Digitalisierung/Digitale TransformationEntwicklungKünstliche Intelligenz

Microsoft Frontier Tour Köln: Souveräne Cloud, KI-Region NRW und Physical AI im Fokus

Auf der Frontier Tour in Köln hat Microsoft vor Pressevertretern Kunden- und Partnerprojekte rund um künstliche Intelligenz vorgestellt. Moderiert von André Pechmann, Director Communications, präsentierten neben Microsoft und dem UnternehmerTUM Accelerator auch Boehringer Ingelheim, TKE, EnBW, Raiffeisen Bank International, Körber und n8n ihre Ansätze. Alexander Britz, Public Affairs Lead Deutschland, ordnete die Themen in drei Schwerpunkte ein: Souveränität, Standort und Innovation. Microsoft stellte dabei neue Souveränitätsfunktionen für Azure, Investitionen in Nordrhein-Westfalen und ein Förderprogramm für Physical-AI-Startups vor. Im Mittelpunkt standen zudem konkrete Anwendungen der Partnerunternehmen, von klinischen Studien über Aufzugservice und Energieeinkauf bis zu Bankprozessen und Workflow-Automatisierung.

Microsoft Frontier Tour Köln 2026 – Quelle: sysbus/Denise Cezanne-Güttich

Digitale Souveränität als Spektrum

Digitale Souveränität beschreibt Microsoft als Spektrum: Entscheidend sei, wie viel Kontrolle und Resilienz an welcher Stelle gebraucht werde. Das Unternehmen setzt dafür auf eine Palette von Optionen, die von der Sovereign Public Cloud über die Sovereign Private Cloud bis zu nationalen Partner-Clouds reicht. In Deutschland ist das die DELOS Cloud mit einem staatlich genehmigten lokalen Betreiber. Die Sovereign Private Cloud wird vom Kunden selbst betrieben und basiert auf Azure Local und Microsoft 365 Local.

Den Einstieg bildet das Sovereign Control Panel, das zur Microsoft Ignite im November als Public Preview starten soll. Es bietet einen einheitlichen Überblick, hilft dabei, Handlungsbedarf zu erkennen, und ermöglicht es, Souveränitätskontrollen umzusetzen sowie privilegierte Zugriffe zu steuern und nachzuvollziehen. Im Alltag sollen Unternehmen hybrid arbeiten und bei Bedarf in den vom Internet getrennten Betrieb wechseln können. Diese Möglichkeit ist laut Microsoft ab sofort als Public Preview verfügbar. Sie soll Unternehmen mehr Flexibilität geben, kritische Dienste auch bei eingeschränkter Konnektivität aufrechtzuerhalten, und das Management vereinfachen.

Weitere Neuerungen betreffen die Datensicherheit:
Azure Managed HSM startet am Markt, die Schlüssel liegen zu 100 Prozent beim Kunden. Azure Confidential Compute schützt Workloads während der Verarbeitung, auch lokal. Azure Cleanroom erlaubt es, sensible Daten gemeinsam mit Partnern zu analysieren, ohne sie zu teilen. Customer Lockbox ergänzt die Zugriffskontrolle für externe wie interne Zugriffe. Azure Local erhält zusätzliche Cloud-Funktionen, darunter Foundry und GitHub Enterprise Local.

Microsoft macht NRW zur KI-Region

Wettbewerbsfähigkeit braucht laut Microsoft zweierlei: eine leistungsfähige digitale Infrastruktur und Menschen, die KI kompetent einsetzen können. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben 3,2 Milliarden Euro in Nordrhein-Westfalen. Rechenzentrumsstandorte entstehen in Bergheim, Bedburg, Elsdorf. Grevenbroich kommt als vierter Standort hinzu. Dort arbeitet das Unternehmen eng mit dem NABU zusammen, um auf den Naturschutz vor Ort einzugehen. Gemeinsam mit dem NABU engagiert sich Microsoft für den Schutz und die Revitalisierung des Rheins und seiner Auen. Die Zusammenarbeit soll dazu beitragen, natürliche Wassersysteme zu stärken und die ökologische Widerstandsfähigkeit der Region langfristig zu verbessern.

Auf der Skilling-Seite verweist Microsoft auf mehrere Upskilling-Initiativen, unter anderem mit der Finanzverwaltung, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern. Dazu zählen AzubiTrain und das Future Skills Lab im Kölner Büro mit den FrAIdays sowie eine KI-Skilling-Initiative für Lehrkräfte in NRW.

Physical AI Growth Lab mit UnternehmerTUM

Unter dem Motto „Neumachen statt nachmachen“ stellte Dominik Feiden, Head of Acceleration beim UnternehmerTUM Accelerator, das Thema Physical AI „Made in Germany“ vor. Deutschland liege bei der Roboterdichte weltweit auf Platz drei, diese Ausgangsposition müsse genutzt werden. Physical AI sehen die Beteiligten als große Chance für die deutsche Wirtschaft.

Das Physical AI Growth Lab läuft von Januar bis April 2027 und unterstützt 10 bis 15 europäische Startups. Die Teilnehmer erhalten Technologie, Mentoring sowie Kontakte zu Industrie und Investoren und können bis zu 350.000 Euro an Azure-Guthaben nutzen. Als Partner sind neben dem UnternehmerTUM Accelerator und Microsoft auch NVIDIA (KI-Training, Simulation und reale Systeme) und Infineon (Mikrocontroller, Sensorik und Stromversorgung) beteiligt.

Der UnternehmerTUM Accelerator bezeichnet sich als Europas größtes Startup-Ökosystem. Seine Gründerinnen und Gründer haben nach Unternehmensangaben 3,9 Milliarden Euro Kapital eingesammelt, pro Jahr werden 300 Startups beschleunigt, mehr als 170 Mentoren bringen Deep-Tech-Expertise ein. Als Beispiele für skalierbare Physical-AI-Unternehmen nannte der Accelerator sereact, RobCo und sewts.

Boehringer Ingelheim: KI und Digital Twins für klinische Studien

Boehringer Ingelheim war mit Harsha Deshmukh, Mitglied der Geschäftsleitung für IT und Global Business Services, und Lykke Hinsch Gylvin, Chief Medical Officer und Head of Global Medicine, vertreten. Das seit 1885 familiengeführte Unternehmen beschäftigt 54.300 Mitarbeitende weltweit und investiert jährlich 6,4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Der Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz im Bereich Humanpharma liegt bei 27,4 Prozent und damit über dem Durchschnitt der Vergleichsunternehmen.

Das Pharmaunternehmen will mit KI Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessern und vor allem Forschung und Entwicklung beschleunigen. Microsoft-Technologien setzt es bereits in großem Maßstab ein, darunter 50.000 Lizenzen von Microsoft 365 Copilot. Im Rahmen der Frontier Tour kündigten Boehringer Ingelheim und Microsoft an, ihre Zusammenarbeit auszubauen und gemeinsam neue wissenschaftliche Ansätze für die klinische Entwicklung zu erforschen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Krankheitsverläufe und Behandlungsergebnisse mithilfe von KI präziser modellieren und simulieren lassen, damit Therapien schneller bei den Patienten ankommen.

Boehringer beschreibt dazu ein Paradox: Trotz herausragender Innovation stagniere die Produktivität. Die Zahl der neu zugelassenen Medikamente in den USA bleibe mit durchschnittlich 43 pro Jahr weitgehend konstant, die Entwicklungswege würden länger und komplexer. In placebokontrollierten Studien erhalte bis zu jeder zweite Teilnehmende keine aktive Behandlung.

Als möglichen Ansatz nannte das Unternehmen digitale Patientenzwillinge. Sie werden aus klinischen Daten, Biomarkern und Krankheitsverläufen aufgebaut, simulieren Krankheitsverlauf, Therapieansprechen und Sicherheitssignale und werden laufend mit Studiendaten neu kalibriert. Damit könnten Kontrollgruppen kleiner ausfallen, die Placebo-Exposition sinken und Evidenz schneller entstehen. Wissenschaftliche Qualität, Patientensicherheit und regulatorische Anforderungen sollen dabei validiert werden. Boehringer spricht von einer frühen, hypothesengetriebenen Forschungsinitiative. Das Beschleunigungspotenzial für die Entwicklung neuer Medikamente beziffert das Unternehmen auf 30 bis 50 Prozent.

TKE: Digital Operations Centers im Aufzugservice

TKE und Microsoft arbeiten seit zehn Jahren zusammen, von 2016 bis 2026. Gemeinsam entstand die erste Lösung für vorausschauende Wartung in der Aufzugbranche. Die KI- und IoT-Funktionen der digital nativen Aufzüge EOX und HELIX basieren auf der MAX-Plattform von TKE, die in der Cloud auf Microsoft Azure läuft. Azure Databricks führt Daten aus Aufzügen, Serviceprozessen und Geschäftssystemen zusammen und bildet die Grundlage für Analysen und skalierbare KI-Anwendungen.

Das Unternehmen betreut weltweit rund 1,4 Millionen Aufzüge mit 25.000 Servicetechnikern. Das Herzstück bilden neun Digital Operations Centers (DOC), die auf Microsoft Azure und Databricks aufbauen. Dort übersetzen Aufzug-, Daten- und Serviceexperten Echtzeitdaten in konkrete Handlungsempfehlungen. Im Geschäftsjahr 2025 vermied TKE nach eigenen Angaben global rund 20.000 ungeplante Serviceeinsätze. Wo DOCs zum Einsatz kamen, gab es über 40 Prozent weniger Rückrufe, die Kündigungsquote sank um etwa zwei Prozentpunkte.

Zusätzlich bringt TKE spezialisierte KI-Agenten auf den Markt. Auf der Pressekonferenz zeigte das Unternehmen dazu einen Live-Showcase mit Microsoft Agentic AI. Dem Techniker werden Servicehistorie und Vertragsdaten bereitgestellt, vorab erhält er ein Briefing zum jeweiligen Aufzug, auf Wunsch auch mit Sprachausgabe. Der Serviceeinsatz wird anschließend per natürlicher Sprache exakt dokumentiert. So soll wertvolles Servicewissen erhalten bleiben, die Effizienz steigen und die Zuverlässigkeit über den gesamten Service-Lebenszyklus verbessert werden.

EnBW: KI-Agenten im Einkauf

Der Energieversorger EnBW macht KI-Agenten zum Operating Model im Einkauf. Die Agenten unterstützen die Teams bei der Überwachung von Lieferketten, bei der weltweiten Suche nach neuen Lieferanten sowie bei Verhandlung und Verwaltung tausender Verträge. Laut Chief Procurement Officer Olaf Komitsch will EnBW damit in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen.

Statt Agenten auf bestehende Prozesse aufzusetzen, baut das Unternehmen die Einkaufsprozesse von Grund auf agentisch neu. Als Plattform dient Microsoft Foundry, auf der Agenten entwickelt werden und künftige KI-Neuerungen in kurzer Zeit angebunden werden können. Als Unternehmen in überwiegend öffentlicher Hand und Betreiber kritischer Infrastruktur muss EnBW besondere Anforderungen an Sicherheit und Souveränität erfüllen. Mit Foundry kann der Versorger Frontier-Modelle einsetzen und diese Vorgaben einhalten. Die European Data Boundary ermöglicht zudem Datenhaltung und -verarbeitung in Microsoft Azure innerhalb der EU. Die offene Architektur erlaubt es, externe Daten, Modelle und Werkzeuge einzubinden, ohne sich an einen einzelnen Prozess oder ein einzelnes Modell zu binden.

Raiffeisen Bank International: KI im regulierten Bankenumfeld

Die Raiffeisen Bank International (RBI) zeigte, wie sich KI in einem hochregulierten Umfeld sicher, verantwortungsvoll und skalierbar einsetzen lässt. Mit RBI GPT hat sie eine konzernweite KI-Plattform aufgebaut, die heute von mehr als 20.000 Mitarbeitenden genutzt wird. Auf Basis von Microsoft Foundry und der Microsoft IQ Suite verbindet die RBI KI-Modelle mit Unternehmenswissen, internen Daten und Governance-Vorgaben. Das Ergebnis sind mehr als 160 produktive Anwendungsfälle und rund 14.000 KI-gestützte Workflows, die Mitarbeitende bei komplexen Geschäftsprozessen unterstützen und KI zunehmend in zentrale Bankprozesse integrieren.

Körber: KI-native Software für die Pharmaproduktion

Körber hat mit K.AI eine KI-native Softwareplattform auf Basis von Microsoft Azure entwickelt. Sie soll digitale Herstellungsprozesse in der Pharmaproduktion effizienter machen und zugleich strenge regulatorische Anforderungen berücksichtigen. Das Modul K.AI Designer digitalisiert komplexe Medikamentenrezepturen in natürlicher Sprache und macht sie durchsuchbar und aktualisierbar, die finale Prüfung und Freigabe bleiben beim Menschen.

Die PharmaGuardrails-Technologie prüft jede KI-Antwort mit einem speziellen Algorithmus und soll Halluzinationen und falsche Antworten nahezu ausschließen. Als Wissensgrundlage dienen das Know-how und die Dokumentation des Manufacturing Execution Systems PAS-X MES. Erste Pilotprojekte legen nahe, dass sich Rezepturen rund 30 Prozent schneller digitalisieren und manuelle Arbeitsschritte um bis zu 40 Prozent reduzieren lassen. Die Innovationspartnerschaft verbindet Körbers Pharma- und Regulierungsexpertise mit Microsofts KI-Kapazitäten und Sicherheitsarchitektur und setzt auf verantwortungsbewusste KI-Entwicklung als Grundlage für die Skalierung.

n8n: KI-Orchestrierung im Unternehmenseinsatz

Fast jedes Unternehmen erprobt derzeit KI, doch viele tun sich schwer, sie zuverlässig in geschäftskritischen Prozessen einzusetzen und mit den richtigen Daten, Tools und Governance-Vorgaben echten Mehrwert zu erzielen. n8n, spezialisiert auf KI-Orchestrierung und eines der am höchsten bewerteten KI-Startups Deutschlands, verbindet KI-Modelle, Geschäftssysteme und Menschen in einem zentralen Workflow. Dabei kombiniert die Plattform fest definierte Programmlogik, probabilistische KI und menschliche Freigaben.

Microsoft hat nach Unternehmensangaben entscheidend dazu beigetragen, dass n8n weltweit skalieren konnte. Als die Nachfrage nach KI-Agenten sprunghaft stieg, wuchs n8n Cloud innerhalb von neun Monaten um das Vierzigfache auf mehr als 400.000 Bereitstellungen, sämtlich auf Azure und verteilt auf über 170 Azure-Kubernetes-Service-Cluster in Deutschland und Schweden. Kunden führen in den Workflows monatlich rund 50 Millionen Vorgänge mit Modellen aus Microsoft Foundry aus. 21 Integrationen verbinden n8n mit Microsoft 365, von Teams bis SharePoint. Zudem ist n8n Launch-Partner von Agent 365, beide Unternehmen arbeiten inzwischen gemeinsam mit Unternehmenskunden.

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.