Digitalisierung/Digitale TransformationInfrastructure

Vertiv: Europa, KI und modulare Rechenzentren bestimmen die weitere Entwicklung

Im Rahmen der Vertiv Week in Zagreb fand eine Roundtable-Diskussion mit Alex Brew, Vice President Regional Sales EMEA, und Peter Lambrecht, der seit 25 Jahren im Bereich Executive Relationships EMEA/Mergers and Acquisitions tätig ist, statt. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Marktsituation, das Wachstum von Vertiv und die weiteren Entwicklungen im Bereich Rechenzentren. Dabei spielen neue Kunden- und Marktsegmente, Künstliche Intelligenz, Souveränität und modulare Systeme eine zunehmend wichtige Rolle. Nach Angaben der Gesprächspartner verzeichnet Vertiv derzeit ein jährliches Wachstum von rund 30 Prozent. Besonders dynamisch entwickeln sich demnach die nordischen Länder, der Mittlere Osten sowie die mediterranen Märkte.

Auf der Vertiv Week 2026 in Zagreb – Quelle: sysbus.eu/Denise Cezanne-Güttich

Vertiv erweitert sein Portfolio kontinuierlich und übernimmt dazu auch weitere Hersteller. Als Beispiel wurde Thermokey aus Italien genannt, das unter anderem Dry Cooler anbietet. Die Erweiterung des Portfolios sei von großer Bedeutung, insbesondere mit Blick auf Themen wie Wärmeabfuhr und ressourceneffizienten Betrieb. Auch Partner und Kunden bringen neue Technologien und Anwendungen ein, beispielsweise für Greenhouse Farming. Die zunehmende Klimaerwärmung stelle Unternehmen dabei vor zusätzliche technische Herausforderungen.

Aktuell verzeichnet Vertiv nach den Angaben aus dem Roundtable ein jährliches Wachstum von rund 30 Prozent. Zu den Hotspots zählen die nordischen Länder und der Mittlere Osten. Insbesondere in Deutschland gibt es einen sehr hohen Bedarf. Auch die mediterranen Länder entwickeln sich stark, insbesondere Italien sowie Portugal und Spanien. Von diesen Märkten aus sollen unter anderem die nordafrikanischen Länder versorgt werden. Für die afrikanischen Märkte südlich der Sahara spielt Südafrika eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur. Während Vertiv bislang vor allem Cloud-basierende Märkte und Enterprise-Kunden bediente, entstehen zunehmend neue Kundengruppen und Anwendungen. Dazu gehören Unternehmen, die AI as a Service anbieten, ebenso wie sogenannte AI Factories. Auch das Thema digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung und trägt zur Entwicklung neuer Märkte im Mittleren Osten und im Mittelmeerraum bei.

In den nordischen Ländern steigt nach Einschätzung der Gesprächspartner insbesondere die Nachfrage nach AI Services und Large Language Models (LLMs). Die europäischen Mittelmeerländer sollen künftig auch als Ausgangspunkt für die Versorgung der Maghreb-Staaten dienen. Für die Märkte südlich der Sahara wird Südafrika als wichtiger Versorgungsstandort gesehen.

Auch innerhalb Europas gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Frankfurt, Dublin und Paris gehören weiterhin zu den wichtigen Standorten, gleichzeitig verschiebt sich der Bedarf zunehmend in Richtung der mediterranen Märkte. Dort besteht sowohl Nachfrage nach klassischen Cloud-Anwendungen als auch nach KI-Infrastrukturen.

Für Deutschland erwarten die Gesprächspartner eine weitere starke Entwicklung des Rechenzentrumsmarktes. Genannt wurden drei große Rechenzentrumsprojekte mit einer Kapazität im Gigawatt-Bereich. In Polen war der Bedarf zuletzt besonders hoch, hat sich inzwischen jedoch wieder abgeschwächt.

Die schnelle Bereitstellung bleibt nach Einschätzung von Vertiv eine zentrale Priorität.  Die Partnerschaft mit NVIDIA spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, da die Zusammenarbeit dazu beitragen soll, die Anforderungen des schnell wachsenden KI-Marktes zu erfüllen. Dabei sollen KI-Rechensysteme der nächsten Generation mit der erforderlichen Stromversorgung, Kühlung und Infrastruktur aufeinander abgestimmt werden, um KI-Kapazitäten schnelle in Betrieb zu nehmen und die sogenannte “Time-To-Token“ zu verkürzen.

Vertiv geht davon aus, dass sich die internationalen Märkte grundsätzlich ähnlich entwickeln werden wie der US-amerikanische Markt. Nach Angaben der Gesprächspartner sind die USA bei der Bereitstellung von KI-Infrastrukturen in mehreren Bereichen weiterhin führend, während andere Regionen je nach lokalen Marktbedingungen in der Regel mit einem zeitlichen Abstand von etwa ein bis drei Jahren folgen. Daraus lassen sich wertvolle Erkenntnisse über den zukünftigen Infrastrukturbedarf und die Nachfrageenwticklung in Europa und anderen Regionen.

Für den europäischen Markt produziert Vertiv unter anderem in Irland, der Slowakei, Italien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Tschechien und Kroatien. Damit kommt Europa für die internationale Vermarktung außerhalb der USA eine wichtige Bedeutung zu.

Eine weitere Entwicklung sind sogenannte konvergente Infrastrukturlösungen für KI-Fabriken, bei denen Stromversorgung, Kühlung, IT und Software zu integrieren, vorgefertigten Lösungen zusammengeführt werden. Vertiv baut diesen Bereich weiter aus und nutzt dabei seine globalen Fertigungskapazitäten, um die Bereitstellung modularer und integrierter Infrastrukturlösungen zu unterstützten.  Im Werk in der Nähe von Zagreb werden große Infrastrukturmodule montiert und getestet, bevor sie an die Kundenstandorte geliefert werden, um dort eine schnelle Inbetriebnahme zu ermöglichen.

Auch der Servicebereich soll weiterhin wachsen. In der Frankfurter Niederlassung arbeiten bereits rund 120 Service Engineers, gleichzeitig besteht weiterhin zusätzlicher Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Frankfurt soll deshalb künftig noch stärker als Ausbildungsstandort ausgebaut werden.

Als eine der Herausforderungen für den weiteren Ausbau von Rechenzentren wurden auch die Genehmigungsverfahren genannt. Teilweise können lange Zulassungszeiten den Neubau von Rechenzentren verzögern. Als besonders langes Verfahren wurde eine Genehmigungsdauer von bis zu sieben Jahren für eine Power License in Deutschland genannt.

Auch die Entwicklung von Rechenzentren mit 800 Volt Gleichstrom (800 V DC) wurde im Roundtable thematisiert. Nach Einschätzung der Gesprächspartner werden solche Rechenzentren eine andere Infrastrukturarchitektur  benötigen und zunehmend darauf ausgelegt, zukünftige KI-Workloads zu unterstützen. Es wird erwartet, dass sich der Übergang zu dieser Technologie im Laufe der Zeit über Hyperscaler hinaus auf weitere Kundensegmente und Anwendungsbereiche ausweiten wird.

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