Interview mit Ralf Preusser, Leiter Produktmanagement bei Sage

Wir haben ein Interview mit Ralf Preusser, Leiter Produktmanagement bei Sage, zum Thema “Bedeutung mobiler Anwendungen für Unternehmensumgebungen” geführt.

Ralf Preusser Leiter Produktmarketing CRM bei der Sage Software GmbH

Sysbus: “Die Zahl mobiler Anwendungen steigt unaufhörlich und Cloud-basierte Softwarelösungen auf Mietbasis (zum Beispiel Office 365) gewinnen ebenfalls immer mehr an Bedeutung. In Zukunft ist zu erwarten, dass sich der Trend nicht nur immer mehr von fest installierten Applikationen auf den Arbeitsplatzrechnern weg entwickeln wird, sondern dass auch eine Entwicklung von nativen mobilen Anwendungen hin zu Lösungen auf Browserbasis erfolgen wird, da die Möglichkeiten der Browserumgebungen sich durch HTML 5 deutlich erweitern. Werden native und fest installierte Applikationen nach und nach verschwinden, oder bleiben sie uns Ihrer Meinung nach erhalten, da sie sich auch in Zukunft noch das beste Arbeitsumfeld bieten?”

Preusser: “HTML5 und webbasierte Applikationen bieten eine hohe Flexibilität für den Anwender bei der Wahl der Endgeräte und auch bei der Anpassung an individuelle Bedürfnisse. Für uns als Softwarehersteller bieten sie den Vorteil, dass eine Lösung für unterschiedliche Plattformen entwickelt werden kann. Andererseits bieten native Apps dem Anwender eine bessere und einfachere Nutzung der hardwarenahen Funktionen wie zum Beispiel E-Mail, SMS, GPS etc. und erlauben darüber hinaus, den Offline-Zugriff auf Daten. Insofern sehen wir mittelfristig eine Berechtigung für beide Varianten.”

Preusser fährt fort: “Speziell für native Apps sehen wir eine zunehmende Bedeutung für gezielte, auf den einzelnen Anwender abgestimmte, Anwendungsfälle. So stellen wir beispielsweise mit der Version 7.2 von Sage CRM eine spezielle App für Vertriebsmitarbeiter bereit, die es online wie offline erlaubt, Notizen, Fotos, Emails, SMS und Telefonate zum Kunden direkt auf dem mobilen Endgerät zu erfassen und an unser CRM-System zu übertragen. In Zukunft sind hier auch Apps aus anderen Bereichen, wie beispielsweise die Freigabe von Rechnungen oder ein elektronischer Urlaubsantrag, denkbar.

Trotz der Bedeutung, die Apps für den einzelnen Anwender aus unserer Sicht in Zukunft spielen werden, werden diese – unabhängig ob Web-App oder native App – die klassische Business-Applikation nicht ersetzen. So gibt es nach wie vor die Notwendigkeit, Produkt- und Preisinformation zu aktualisieren, Aufträge zu kalkulieren oder Buchungen zu erfassen. Das sind nur einige Beispiele für Anwendungsfälle klassischer Desktop-Applikationen, die auch mittelfristig einen großen Bildschirm, gegebenenfalls weitere Applikationen und auch umfassende Funktionalitäten benötigen. Sicher ist allerdings auch, dass neue Oberflächen (Web) und Bedienparadigmen (Touch) auch für diese Applikationen deutliche Erleichterungen bringen werden.”

Sysbus: “Welche Sicherheitsprobleme sind durch die verstärkte Verwendung von Cloud-basierten und mobilen Applikationen zu erwarten und wie lassen sie sich lösen?”

Preusser: “Natürlich ergeben sich aus der Nutzung cloudbasierter oder mobiler Applikationen veränderte Sicherheitsanforderungen. Diesen tragen wir als Anbieter Rechnung, indem die Datenübertragung verschlüsselt und auf Basis sicherer Protokolle durchgeführt wird. Zudem erfolgt die Datenhaltung in zertifizierten Rechenzentren. Die Offline-Nutzung von Daten auf mobilen Endgeräten stellt hierbei weitere Anforderungen sowohl an uns als Hersteller als auch an den Anwender selbst. Natürlich stellen wir als Hersteller sicher, dass Daten, die offline gespeichert werden, nur verschlüsselt abgelegt werden. Der Anwender selbst muss andererseits entscheiden, ob diese Sicherheitsmechanismen seinen eigenen Anforderungen genügen, da bei dieser Form nicht ausgeschlossen werden kann, dass mobile Endgeräte verloren gehen und die enthaltenen Daten Dritten in die Hände fallen – auch wenn sie verschlüsselt sind.

Was die Anbindung mobiler Endgeräte an ein beim Kunden installiertes System angeht, so ist dies eine weitere Herausforderung für die Unternehmen. Hier gibt es aus unserer Sicht unterschiedliche Lösungsansätze. Zum einen kann der Anwender zusammen mit seiner IT-Abteilung oder seinem IT-Systemhaus selbst den Zugang zu seinen Systemen herstellen. Diese Vorgehensweise bietet die höchste Flexibilität und integriert vorhandene Infrastrukturen. Sie bedarf andererseits aber auch Anstrengungen auf Kundenseite.

Eine Alternative stellt zum Beispiel unser Office Line Mobile Angebot dar. Sage bietet hier einen Service, durch dessen Nutzung der Anwender in die Lage versetzt wird, lokale Daten aus seinem ERP-System auch mobil zu konsumieren. Auf Kundenseite ist dazu lediglich ein entsprechender Account nötig. Um alles andere kümmert sich die Plattform.”

Sysbus: “Denken Sie, dass sich bei der Anwendungsentwicklung in Zukunft neue Design-Richtlinien durchsetzen, da der Trend dahin gehen wird, nur noch mit Touch-optimierten Lösungen zu arbeiten?”

Preusser: “Ja. Touch, aber auch berührungslose, gestenorientierte Bedienkonzepte genauso wie Spracherkennung und die Nutzung von Kameras beziehungsweise Bildern werden aus unserer Sicht die Bedienparadigmen von Software verändern. Dem tragen wir heute bereits bei der Entwicklung neuer Weboberflächen Rechnung.”

Sysbus: “Welche Konsequenzen werden sich Ihrer Meinung nach aus dem Einsatz mobiler und Cloud-basierter Anwendungen im Unternehmensumfeld ergeben?”

Preusser: “Der Trend zum mobilen Arbeiten wird, gestützt auf die entsprechenden Apps tatsächlich weiter voranschreiten. Erleben wir heute bereits Telefonie, Kalender, E-Mail, Chat und Notizfunktionen als Standard im Businessumfeld, so wird die Zukunft aus unserer Sicht von unterschiedlichen Apps für gezielte Anwendungsfälle sowie Web-Oberfläche mit Touch und Sprachsteuerung für die unterschiedlichsten Endgeräte bestehen.

Damit wird es erstmalig möglich sein, Unternehmensprozesse aus CRM, ERP und HR auch unterwegs weiterzuführen und damit Reaktionszeiten zu beschleunigen und Entscheidungen auch unterwegs zu treffen. Die Cloud als Alternative zur klassischen Installation vor Ort erleichtert dabei zum einen den Zugriff auf die Unternehmensdaten und entlastet den Anwender spürbar von IT-Themen wie Bereitstellung und Sicherheit.”

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