Kühlketten in Gefahr: Schwachstellen in Steuerungen für Kälteanlagen
Sicherheitsforscher von Claroty haben mehrere Schwachstellen in Steuerungssystemen für Kälteanlagen entdeckt. Betroffen sind die Danfoss AK-SM 800A-Plattform und die Copeland XWEB Pro-Plattform, die unter anderem in Supermärkten, Kühlhäusern, Logistikzentren und gastronomischen Betrieben eingesetzt werden. Die Sicherheitslücken ermöglichen unter anderem die Umgehung von Authentifizierungsmechanismen, Remote Code Execution und die Manipulation von Kälteanlagen aus der Ferne. Für beide Systeme stehen inzwischen Firmware-Updates bereit, die betroffene Unternehmen zeitnah installieren sollten. Die Fälle zeigen, welche Auswirkungen Schwachstellen in OT-Systemen haben können, wenn digitale Angriffe direkt physische Prozesse beeinflussen.

Schwachstellen bedrohen die Steuerungssysteme von Kühlanlagen — Quelle(Bild: WeissenbachPR/KI-generiert: https://ibb.co/mV4PT3cp
Danfoss AK-SM 800A
Danfoss gehört zu den großen Anbietern von Kälte- und HLK-Anlagen. Der Systemmanager AK-SM 800A koordiniert Kältesteuerungen und stellt eine webbasierte Oberfläche für die Überwachung und Konfiguration der Anlagen bereit.
Die Sicherheitsforscher von Team82, der Forschungsabteilung von Claroty, identifizierten mehrere Schwachstellen in dieser Verwaltungsoberfläche. Unter anderem wurde ein versteckter „Code-of-the-Day“-Authentifizierungsmechanismus entdeckt, über den sich die reguläre Authentifizierung umgehen lässt. Eine weitere Schwachstelle ermöglicht die Ausführung von Code aus der Ferne. Zudem können authentifizierte Benutzer beliebige Nginx-Konfigurationsanweisungen einschleusen und damit unter anderem einen Denial-of-Service-Zustand herbeiführen.
Durch die Umgehung der Authentifizierung können Angreifer auf verschiedene Verwaltungsfunktionen zugreifen. Dazu gehören unter anderem Netzwerkeinstellungen, Alarmmanagement, Benutzerverwaltung, E-Mail-Benachrichtigungen, Protokollierung und Systemwartung.
Betreiber betroffener AK-SM-800A-Controller sollten auf die Firmware-Version R4.3.1 oder höher aktualisieren. Zusätzlich empfiehlt Claroty, Managementschnittstellen nicht direkt aus dem Internet erreichbar zu machen und den Zugriff auf vertrauenswürdige Netzwerke zu beschränken.
Technische Details zu den Danfoss-Schwachstellen
23 Schwachstellen in Copeland XWEB Pro
Auch die Copeland-XWEB-Pro-Plattform weist Sicherheitslücken auf. Team82 entdeckte insgesamt 23 Schwachstellen, von denen 21 als schwerwiegend eingestuft wurden. Unter bestimmten Voraussetzungen können nicht authentifizierte Angreifer Sicherheitsmechanismen umgehen und Code mit Root-Rechten ausführen.
Die Forscher demonstrierten die möglichen Auswirkungen anhand eines kompromittierten XWEB-Controllers. Über diesen konnten sie einen angeschlossenen Feldcontroller manipulieren und unter anderem die angezeigte Temperatur verändern sowie Komponenten wie Kompressor, Kühlventilatoren und Abtauzyklus steuern.
Besonders problematisch ist dabei, dass eine manipulierte Temperaturanzeige von der tatsächlichen Temperatur abweichen kann. Dadurch könnten Veränderungen zunächst unbemerkt bleiben und beispielsweise zum Verderb gelagerter Waren führen.
Copeland stellt inzwischen die Firmware-Version 1.13 zur Behebung der Schwachstellen bereit. Betreiber entsprechender Systeme sollten das Update möglichst zeitnah installieren.
Technische Details zu den Copeland-XWEB-Pro-Schwachstellen
Digitale Schwachstellen mit physischen Folgen
Die Fälle verdeutlichen ein grundsätzliches Risiko vernetzter OT-Systeme: Eine Schwachstelle in einer digitalen Managementplattform kann sich unmittelbar auf physische Prozesse auswirken. Bei Kälteanlagen betrifft dies nicht nur die Verfügbarkeit der IT, sondern potenziell auch Warenbestände und andere kritische Prozesse.
Neben der Installation aktueller Firmware gehören daher Netzwerksegmentierung, der Schutz von Administrationsschnittstellen und die Einschränkung des Internetzugangs zu den wichtigen Sicherheitsmaßnahmen. Betreiber sollten insbesondere prüfen, welche OT-Systeme erreichbar sind und ob deren Managementoberflächen ausreichend gegen externe Zugriffe geschützt werden.
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