InfrastructureKünstliche Intelligenz

Rechenzentren als Rückgrat der digitalen Wirtschaft: Datacenter-Verbände diskutieren auf den Vertiv Days in Zagreb

Im Rahmen der Vertiv Week im Mozaik Convention Center in Zagreb diskutierten Vertreter europäischer Datacenter-Verbände über die Infrastruktur hinter dem digitalen Alltag. Das Panel stand unter dem Titel „Behind Europe’s Digital Economy: The Infrastructure Enabling Our Digital Lives“. Auf der Bühne saßen Isabelle Kemlin (Swedish Datacenter Industry), Michaël Reffay (France Datacenter), Stijn Grove (Dutch Data Center Association) und Ronan Kelly (Digital Infrastructure Ireland). Moderiert wurde die Runde von Stefano Mozzato, dem Präsidenten des italienischen Datacenter-Verbandes. Im Mittelpunkt standen die Rolle der Rechenzentren für Gesellschaft und Wirtschaft sowie ihr Energie- und Wasserbedarf. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Öffentlichkeit stärker über diese Infrastruktur aufgeklärt werden muss.

European Data Center Summit 2026 hosted by Vertiv – Quelle: sysbus – Denise Cezanne-Güttich

Digitale Infrastruktur im Alltag
Die Diskutierenden betonten, dass Menschen im Alltag ständig mit Rechenzentren interagieren, etwa am Geldautomaten oder bei der Nutzung digitaler Dienste. Da das Leben zunehmend digitalisiert wird, entstehen immer mehr Daten. Auch öffentliche Einrichtungen benötigen große IT-Infrastrukturen. Die meisten Menschen denken laut dem Panel jedoch kaum über die Zahlen und Systeme hinter ihrem digitalen Alltag nach.

Europa zwischen Optimierung und Souveränität
Ronan Kelly wies darauf hin, dass die bislang stark verteilte Infrastruktur in Europa optimiert werden muss. Gleichzeitig denken viele Länder über ihre digitale Souveränität nach. Michaël Reffay sieht Rechenzentren als Grundlage der KI-Revolution und sprach zugleich die negativen Faktoren Wasser- und Energieverbrauch an. Wichtig sei vor allem, dass Europa gegenüber Asien und den USA nicht ins Hintertreffen gerät.

Netzintegration und erneuerbare Energien
Stijn Grove erklärte, dass Rechenzentren Teil des Stromnetzes sind, da die IT rund um die Uhr laufen muss. Ein Problem sei die fehlende Netzkonnektivität. Als Beispiel nannte er die großen Windparks in der Nordsee, deren Energie möglichst direkt verbraucht werden sollte. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird das Netzmanagement zunehmend komplexer und erfordert zusätzliche Flexibilität und Planung. Rechenzentren könnten Batteriespeichersysteme nutzen, um Angebot und Nachfrage besser auszugleichen, die Netzstabilität zu unterstützen und das Energiemanagement zu optimieren.
Irland verfügt nach Angaben des Panels über eine der höchsten Rechenzentrumsdichte der Welt und deckt bereits rund ein Drittel seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen. Lösungen wie Batteriespeicher sollen Versorgungslücken überbrücken, und künftig sollen auch die Rechenzentren selbst dabei helfen.

Abwärme als Ressource
Isabelle Kemlin plädierte dafür, Rechenzentren stärker in die Gesellschaft einzubinden. Die Abwärme lasse sich in nahegelegenen Heiznetzen, zur Holztrocknung, für Gewächshäuser oder in sozialen Projekten nutzen. So könne rund um ein Rechenzentrum ein Ökosystem entstehen.
Stijn Grove nannte als Beispiel das schlecht gedämmte UNESCO-Gebäude in Rotterdam, das vollständig vom Gas getrennt wurde und dadurch jährlich große Mengen Gas einspart. Gewächshäuser in der Nähe von Rechenzentren würden zudem auf ein System „Wärme gegen Energie“ umgestellt.

Effizienz, KI und Innovation
Michaël Reffay verwies darauf, dass Investitionen in KI auch dazu beitragen, die Nutzung bestehender Energiequellen zu verbessern. Er hob die Innovationen hinter den Systemen hervor, die diese immer energieeffizienter machen, und zog einen Vergleich mit der Halbleiterindustrie. KI-Campus-Standorte seien heute deutlich offenere Orte, an denen entwickelt und gearbeitet wird. Die Frage, wie die Welt ohne generative KI aussähe, blieb offen. Ronan Kelly zog dazu einen Vergleich mit der Erfindung des Buchdrucks. Stijn Grove ergänzte, dass die Cloud-Nutzung den Energieverbrauch in Bürogebäuden gesenkt habe. Isabelle Kemlin merkte an, dass der größte Kostenfaktor in Rechenzentren die Energie sei und der Fokus daher stets auf Nachhaltigkeit liege, auch angesichts eines exponentiell wachsenden Datenverbrauchs.

Transparenz durch das EU-Label
Ein EU-Label im Rahmen der Energieeffizienzrichtlinie (EED) soll nach Ansicht von Stijn Grove ein Nachweis für Fortschritte sein. Isabelle Kemlin sieht darin eine Hilfe, um zu zeigen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Michaël Reffay erwartet mehr Transparenz. Stefano Mozzato fasste zusammen: Wenn alles gemessen werde, sei man auf dem richtigen Weg.

Regionale Lösungen
Auf eine Publikumsfrage aus Dubai antwortete Stijn Grove, dass je nach Region unterschiedliche Lösungen sinnvoll seien: Wasserkühlung, wo viel Wasser verfügbar ist, und stärkerer Stromeinsatz in trockenen Regionen.  Ein Vergleich der PUE-Werte zwischen verschiedenen Regionen kann schwierig sein, da die Betriebsbedingungen erheblich variieren.

Fazit
Im Schlusswort betonte Stefano Mozzato, dass die Öffentlichkeit aufgeklärt werden müsse, wofür die Datacenter-Verbände eine wichtige Rolle spielen. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass investiert werden muss und Rechenzentren und Energieinfrastruktur Hand in Hand arbeiten müssen, um mehr Energie verfügbar zu machen und das Wachstum zu sichern.

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