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Voice-Anwendungen: Sprache wieder auf dem Vormarsch

Autor/Redakteur: Tony Jamous, Position: President und Mitbegründer von Nexmo/gg

Wenn im Silicon Valley von „Transformationstechnologien“ die Rede ist, sind in der Regel Innovationen wie prädiktive Analysen, Big Data oder das Internet der Dinge gemeint. Natürlich sind diese Bereiche faszinierend und versprechen langfristig spannende Entwicklungen. Doch die weitreichendsten Folgen werden die Technologien haben, die bereits Teil unseres Lebens sind.

Transformation muss sich nicht zwangsläufig auf etwas völlig Neues beziehen – in manchen Fällen kann sie schlicht und einfach bedeuten, dass eine herkömmliche Technologie auf neue Weise betrachtet wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Voice-Technologie: Hier sorgen neue Sprachschnittstellen und -anwendungen dafür, dass Business-Informationen konstant fließen. Sie schaffen eine Welt, in der Mensch und Maschine nahtlos interagieren und zusammenarbeiten.

Dennoch scheint es widersinnig, Voice-Anwendungen als Technologien der Zukunft zu bezeichnen. Schließlich sind SMS- und andere Messaging-Dienste dabei, sich überall auf der Welt als Standardkommunikationsmittel zu etablieren. Das eine schließt das andere jedoch nicht aus – im Gegenteil, die Verknüpfung von Sprache mit anderen Technologien und neue Anwendungsideen machen bestimmte Innovationen erst möglich.

Und je mehr Funktionen die Sprache übernimmt, desto intensiver werden Messaging-Dienste genutzt. Der Chat beispielsweise – von den meisten als textbasierte Tätigkeit betrachtet – wird schneller und einfacher, wenn man ihn mit Sprache verknüpft. Früher nur eine Funktion unter vielen, haben sich die Voice-Dienste weiterentwickelt und umfassen mittlerweile sehr viel mehr Bereiche als früher. So gestaltet sich die Arbeit mit künstlicher Intelligenz (KI) und kognitiven Computersystemen durch Sprache schneller und reibungsloser, denn gestresste Nutzer können arbeiten und kommunizieren, ohne dauernd auf den Bildschirm zu starren. Sprache als eine Komponente anderer Kommunikationsarten zu behandeln, schafft also neue Möglichkeiten für effiziente Unternehmensabläufe.

Voice-Dienste fördern die Innovation

Seit Jahrzehnten sind Voice-Technologien ein wichtiger Bestandteil der Business-Welt. Telefongespräche spielen in der geschäftlichen Kommunikation eine wesentliche Rolle und bilden die Grundlage der meisten Vertriebsstrategien (und des Umsatzes). Die Software für diese Vertriebsstrategien wurde in den letzten Jahren immer häufiger in die Cloud verlagert, so dass die integrierten Telefonie- und Messagingdienste ebenfalls in die Cloud wanderten.

Um diese Dienste in Sales- und andere SaaS-Anwendungen einzubinden, wurden Voice-APIs eingeführt, die zudem eine neue Form der Anwendungsentwicklung hervorbrachten. Auch die Kombination von Voice-Services mit Anwendungen und Diensten der nächsten Generation wie Chat und künstlicher Intelligenz eröffnet spannende Möglichkeiten: Bald werden die Unternehmen in der Lage sein, durch Gesprächsanalyse und personalisierte Sprachnachrichten Kundeninteraktionen zu optimieren – und ihre Prozesse mit sprachgesteuerter künstlicher Intelligenz zu beschleunigen.

Chat & Voice: müheloser kommunizieren

Voice-Dienste werden neuerdings auch als effizientere Form des Messagings entdeckt. Der neueste Trend aus Buenos Aires vermittelt einen Eindruck von dem, was selbst die grundlegendsten Sprach-Tools können: Anstelle geschriebener Nachrichten senden sich die Bewohner der argentinischen Hauptstadt jetzt Sprachmemos zu – eine simple Funktion, die zwar auf den meisten Smartphones installiert ist, sich aber noch nicht durchgesetzt hat.

Auf die Frage, warum sie Sprachmitteilungen bevorzugen, antworteten die meisten Argentinier, sie seien „zu faul“ die Nachrichten einzutippen. Mit anderen Worten: Es ist effizienter, per Sprachmemo zu kommunizieren. Audio-Mitteilungen verbinden die Kürze und Unmittelbarkeit einer Standard-SMS mit der Schnelligkeit von Sprache.

Bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend hält. Denn erfahrungsgemäß findet jeder Kommunikationskanal, der sich auf dem Verbrauchermarkt etabliert, seinen Weg in die Unternehmen – und der Chat ist da keine Ausnahme. Falls sich die Nutzung von Sprachmitteilungen durchsetzt, wäre es also nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in die Business-Welt Einzug hält. Profitieren würden davon vor allem Mitarbeiter, die mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen oder viel unterwegs sind – und das ohne Investitionen in trendige neue Software oder „Wearables“ (tragbare Computer).