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Digitale Souveränität im Finanzsektor: Europa setzt auf eigene Zahlungslösungen

Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), hat auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos mit internationalen Wirtschaftsexperten über Wege zu mehr digitaler Souveränität im europäischen Finanzsektor diskutiert. Im Mittelpunkt standen strategische Abhängigkeiten Europas von außereuropäischen Technologien und Infrastrukturen. Besonderes Augenmerk galt dabei dem Zahlungsverkehr als kritischer Bestandteil der digitalen Wirtschaft. Plattner betonte die Bedeutung gemeinsamer europäischer Initiativen, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Ziel sei es, technologische Kontrolle und Sicherheit innerhalb Europas zu stärken.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner (3.v.l.) sprach beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Stefan Schaible (1.v.l.), Global Managing Partner bei Roland Berger, Michael Theurer, (2.v.l., Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank) und Sebastian Schmid (r., Chefredakteur der Börsen-Zeitung) über Strategien für ein digital souveränes Europa. – Quelle: BSI

Derzeit werden rund 60 Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum über außereuropäische Systeme abgewickelt, überwiegend durch US-amerikanische Anbieter. Bei Kreditkartenzahlungen in Deutschland liegt der Marktanteil dieser Lösungen sogar bei nahezu 100 Prozent. Auch im stark wachsenden Segment des mobilen Bezahlens nehmen US-Unternehmen eine dominierende Rolle ein. Diese Marktstruktur führt zu strategischen Abhängigkeiten, die aus Sicht des BSI sicherheits- und wirtschaftspolitisch relevant sind. Vor diesem Hintergrund wächst der Handlungsdruck auf europäischer Ebene.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner unterstrich in Davos die Notwendigkeit eines geschlossenen europäischen Vorgehens. In einer zunehmend instabilen Welt könne Fortschritt nur durch Bündelung der Kräfte erreicht werden. Die digitale Zukunft Europas biete dabei konkrete Chancen, etwa durch die Kombination aus europäischer digitaler Identität und eigenen Zahlungssystemen. Mit der EUDI Wallet und dem digitalen Euro entstünden Instrumente, die Europa ein internationales Alleinstellungsmerkmal verschaffen könnten. Diese würden einen wesentlichen Beitrag zur digitalen Souveränität leisten.

Die EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) ist als digitale Brieftasche für Smartphones konzipiert und soll EU-Bürgern ab 2027 zur Verfügung stehen. Sie ermöglicht die sichere Speicherung und Nutzung offizieller Dokumente wie Personalausweis, Führerschein oder Bildungsnachweise über Ländergrenzen hinweg. Darüber hinaus ist sie als Basis für Identitäts- und Zugriffsmanagement in der digitalen Welt vorgesehen. Damit schafft sie eine einheitliche Infrastruktur für vertrauenswürdige digitale Identitäten in Europa. Dies gilt als zentraler Baustein für zahlreiche digitale Dienste.

Der digitale Euro wiederum ist als digitale Ergänzung zum Bargeld geplant und soll von der Europäischen Zentralbank ausgegeben werden. Er zielt darauf ab, eine sichere, kostenfreie und europaweit einsetzbare Zahlungsmöglichkeit zu schaffen. Geplant ist zudem eine Offline-Funktionalität, um die Nutzbarkeit in unterschiedlichen Situationen zu gewährleisten. Durch den digitalen Euro soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern reduziert werden. Insgesamt sehen Experten darin einen wichtigen Schritt zur Stärkung der europäischen digitalen Souveränität.

Link zum BSI: BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

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