CloudInfrastructure

Vertiv: Rechenzentren als Gesamtsystem planen und für kommende Chip-Generationen vorbereiten

Im Rahmen der Vertiv Week 2026 in Zagreb hatten wir Gelegenheit, ein Interview mit Viktor Petik, Senior Vice President Infrastructure Solutions bei Vertiv, zu führen. Im Gespräch erläutert Petik, warum Rechenzentren zunehmend als Gesamtsystem und nicht als Zusammenspiel einzelner Komponenten betrachtet werden müssen. Dabei geht es unter anderem um die Zusammenarbeit verschiedener Engineering-Teams, die Vorbereitung auf kommende Chip-Generationen und die zunehmende Standardisierung. Auch modellbasierte Systementwicklung und die Vorfertigung von Infrastruktur gewinnen aus seiner Sicht an Bedeutung.

Sysbus-Interview mit Viktor Petik, Senior Vice President Infrastructure Solutions bei Vertiv – Quelle: Vertiv

Sysbus: Was war aus Ihrer Sicht die wichtigste Entwicklung in Ihrem technischen Bereich, die zu dem heutigen Stand geführt hat?

Viktor Petik: Es geht es darum, ein Rechenzentrum als eine Einheit zu betrachten und auch seine Planung als Gesamtsystem anzugehen – nicht als eine Ansammlung verschiedener Komponenten und nicht getrennt nach unterschiedlichen technischen Disziplinen.

Die besten Einzelkomponenten ergeben nicht automatisch das beste Gesamtsystem. Deshalb müssen wir das System nach seinen Anforderungen planen und nicht nach den einzelnen Komponenten.

Bei den neuesten Projekten, an denen wir mit unseren Kunden arbeiten, sehen wir außerdem, dass drei Engineering-Teams zusammenarbeiten müssen: das Engineering-Team des Chip-Anbieters, das Team für die Infrastruktur und das Engineering-Team des Rechenzentrumsbetreibers.

Nur wenn diese drei Teams zusammenarbeiten, können sie das Rechenzentrum auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimieren. Ein Team weiß, wie der Chip funktioniert und was das für das System bedeutet. Das zweite Team weiß, wie diese Anforderungen durch die Infrastruktur umgesetzt werden können. Das dritte Team kennt die geplante Nutzung des Rechenzentrums und den zugrunde liegenden Business Case.

Ich denke, das ist der eigentliche Wandel: Wir betrachten das Rechenzentrum beziehungsweise die verschiedenen Bereiche zunehmend als ein Produkt, das in der Fabrik gefertigt und anschließend vor Ort montiert wird.

Sysbus: Wie sehen Sie die Entwicklung für die Zukunft, beispielsweise für die nächsten fünf bis zehn Jahre?

Viktor Petik: Wenn wir von fünf bis zehn Jahren sprechen – wobei selbst drei bis fünf Jahre schon eine lange Zeit sind –, sehe ich derzeit zwei Möglichkeiten, wie Rechenzentren gebaut werden können.

Man kann sie entweder so auslegen, dass sie für zukünftige Chip-Generationen aufrüstbar sind. Oder man baut sie zunächst gezielt für eine bestimmte Chip-Generation und rüstet das Rechenzentrum später entsprechend um.

Ich denke, hier wird es eine Entscheidung der Betreiber geben: Wie viele Generationen möchten sie von Anfang an berücksichtigen? Wir können sie dabei unterstützen, diese Erweiterbarkeit zu ermöglichen. Das kann am Anfang etwas mehr Investition erfordern und möglicherweise zusätzlichen Platz, weil zukünftige Generationen wahrscheinlich größer werden. Dieser Platz muss dann von Anfang an eingeplant werden.

Ein weiterer Punkt, an dem wir bei der Planung arbeiten, ist eine stärkere Standardisierung. Gleichzeitig wollen wir stärker mit modellbasierter Systementwicklung arbeiten.

Gemeinsam mit unseren Kunden können wir das Rechenzentrum in einer virtuellen Umgebung entwerfen, bevor wir überhaupt in unseren Fabriken mit dem Bau beginnen. Die Kombination aus Standardisierung und dieser modellbasierten Planung wird die Engineering-Zeit reduzieren und letztlich einen schnelleren Aufbau ermöglichen.

Sysbus: Das bedeutet also, dass man bereits heute die Zukunft berücksichtigen kann. Wenn man das Design für die aktuellen Anforderungen erstellt, kann man bereits einplanen, was künftig benötigt werden könnte?

Viktor Petik: Ja. Das hängt davon ab, für welchen Ansatz sich der Betreiber entscheidet und in welchem Umfang er die spätere Erweiterungen bereits von Anfang an berücksichtigen möchte. Manche Betreiber werden beispielsweise einen Standort zunächst so konzipieren, dass bestimmte Bereiche später aufgerüstet werden können. Andere werden die Infrastruktur gezielter für die aktuellen Anforderungen auslegen, ohne eine spätere Aufrüstung für zukünftige Generationen vorzusehen.

Sysbus: Möchten Sie noch etwas ergänzen – etwas, das für Sie besonders interessant oder wichtig ist?

Viktor Petik: Wir machen das inzwischen seit 25 Jahren. Ich glaube, wir haben ungefähr im Jahr 2000 oder 2001 in einer anderen Branche damit begonnen. Ich denke, das Konzept ist inzwischen in der Industrie vollständig akzeptiert. Power Modules waren ein Bereich, der zuerst akzeptiert wurde. Über viele Jahre haben die Unternehmen entsprechende Lösungen für die Stromversorgung eingesetzt. Jetzt geht es darum, auch den Rest der Infrastruktur rund um das Rechenzentrum zunehmend zu einem Produkt zu machen. Und ich denke, dass auch ein großer Teil der Innovation aus der Vorfertigung im sogenannten White Space kommen wird – also daraus, den kompletten White Space vorzufertigen.

Sysbus: Vielen Dank für das Gespräch.

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.