Vorsicht ist besser als Nachsicht: Warum Finanzinstitute für Cyber-Angriffe anfälliger sind

Autor/Redakteur: Dominique Meurisse, COO, Wallix

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Viele deutsche Bürger haben derzeit Angst vor bargeldlosem Bezahlen, weil mehrere Banken Kontodaten ihrer Kunden ausgetauscht haben – wegen eines Datenlecks mussten kürzlich 90.000 Kreditkarten ausgetauscht werden. Die Banken sprachen dabei von einer Vorsichtsmaßnahme und versichern, dass keine tatsächlichen Betrugsfälle entdeckt wurden. Jedoch gibt es keine Informationen, was eigentlich geschehen ist und welche Daten genau entwendet wurden.

Das wahre Problem ist dabei nicht, dass Maßnahmen ergriffen werden mussten, sondern dass die Banken außerstande sind, ein vollständiges Bild von dem Vorfall zu kommunizieren. Es fehlt an Überblick und Transparenz, und anscheinend kann niemand sagen, wann und wie die Daten abhandengekommen sind. Mangelndes Wissen schafft Angst und zwingt zu radikalen Schritten, wie in diesem Fall zur direkten Konfrontation mit den Kunden.

In der aktuellen Bedrohungslandschaft müssen Finanzinstitute umdenken und die Gefahren auf neue Weise betrachten. Cyber-Angriffe sind eine Realität, und immer wieder wird es Angreifern gelingen, die klassischen Sicherheitsmechanismen zu überwinden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschreibt in seinem jüngsten Bericht zur Lage der Informationssicherheit in Deutschland das neue Paradigma „Assume the Breach“: „Statt einer reinen Abwehr gegen Angriffe gehört es zum Risikomanagement einer Organisation, sich darauf einzustellen und darauf vorzubereiten, dass ein IT-Sicherheitsvorfall eintritt oder ein Cyber-Angriff erfolgreich ist (Paradigma: Assume the Breach). Dazu müssen Strukturen geschaffen, Verantwortlichkeiten benannt und Prozesse geübt werden, wie mit einem anzunehmendem Vorfall umzugehen ist.“

Auf veränderte Gefahrenlandschaft reagieren

Die starke Zunahme der Zahl der Endgeräte im Netz, Mobile Banking/Trading und die Weiterentwicklung der IT-Infrastrukturen hat die Bedrohungslandschaft verändert. Das gilt insbesondere auch im Hinblick auf die wachsende Zahl von Personen, die auf Ressourcen zugreifen, oft mit mehreren Geräten gleichzeitig. Der Trend zum Outsourcing von IT-Aufgaben an Dienstleister erhöht die Flexibilität, macht aber geeignete Sicherheitslösungen nötig. Zudem erfordert die Geschäftsentwicklung eine neue IT, die schwieriger zu schützen ist. All das schafft neue Risiken, und Lösungen wie Firewalls und Virenabwehr reichen als Schutz allein nicht mehr aus.

Neben dem Risiko, das durch Kriminelle entsteht, ist auch der „Faktor Mensch“ zu berücksichtigen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen müssen Wege finden, mit der Technologie umzugehen. Der Wirtschaftsprüfer PWC kommt in einer neueren Untersuchung zu dem Schluss, dass 48 Prozent aller Sicherheitsverletzungen auf menschliches Versagen zurückzuführen sind.  Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, genau zu verfolgen, was mit ihren Daten geschieht – sonst drohen drastische Schritte wie im obengenannten Beispiel. Wenn man im Zeitalter der digitalen Integration Zugang zu hochsensible Daten nicht verwaltet, ist das so, als würde man in einem Tresorraum sämtliche Sicherheitsmechanismen abschalten.

Der Finanzsektor war schon stark reguliert, bevor das IT-Sicherheitsgesetz in Kraft trat. Der Payment Card Industry (PCI) Data Security Standard (DSS) stellt Richtlinien für Compliance auf. Unternehmen brauchen Lösungen, die den Vorschriften gerecht werden, die schnelle Reaktionen auf Sicherheitsvorfälle ermöglichen (wie Sperrung oder Zugangsbeschränkungen) und zusätzlich das Benutzerverhalten prüfen können.

Wenn es zu einer Sicherheitspanne kommt, muss ein Unternehmen in der Lage sein, die Situation zu analysieren und die richtigen Schritte einzuleiten. Es ist wahrscheinlich, dass der Datenverlust in dem erwähnten Beispiel in Wirklichkeit ein wesentlich geringeres Ausmaß hatte und keine 90.000 Kunden betraf, doch wenn man es nicht sicher sagen kann, muss man zu umfangreicheren Maßnahmen greifen – auf Kosten des Kundenvertrauens.