leistungsschaltern für Rechenzentren, Industrieanlagen und Energiespeicher. Im Zentrum steht der Einsatz von Siliziumkarbid-Technologie, die Effizienz, Leistungsdichte und Zuverlässigkeit elektrischer Schutzsysteme erhöht. Der Siemens SENTRON 3QD2 nutzt Halbleiter statt mechanischer Schaltelemente und ermöglicht dadurch extrem schnelle Abschaltzeiten im Mikrosekundenbereich. Diese Geschwindigkeit verbessert den Schutz kritischer Infrastrukturen deutlich und reduziert Risiken wie Ausfälle oder Hardwareschäden. Die Technologie soll insbesondere den Ausbau effizienter Gleichstromnetze und energieintensiver KI-Infrastrukturen unterstützen.
„KI-Rechenzentren und Fabriken werden zunehmend elektrifiziert und immer komplexer. Das erhöht die Anfälligkeit für elektrische Störungen und treibt die Nachfrage nach nachhaltigeren, effizienteren und zuverlässigeren Stromverteilungssystemen voran“, sagt Andreas Weisl, Executive Vice President und Chief Sales Officer Industrial & Infrastructure bei Infineon. „Durch die Kombination unserer fortschrittlichen Siliziumkarbid-Technologie mit der Expertise von Siemens in der Energieverteilung adressieren wir diesen Bedarf, um einen schnellen, sicheren und zuverlässigen Betrieb von kritischen Infrastrukturen zu gewährleisten.“
Ein Semiconductor-Circuit-Breaker, auch Solid-State-Circuit-Breaker genannt, ist ein Halbleiter-Leistungsschalter, der Stromkreise vor Schäden durch übermäßigen Stromfluss schützt, wie er zum Beispiel durch Kurzschlüsse oder Überlast entsteht. Im Gegensatz zu herkömmlichen elektromechanischen Schutzschaltern, die zur Unterbrechung des Stromflusses auf mechanische Komponenten setzen und typischerweise im Millisekundenbereich arbeiten, verwendet der Siemens SENTRON 3QD2 für diese Funktion Halbleiterkomponenten und intelligente Schutzalgorithmen. Damit ermöglicht er ein ultraschnelles Abschalten im Mikrosekundenbereich, bis zu 1.000-mal schneller als herkömmliche Systeme. Diese Fähigkeit ist für Gleichstromnetze (DC) unabdingbar und sorgt für eine deutliche Verbesserung von Schutz und Systemverfügbarkeit. In Anwendungen wie der industriellen Fertigung oder KI-Rechenzentren, wo im Fall von Stromfehlern selbst geringe Verzögerungen zu teuren Ausfallzeiten, Datenverlust oder kostspieligen Hardwareschäden führen können, ist das von entscheidender Bedeutung.
„Unser neues Gleichstrom-Portfolio bietet innovative Lösungen, die nicht nur die Energieeffizienz verbessern, sondern auch die Entwicklung resilienter, zukunftssicherer Infrastrukturen ermöglichen“, sagt Markus Grabmeier, CEO Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure. „Gleichstromanwendungen können den Energieverbrauch senken und den Materialeinsatz deutlich reduzieren. Durch die Integration von Batteriespeichern lässt sich zudem der Spitzenstrombedarf erheblich verringern. Mit diesem Ansatz leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Dekarbonisierung unserer Industrien und unterstreichen zugleich unser Engagement für die Entwicklung von Technologien, die einen greifbaren Mehrwert für unsere Kunden und die Gesellschaft schaffen.“
Die Zusammenarbeit adressiert die steigenden Anforderungen kritischer Infrastrukturen, bei denen Geschwindigkeit, Präzision und Zuverlässigkeit entscheidend sind. Durch die Integration des 62 mm-CoolSiC™ MOSFET-Moduls 1200 V von Infineon in die fortschrittlichen Schutzkonzepte von Siemens leisten die Unternehmen einen wichtigen Beitrag zu widerstandsfähigeren, effizienteren und zukunftssicheren Energieinfrastrukturen. Der gemeinsame Ansatz unterstützt die zunehmende Verbreitung von Gleichstromnetzen und hochelektrifizierten Umgebungen und hilft Industrie- und Infrastrukturbetreibern, die steigenden Anforderungen an Leistung und Zuverlässigkeit zu erfüllen.
Eine Demo des Halbleiter-Leistungsschalters SENTRON 3QD2 von Siemens wird auf der PCIM Europe 2026 in Nürnberg vom 9. bis 11. Juni am Infineon-Stand (Halle 7, Stand 470) zu sehen sein.
Infineon auf der PCIM Europe 2026
Die PCIM Europe findet vom 9. bis 11. Juni 2026 in Nürnberg statt. Infineon wird seine Produkte und Lösungen für die Dekarbonisierung und Digitalisierung in Halle 7, Stand 470 präsentieren.
