Interview mit Guido Bergmann, Service Line Manger Business Solutions bei Comparex Deutschland

Wir haben ein Interview mit Guido Bergmann, Service Line Manger Business Solutions bei Comparex Deutschland, zum Thema “Bedeutung mobiler Anwendungen für Unternehmensumgebungen” geführt.

COMPAREX_Guido Bergmann

Sysbus: “Die Zahl mobiler Anwendungen steigt unaufhörlich und Cloud-basierte Softwarelösungen auf Mietbasis (zum Beispiel Office 365) gewinnen ebenfalls immer mehr an Bedeutung. In Zukunft ist zu erwarten, dass sich der Trend nicht nur immer mehr von fest installierten Applikationen auf den Arbeitsplatzrechnern weg entwickeln wird, sondern dass auch eine Entwicklung von nativen mobilen Anwendungen hin zu Lösungen auf Browserbasis erfolgen wird, da die Möglichkeiten der Browserumgebungen sich durch HTML 5 deutlich erweitern. Werden native und fest installierte Applikationen nach und nach verschwinden, oder bleiben sie uns Ihrer Meinung nach erhalten, da sie sich auch in Zukunft noch das beste Arbeitsumfeld bieten?”

Bergmann: “Wir werden auch in Zukunft noch viele Anwendungsgebiete haben, in denen fest installierte Applikationen zu bevorzugen sind. Nicht überall sind Netzwerke und Internetverbindungen verfügbar oder aber stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Ebenso wird auch das Thema Hochverfügbarkeit und Ausfallsicherheit immer eine Rolle spielen. Bei Anwendungen, die Internet-Services benötigen, kann diese oft nicht in dem Maße garantiert werden, wie bei nativen Applikationen. Auch Anwendungen in den Bereichen CAD, Videoschnitt oder Buchhaltung bleiben nativ und fest. Diese Lösungen benötigen entweder spezielle Hardware, arbeiten auf einem sehr umfangreichen Datenbestand oder sind in hohem Maße spezialisiert. Wenn man heute einer Buchhaltungs-Fachkraft über die Schulter schaut, wie sie über die Tastatur fliegt: das ist mit Touch nicht zu toppen und die Mobilität bringt der Buchhaltungskraft noch keinen Nutzen. Ein Trend, der sich weiter fortsetzen wird, ist die Erweiterung bestehender Anwendungen um eine mobil nutzbare Oberfläche. Simples Beispiel ist die Set Top Box für den Fernseher: Neben der festen Applikation, mit der das TV-Programm auf den Fernseher kommt, können Aufnahmen via Web-Oberfläche programmiert und abgefragt werden.”

Sysbus: “Welche Sicherheitsprobleme sind durch die verstärkte Verwendung von Cloud-basierten und mobilen Applikationen zu erwarten und wie lassen sie sich lösen?”

Bergmann: “Durch die Verwendung von Internet-basierten Services, unterschiedlicher Hardware und den verschiedenen Betriebssystemen, die momentan den Markt beherrschen, ergeben sich tatsächlich beliebig viele Sicherheitsfragen, die wir allerdings zu einem Großteil klären können. Zum einen ist es inzwischen ebenso wichtig, die mobilen Geräte softwareseitig auf dem aktuellsten Stand zu halten, wie wir es aus dem Desktopumfeld seit Jahren gewohnt sind. Zum anderen lassen sich Daten, die aus webbasierten Ressourcen stammen, verschlüsseln und benutzerbasiert aufbereiten. Außerdem lassen sich mobile Anwendungen, ähnlich wie es im Desktop Bereich üblich ist, virtualisieren und in einer geschlossenen Umgebung zur Verfügung stellen. Schwieriger wird es da schon bei dem aktuellen Trend, dass die Mitarbeiter ihre eigenen Geräte mit zum Arbeitsplatz bringen und diese auch dienstlich verwenden wollen. Aber auch darauf haben wir umfangreiche Antworten. So werden über ein Mobile-Device-Management Berechtigungen und Zugriffe auf und von Apps zentral gesteuert und auch entsprechende Installationen reglementiert. Gerade in dem Bereich haben unsere Kunden natürlich den meisten Beratungsbedarf und auch die größten Bedenken und Vorurteile.”

Sysbus: “Denken Sie, dass sich bei der Anwendungsentwicklung in Zukunft neue Design-Richtlinien durchsetzen, da der Trend dahin gehen wird, nur noch mit Touch-optimierten Lösungen zu arbeiten?”

Bergmann: “Die Paradigmen und Richtlinien für das Design von Anwendungen – Touch oder Tastatur/Maus-basiert – sind bereits vorhanden und bekannt. Wir haben heute die Situation, dass die Design-Frameworks entweder rein auf mobile Anwendungen zugeschnitten sind (Apple, Android) oder aber bewusst ein hybrider Ansatz unterstützt wird. In der Praxis ist jedoch der Versuch, eine auf Tastatur/Maus-Bedienung zugeschnittene Applikation auf einem Tablet mit den Fingern zu bedienen, meist zum Scheitern verurteilt – eine etwas unbefriedigende Situation, die uns sicher noch einige Zeit begleiten wird. Die Investitionen für die Applikationshersteller, eine bestehende Anwendung umzustellen, sind erheblich. Langfristig ist zu erwarten, dass die OS-Hersteller hier weiter nachrüsten, um die hybride Oberflächengestaltung durch Ausbau der Frameworks noch weiter zu unterstützen. Langfristig wird sich der Anteil an touch-optimierten Lösungen sicherlich stark erhöhen. Ein ‘nur noch touch’ wird es in den nächsten Jahren im Bereich der Business-Anwendungen meines Erachtens jedoch nicht geben.”

Sysbus: “Welche Konsequenzen werden sich Ihrer Meinung nach aus dem Einsatz mobiler und Cloud-basierter Anwendungen im Unternehmensumfeld ergeben?”

Bergmann: “Dort, wo mobiler Einsatz wirklichen Nutzen und damit direkt oder indirekt auch finanzielle Mehrwerte bietet, werden sich mobile Unternehmensanwendungen in den nächsten Jahren durchsetzen. Wenn heute eine Servicekraft beim Kunden vor Ort einen Servicebericht als DIN-A4 Formular ausfüllt und abzeichnen lässt, kann man sich vorstellen, welcher Aufwand für den Versand an die Zentrale, die Nacherfassung etc. durch eine mobile Lösung wegfallen könnte. Zu beachten sind hier stets die Rahmenbedingungen hinsichtlich Datenschutz und Compliance. So dürfen zum Beispiel bestimmte Daten territoriale Grenzen nicht verlassen. Die Lösungen für diese Herausforderungen sind jedoch längst vorhanden. Viele Unternehmen setzen daher heute schon auf Cloud-basierte Anwendungen, wobei die am häufigsten genutzten Bereiche E-Mail-Services, CRM oder Business-Intelligence Lösungen sind.”

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