Siemens und Salesforce verbinden industrielle Produktdaten mit KI-Agenten
Siemens und Salesforce bauen ihre KI-Partnerschaft aus und verknüpfen Siemens Teamcenter Service Lifecycle Management (SLM) mit Salesforce Agentforce. Die Integration soll technisch fundierte Produktinformationen direkt in Vertriebs-, Service- und Kundenprozesse einbinden. Dadurch können Unternehmen Serviceanfragen schneller bearbeiten, Ersatzteile identifizieren und technisch geeignete Produkt-Upgrades anbieten. Parallel setzt Siemens Agentforce ein, um eingehende Leads automatisiert zu qualifizieren und an die zuständigen Vertriebsteams weiterzuleiten. Nach Angaben der Unternehmen soll die Zusammenarbeit zudem das Partner- und Lieferanten-Onboarding beschleunigen.

Technisches Wissen direkt im Kundenprozess
Die Verbindung von Teamcenter SLM und Agentforce soll Informationen aus der Produktentwicklung und dem technischen Lebenszyklus für kundennahe Prozesse verfügbar machen. Fragen, bei denen bislang häufig die Entwicklungsabteilung hinzugezogen werden musste, sollen sich damit innerhalb von Sekunden beantworten lassen.
Servicetechniker können anhand einer Seriennummer bereits vor einem Vor-Ort-Termin passende Ersatzteile ermitteln. Im Vertrieb soll die Integration dabei helfen, nur Upgrades anzubieten, die technisch sinnvoll und umsetzbar sind. Auch Kund sollen geeignete Ersatzteile selbst finden und bestellen können, ohne auf technische Unterstützung oder eine Hotline angewiesen zu sein.
Die Verknüpfung von Produktdaten mit Informationen aus dem Kundenkontext soll außerdem die Bearbeitungszeiten verkürzen. Siemens und Salesforce sehen darin eine Grundlage für schnelleren Service, fundiertere Angebote und zusätzliche Umsatzmöglichkeiten im Aftermarket. Laut der Mitteilung wächst dieses Geschäft etwa sechsmal schneller als der Verkauf von Neugeräten und erzielt rund viermal höhere Margen. Langfristig sollen daraus auch leistungsabhängige Servicemodelle entstehen können.
Siemens automatisiert die Qualifizierung von Leads
Neben der Integration in industrielle Serviceprozesse setzt Siemens Agentforce für die eigene Vertriebsorganisation ein. Das Unternehmen erhielt bislang nach eigenen Angaben monatlich mehr als 2.500 unqualifizierte Leads, ohne zuverlässig erkennen zu können, welche Anfragen für den Vertrieb relevant waren. Mit der neuen Lösung sollen eingehende Kontakte für die rund 18.000 Vertriebsmitarbeiter in qualifizierte Verkaufschancen überführt werden.
Die technische Grundlage bildet AIforce, ein KI-Framework für Unternehmen, das Daten, Workflows, Geschäftslogik, Aktionen und Governance von Salesforce in agentische Schnittstellen integriert. Sales Cloud erfasst und bewertet die eingehenden Leads. Anschließend arbeiten zwei KI-Agenten zusammen: Ein Engagement-Agent nimmt Kontakt zu Interessent auf und leitet potenziell relevante Kontakte an einen Qualifizierungs-Agenten weiter. Dieser überprüft die Angaben, ergänzt Informationen und erfasst unter anderem Budget und Zeitplan. Vielversprechende Verkaufschancen werden an die zuständigen Vertriebsmitarbeiter übergeben.
Für die Kontaktaufnahme nutzt der Engagement-Agent CRM-Daten zur Personalisierung von E-Mails. Ein sicherer öffentlicher Schlüssel identifiziert den jeweiligen Lead, ohne die interne Datensatz-ID offenzulegen. Über einen Qualifizierungslink kann der zweite Agent den zugehörigen Vertriebsdatensatz abrufen und die Angaben vervollständigen. Siemens zufolge bearbeitet das Unternehmen inzwischen 100 Prozent der eingehenden Leads in 132 Ländern.
KI-Agenten koordinieren Partner- und Lieferanten-Onboarding
Auch die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern soll künftig stärker automatisiert ablaufen. Der von Salesforce vorkonfigurierte KI-Agent Piper soll potenziellen Partnern direkt ein personalisiertes Angebot erstellen und Gespräche mit dem zuständigen Partner-Account-Manager vereinbaren.
Nach der Vertragsunterzeichnung ist eine weitere Automatisierung vorgesehen: Slackbot soll Zertifizierungs-, Finanz- und Risikoprüfungen anstoßen und Ergebnisse sowie offene Entscheidungen über Slack bereitstellen. Für die abschließenden Onboarding-Schritte in SAP kommt Agentforce Operations mit Unterstützung von Regrello zum Einsatz. Nach Angaben der Unternehmen soll sich der Prozess dadurch von Wochen auf wenige Tage verkürzen lassen.
Die Partnerschaft verbindet damit industrielle Produkt- und Servicedaten mit KI-gestützten Geschäftsprozessen. Die angekündigten Anwendungen reichen von der technischen Unterstützung im Kundenservice über die Lead-Qualifizierung bis zur Koordination von Partner- und Lieferantenprozessen.
Weitere Informationen: salesforce.com/de
