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Vertiv und NVIDIA zur Vertiv Week 2026: AI Factories, Marktdaten und neue Fertigungskapazitäten in Europa

Im Rahmen der Vertiv Week 2026 standen unter dem Titel „Converged Infrastructure for the AI Era“ sogenannte AI Factories im Mittelpunkt. Paul Ryan, EMEA President bei Vertiv, und Gautham Gnanajothi, Senior Vice President & Global Head of Best Practice Analytics bei Frost & Sullivan, ordneten gemeinsam mit NVIDIA die Entwicklung des Rechenzentrumsmarktes ein. Diskutiert wurden insbesondere der steigende Bedarf an KI-Rechenleistung, Energieeffizienz und die Frage, wie schnell die dafür notwendige Infrastruktur bereitgestellt werden kann. Vertiv informierte zudem über den Ausbau seiner europäischen Fertigungskapazitäten und die geplante Übernahme der UtilityInnovation Group. Dabei ging es auch um die Entwicklung von Rechenzentren von klassischen Anlagen hin zu KI-spezifischen, hochintegrierten Infrastrukturen.

Modell Vertiv One Core – Vertiv Week 2026 – Quelle: sysbus/Denise Cezanne-Güttich

Nach Angaben von NVIDIA wachsen KI-Modelle derzeit schnell: Auf Basis von Daten von Epoch AI verwies der Referent Rod Evans darauf, dass die Zahl der Modellparameter ungefähr um den Faktor zehn pro Jahr zunimmt, während die Zahl der beim „Denken“ verarbeiteten Tokens etwa um den Faktor fünf steigt. Gleichzeitig sinken die Kosten pro Token demnach jährlich ungefähr um den Faktor zehn. McKinsey prognostizierte im Januar 2025, dass sich der weltweite Bedarf an Rechenzentrumsleistung bis 2030 mehr als verdoppeln könnte. Der Anteil von KI soll dabei bei rund 71 Prozent liegen; je nach Szenario werden für 2030 etwa 170, 220 oder 300 Gigawatt Rechenzentrumsleistung erwartet. Inference könnte laut den genannten Einschätzungen bis zu 60 Prozent der KI-Rechenleistung ausmachen. NVIDIA bezifferte den weltweiten Inference-Bedarf für 2030 auf 93 Gigawatt. Für Europa ist dabei insbesondere die lokale Verarbeitung relevant, da Anforderungen an die Latenz, Datensouveränität und regulatorische Rahmenbedingungen häufig dafür sprechen, dass die KI-Inferenz näher an den Nutzern und den Daten erfolgt.  NVIDIA erwartet deshalb auch in Europa einen weiteren Ausbau von KI-Rechenzentren, unter anderem in osteuropäischen Ländern. Goldman Sachs geht zudem davon aus, dass sich die Token-Nutzung durch KI-Agenten bis 2030 vervielfachen wird.

NVIDIA beschreibt die Entwicklung von einzelnen Servern über komplette Racks hin zu sogenannten AI Factories. Dabei gewinnen Direct Liquid Cooling und der Übergang von Wechsel- zu Gleichstrom an Bedeutung. In einer AI Factory bilden laut NVIDIA Hardware, Facilities-Infrastruktur und Software die wesentlichen Säulen. Für Unternehmen stellt NVIDIA dafür Referenzarchitekturen und Empfehlungen für Hard- und Software bereit. Als Beispiel wurde autonomes Fahren genannt. OEMs wie Cisco, Dell Technologies und Lenovo können auf diesen Vorgaben eigene Systeme entwickeln. Diese werden anschließend von einem Design Review Board bei NVIDIA geprüft und können als „NVIDIA Endorsed Designs“ veröffentlicht werden. Ziel sind eine schnellere Bereitstellung, geringere Projektrisiken, eine bessere Kosteneffizienz und eine vereinfachte Unterstützung im Betrieb.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Energieeffizienz. Rechenzentren verfügen über begrenzte Ressourcen bei Stromversorgung, Kühlung, Platz und Konnektivität. Ziel ist es daher, möglichst viele KI-Tokens pro Watt zu verarbeiten. Für eine beispielhafte AI Factory mit einem Netzanschluss von einem Gigawatt ging NVIDIA von rund 20 Prozent Verlusten durch Strom- und Kühlungsinfrastruktur sowie jeweils etwa zehn Prozent durch ineffiziente Rack-Auslegung und Ausfälle aus. Damit verbleiben je nach Betrachtung rund 60 bis 70 Prozent der Leistung für die eigentliche KI-Verarbeitung. Als weitere Entwicklungen wurden neue Kühlungskonzepte, eine für 2028 geplante 800-Volt-Gleichstromarchitekturen sowie Digital Twins für Planung, Tests und Simulation genannt.

Gautham Gnanajothi von Frost & Sullivan unterschied bei der Betrachtung des Rechenzentrumsmarktes zwischen Colocation-, Hyperscale- und Enterprise-Betreibern. Nach der Analyse beliefen sich die weltweiten Investitionen 2025 auf rund 500 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 soll der Markt auf etwa 1.457 Milliarden US-Dollar wachsen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 11,2 Prozent entspricht. 2025 entfielen 46,3 Prozent der Investitionen auf Amerika, 29,2 Prozent auf die Region APAC und 24,5 Prozent auf EMEA. Die höchsten Wachstumsraten erwartet Frost & Sullivan in APAC, unter anderem mit 19,1 Prozent bei Colocation und 12,8 Prozent bei Hyperscale. Für EMEA werden 13,2 Prozent beziehungsweise 7,2 Prozent genannt. Die acht größten Hyperscaler sollen 2025 insgesamt rund 316,3 Milliarden US-Dollar investiert haben. Davon entfielen laut Frost & Sullivan 77 Prozent auf KI-Workloads und 23 Prozent auf traditionelle Anwendungen.

Als wesentliche Trends nannte Frost & Sullivan hohe Leistungsdichten, 800-Volt-Stromarchitekturen, moderne Kühlverfahren, Modularität, softwaredefinierten Betrieb und eine stärker verteilte KI-Infrastruktur. Die Entwicklung reicht demnach von nachgerüsteten Rechenzentren über modulare Neubauten mit 30 bis 80 Kilowatt pro Rack bis hin zu KI-nativen und netzintegrierten Campusstrukturen mit 80 bis 200 Kilowatt pro Rack.

Vertiv selbst meldet für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 10,2 Milliarden US-Dollar und etwa 34.000 MitarbeiterInnen in mehr als 130 Ländern. Zum 31. Dezember 2025 verfügte das Unternehmen weltweit über 30 Fertigungsstandorte, rund 320 Servicecenter, etwa 5.000 Servicetechniker und 26 Customer Experience Center. In EMEA sind davon zehn Fertigungsstandorte, rund 60 Servicecenter, etwa 700 Servicetechniker und zwölf Customer Experience Center angesiedelt. Der regionale Hauptsitz befindet sich in Neuhausen am Rheinfall in der Schweiz.

Ein Schwerpunkt des weiteren Ausbaus liegt in Europa. Am Vertiv-Standort Nové Mesto in der Slowakei entstehen rund 22.000 Quadratmeter zusätzliche Fertigungsfläche für Power- und Thermal-Management-Lösungen. Engineering, Betrieb und Fertigung sollen dabei stärker an einem gemeinsamen Campus zusammengeführt werden. Gleichzeitig soll die Lieferkette in EMEA widerstandsfähiger werden; Vertiv kündigte zudem Hunderte neue Arbeitsplätze an.

Auch Akquisitionen gehören zur Wachstumsstrategie. Am 2. September 2026 kündigte Vertiv die geplante Übernahme der UtilityInnovation Group an. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Microgrid-Lösungen und Stromarchitekturen für den Bereich hinter dem Netzanschluss. Der Kaufpreis soll rund 1,45 Milliarden US-Dollar in bar betragen; zusätzlich können bis zu 1,15 Milliarden US-Dollar abhängig vom Erreichen bestimmter EBITDA-Ziele fällig werden. Der Abschluss wird vorbehaltlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen für das vierte Quartal 2026 erwartet. Vertiv verbindet die Übernahme mit dem Ziel, die Zeit von der verfügbaren Energieversorgung bis zur Bereitstellung von KI-Rechenleistung – die sogenannte „Time-to-Token“ – zu verkürzen.

Im weiteren Programm folgte ein Gespräch zwischen Alex Brew, VP Sales bei Vertiv, und Jorge Paraiba, Executive Director des Lisbon Atlantic Hub. Unter dem Titel „From Ambition to Deployment: Lessons from the Lisbon Atlantic Hub“ ging es dabei um die praktische Umsetzung von KI-Infrastruktur und die Erfahrungen beim Aufbau entsprechender Rechenzentrums- und Energieinfrastrukturen.

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