Robuste Netzwerkanforderungen und SD-WAN

Autor/Redakteur: Sascha Kremer, Director of Carrier Development bei Cradlepoint/gg

Ohne Internetkonnektivität, möglichst in Breitband, geht heute kaum etwas. Auch nicht auf Baustellen oder bei Rettungseinsätzen der Feuerwehr. Baucontainer und Einsatzfahrzeuge sind IT-seitig wie kleine Unternehmenszweigstellen anzusehen. Und so müssen sie von der IT auch gehandhabt werden. Wie SD-WAN für eine stabile Internetkonnektivität im sogenannten Ruggedized Umfeld sorgt und dabei die Arbeit von IT-Verantwortlichen erleichtert, illustriert dieser Artikel.

Kaum ein Unternehmen kommt heutzutage ohne Internet aus. Always-on in Breitbandqualität gehört zum Standard. Selbst auf einer Baustelle ist das der Fall, denn die Konstrukteure brauchen Zugriff auf Konstruktionspläne – die ändern sich auch in der Bauphase ständig und werden über ein zentrales Tool gepflegt. Projektleiter erfassen den Baufortschritt im ERP-System. Ein Großteil der Kommunikation läuft über E-Mail. Und telefoniert wird natürlich auch. Also echter Büroalltag – nur dass ein Baucontainer nicht mit einer festen Büroinfrastruktur vergleichbar ist. Typischerweise stehen Baucontainer auf einem Freigelände, das nicht über Kabel erreichbar ist, zum Beispiel auf einem Parkplatz. Projektlaufzeiten von unter einem Jahr machen die aufwendige Kabelanbindung überdies unrentabel.

Der Kraftwerks- und Produktionsanlagenbauer Bilfinger SE kann davon ein Lied singen. „Wer legt schon Glasfaser auf einen Parkplatz?“, illustriert Harald Klause, Regional IT Business Partner bei Bilfinger Global IT, das Internetdilemma auf Baustellen. Bilfinger Global IT ist der interne IT-Dienstleister der Bilfinger SE. Bilfinger nutzt auf vielen seiner Baustellen mit kurzer Laufzeit – typischerweise sind das Wartungsprojekte – LTE-fähige Router, die nach außen eine schnelle und stabile Internetkonnektivität sicherstellen und nach innen alle Geräte – darunter Rechner, Drucker und Telefone – zu einem Filialnetzwerk bündeln. Bei der Entscheidung für den Einsatz von 4G-Anbindung kamen die enormen Datenmengen, die die Mitarbeiter auf der Baustelle hin und her senden, für Harald Klause besonders zum Tragen. Neben Konstruktionsdateien und datenbankbasierten Unternehmensanwendungen greifen auf den Rechnern der Mitarbeiter auch zentrale Governance-Regeln für Updates. Der Bedarf an Datenvolumen ist entsprechend hoch. „Wir setzen 50 GB-SIM-Karten ein – das ist das aktuelle Maximalvolumen, das die Carrier anbieten – denn echte Flatrates gibt es zurzeit nicht. Aber selbst mit 50 GB laufen wir auf so einer Baustelle nach 15 bis 18 Tagen gegen die Datengrenze“, so Klause. Deshalb verfügen die LTE-Router über zwei Modems mit jeweils zwei SIM-Karten-Steckplätzen. Dies stellt einerseits sicher, dass es nicht zu einem Netzausfall kommt. Andererseits löst der Router automatisch ein Failover aus, wenn das Datenvolumen einer SIM-Karte aufgebraucht ist.

Flottenbasierte Organisationen: Fahrende Filialen

Die Frage „Kabel oder nicht?“ stellt sich in anderen Branchen gar nicht erst, etwa bei Rettungsdiensten und der Polizei. Die Fahrzeuge via Kabel an die Einsatzzentrale anzubinden geht nicht. Und dennoch sind Einsatzwagen kleine Filialen auf Rädern. Breitbandiges Internet und ein so genanntes „In-Vehikel-Netzwerk“, also die Bündelung sämtlicher Geräte in einem fahrzeuginternen LAN beziehungsweise WLAN mittels einem speziell auf diese Funktionen ausgerichteten Router sind Standard, wie das Beispiel der Feuerwehr Recklinghausen demonstriert.

Die so genannten Einsatzleitwagen (ELW), aus denen der Einsatz vor Ort gesteuert wird, sind kleine Leitstellen auf Rädern. Die Autos sind sprichwörtlich vollgestopft mit Technik. Die Sprachkommunikation ist aus Sicherheitsgründen von der Datenkommunikation getrennt. Sprache wird über den so genannten Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben transferiert. Dieser bietet zwar nur eine sehr geringe Bandbreite und man kommt über ihn auch nicht ins öffentliche Internet, der Behörden-Digitalfunk fällt aber so gut wie nicht aus. Alle anderen Daten, etwa Katasterdaten vom Einsatzort aus Datenbanken, Daten aus dem Internet oder den Social Media sowie in Zukunft auch Videodaten, überträgt die Feuerwehr über eine LTE-Verbindung ins Fahrzeug und aus dem Fahrzeug in die Leitstelle. Die fahrzeuginterne IT, darunter ein PC, ein Tablet und ein großer Bildschirm im Heck des Einsatzleitwagens, der für Teambesprechungen genutzt wird, ist mittels eines Routers, der auch die LTE-Konnektivität sicherstellt, zu einem In-Vehikel-Netzwerk gebündelt. Dieser Router managt außerdem alle Datenströme und er switcht auf WLAN-Konnektivität um, wenn der ELW in die Einsatzzentrale fährt. Das spart Datenvolumen.