Interview: WAN-Optimierung für die Public Cloud

Autor/Redakteur: Georg von der Howen/gg

Dietmar Schnabel ist Geschäftsführer DACH und Osteuropa bei Blue Coat Systems in München

Cloud-Computing verändert die IT-Welt und bietet auch dem Mittelstand interessante Chancen. Doch die effiziente Nutzung von Anwendungen in der Public Cloud bringt auch einige Herausforderungen mit sich. Welche das sind und wie man sie meistert, erklärt Dietmar Schnabel, Geschäftsführer DACH und Osteuropa bei Blue Coat Systems.

Cloud-Computing hat den Sprung vom Hype zum Trend geschafft. Welche Chancen bieten sich dem Mittelstand durch Cloud-Computing?

Dietmar Schnabel: Zum einen sind das ganz klare Kostenvorteile – sowohl bei den Investitions- als auch den Betriebskosten. Zum anderen erschließt sich dem Mittelstand durch Cloud-Computing eine völlig neue Flexibilität und Agilität. Früher mussten Unternehmen beispielsweise CRM-Software anschaffen, lokal installieren und zentral administrieren. Heute greifen die Mitarbeiter bequem über einen Browser auf Microsoft Dynamics zu und die IT-Abteilung hat damit so gut wie nichts mehr zu tun. Auch müssen Unternehmen heute keine eigenen Exchange-Server mehr betreiben, denn diese stehen kostengünstig in der Cloud bereit. Und Cloud-basierte Dienste können auch KMUs in Echtzeit vor Gefahren aus dem Internet schützen. Ständige Updates von Anti-Virensoftware, URL-Filtern und so weiter am zentralen Webgateway sind da nicht mehr nötig.

Das hört sich ja ganz nach “großer Freiheit” für den Mittelstand an. Welche “Schattenseiten” gibt es denn in diesem Bereich?

Dietmar Schnabel: Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten. So gibt es auch beim Cloud-Computing eine Reihe von Herausforderungen, über die sich Unternehmen vorab im Klaren sein sollten. Gerade über die Aspekte Sicherheit, Compliance und Governance wurde ja bereits vielfach geschrieben. Dabei hat man den Herausforderungen für die IT-Infrastruktur aber noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das ist in meinen Augen ein Fehler.

Wie meinen Sie das? Welche Herausforderungen kommen denn auf die IT-Infrastruktur zu?

Dietmar Schnabel: Nun, wenn immer mehr Nutzer auf Public-Cloud-Anwendungen wie Microsoft Dynamics oder auch Office 365 zugreifen, wirkt sich das natürlich auch auf die zugrundeliegende Netzwerkinfrastruktur aus. Die Anwender greifen nicht mehr über sichere VPN-Verbindungen auf Applikationen in privaten Rechenzenten zu, sondern über das öffentliche Internet auf Anwendungen in der Public Cloud. Das bedeutet, dass der Datenverkehr zukünftig per SSL/TLS verschlüsselt wird und HTTP als Transportprotokoll weiter an Bedeutung gewinnt. Hinzu kommt: Die Anzahl der IPv4-Adressen ist erschöpft. Also müssen Anwendungen in der Cloud zunehmend auch über IPv6 erreichbar sein. Von der wachsenden Nutzung multimedialer Inhalte und Videos in HTML5, Flash oder Silverlight mal ganz abgesehen. Das Datenverkehrsaufkommen wird weiter steigen – die Internetstrecken also immer überfüllter.