Frage der Woche: Internetkonzerne gegen Überwachung

Die großen amerikanischen Internet- und IT-Konzerne AOL, Apple, Facebook, Google, Linkedin, Microsoft, Twitter und Yahoo fürchten um das Vertrauen der Nutzer in ihre Technik. Deswegen haben sie letzte Woche eine Kampagne gegen die vielen zur Zeit aufgedeckten Überwachungsprogramme gestartet. Sind das Ihrer Meinung nach Lippenbekenntnisse, oder können diese Unternehmen wirklich etwas erreichen? Und werden deutsche und europäische Anwender in Zukunft signifikant mehr einheimische Produkte verwenden oder bleiben sie trotz allem beim Einsatz der amerikanischen Lösungen? Hier die Meinungen von SafeNet, indera und Jakobsoftware.

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Ansgar Dodt, Vice President Sales, Software Monetization bei SafeNet, erklärt: „Aktuelle Berichte zeigen, dass auch deutsche Behörden Daten im großen Stil ausspioniert haben. Und allein die Herkunft aus Europa stellt nicht sicher, dass die eingesetzten Sicherheitsstechnologien den höchsten Standards entsprechen. Für europäische Unternehmen macht es deshalb keinen Sinn, die Herkunft der Produkte in den Mittelpunkt zu stellen. Gerade in der Cloud, bei mobilen Endgeräten und in der Industrie gehen Unternehmen noch zu viele Risiken ein, weil sie keine oder technisch schwache Lösungen zur Verschlüsselung und Lizensierung einsetzen.“

Markus Michael, Geschäftsführer indera

Markus Michael, Geschäftsführer der indera GmbH, fügt hinzu: „Es ist abzusehen, ob die US IT-Konzerne etwas erreichen. Deutsche Nutzer müssen aber verstehen, dass das Internet global ist und unterschiedlichen Rechtsprechungen und Sicherheitsstandards unterliegt. Dem kann man sich weder dadurch entziehen, indem man amerikanische Services meidet oder ein ‚Schengen-Routing‘ oder nationales Internet fordert. Gleichsam ist die neue Regierung gut damit beraten, sich noch stärker um den Datenschutz zu kümmern.“

Jürgen Jakob Software

„Den US-amerikanischen Internetkonzernen drohen Einbußen im KMU-Bereich durch den NSA-Spähskandal“, schließt Jürgen Jakob, Geschäftsführer Jakobsoftware und Sicherheitsexperte, das Thema ab. „Der Druck, den sie auf die US-Regierung aufbauen, ist real, bleibt jedoch wahrscheinlich ohne ernsthafte Konsequenzen. Das geschickte Marketing der Konzerne sorgt dafür, dass die Anwender die Software und Plattformen weiternutzen. Beim Großteil der Endanwender fehlt eine Sensibilisierung, was die Überwachung überhaupt bedeutet.“

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